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Außenhandel: ein prächtiges Bild mit Schönheits­fehlern

Ein Containerschiff verfrachtet Erzeugnisse deutscher Firmen in alle Welt. (Symbolfoto) Die Geschäfte deutscher Unternehmen mit dem Ausland liegen über dem Niveau vor der Corona-Krise.

Frankfurt.Das sieht doch prächtig aus: Der deutsche Außen­handel hat zum Jahres­ende noch mal eine Schippe drauf­gelegt. Nach einem ohnehin starken Oktober legten die Exporte im November noch einmal kräftig zu. Es wirkt auf den ersten Blick beinahe so, als würde es Corona gar nicht geben. Denn das Geschäft mit dem Ausland lag deutlich über dem Vorkrisen­niveau. Auch die vielen Lkw auf den Auto­bahnen sind ein Hinweis dafür, dass die Wirtschaft brummt. Doch beim genaueren Hinsehen lassen sich auch Schatten­seiten erkennen.

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Zunächst die wichtigste Zahl: Die deutschen Unternehmen haben im November nach Berechnungen des Statistischen Bundes­amtes (Destatis) Waren im Wert von knapp 126 Milliarden Euro exportiert – das sind gut 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Über­durchschnittlich viel haben Firmen in die anderen EU-Staaten und in die USA geliefert. Was den Groß- und Außenhandels­verband BGA dazu bringt, nicht mit Eigenlob zu geizen: Die guten Werte basierten „auf der Qualität der Produkte und der Erfahrung der deutschen Unternehmen auf den Welt­märkten“, sagte BGA-Präsident Dirk Jandura.

Und einiges spricht dafür, dass es so weitergehen könnte. So hat Destatis gemeldet, dass im November zahlreiche Großaufträge aus dem Ausland eingegangen sind. Enorme Zuwächse gab es insbesondere für den Fahrzeug­bau – einer der stärksten Sektoren der hiesigen Wirtschaft. Spürbar nach oben ging es nicht nur bei den Bestellungen, sondern auch bei der Produktion von Kraft­fahrzeugen. Aber noch stärker fiel das Plus in der Kategorie aus, zu der Flugzeuge, Schiffe und Züge gehören. All diese Orders sind nichts anderes als künftige Umsätze.

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Apropos Transport: Die Destatis-Experten haben für den Dezember 2021 beim Lkw-Maut-Fahr­leistungs­index ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem ebenfalls starken November registriert. Der Index rangiert damit knapp unter dem absoluten Höchst­stand, der im Dezember 2020 erreicht wurde, und ebenfalls deutlich über dem Wert der Monate vor der Corona-Krise.

Die Daten des Maut­systems werden bei dem Index ausgewertet. Er ist ein „Früh­indikator“, ermöglicht aktuelle Aussagen über die wirtschaftliche Entwicklung, denn insbesondere in großen Bundes­ländern mit viel Industrie besteht laut Destatis ein „deutlicher Zusammen­hang zwischen Lkw-Fahr­leistung und dem Umsatz im verarbeitenden Gewerbe“.

Nachhol­effekt verzerrt das Bild

Leider ist das Konjunktur­bild aber nicht ungetrübt. BGA-Chef Jandura macht darauf aufmerksam, dass man einen „gewissen Preis- und Nachhol­effekt“ berücksichtigen müsse. Ein Teil der positiven Entwicklungen habe noch immer mit der guten Corona-Lage im Sommer zu tun. Zur Erinnerung: Damals war von Omikron noch keine Rede, die Inzidenzen lagen vielfach nahe null. Restriktionen wurden aufgehoben. Zugleich liefen große Wieder­aufbau- und Infrastruktur­programme an – besonders in Europa und den USA.

Für das Export­wachstum seien nun überwiegend Preis­steigerungen verantwortlich und nicht ein Mehr an Gütern, die verschifft würden, erläutert denn auch Volker Treier, Experte für Außen­wirtschaft beim Deutschen Industrie- und Handels­kammertag (DIHK). Mit den höheren Preisen wurden vielfach schlicht die Verteuerungen beim Einkauf von Materialien und Vorprodukten weitergegeben. Unterm Strich ist dann bei den Firmen nicht viel mehr übrig geblieben.

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Die Preis­aufschläge sind eine Folge der gesteigerten Nachfrage, die durch Covid-Lockerungen und staatliche Investitions­programme ausgelöst wurden. So spricht denn auch Jandura von Logistik­problemen, Liefer­engpässen und hohen Energie­preisen. Deshalb könne man nicht davon ausgehen, dass sich der Außen­handel „auch in den kommenden Monaten so prächtig entwickeln wird“.

Corona-Jahr 2020: stärkster Exporteinbruch seit Finanzkrise

Der deutsche Export arbeitet sich seit geraumer Zeit aus dem Corona-Tief. Die Bilanz für das vergangene Jahr fällt dennoch düster aus.

ING-Chef­volkswirt Carsten Brzeski formuliert es martialisch: „Lieferengpässe halten die deutsche Industrie im Würgegriff.“ Die Produktion ging Destatis zufolge im Dezember leicht zurück. Auch weil viele Aufträge von der Industrie nicht abgearbeitet werden konnten.

Verbraucher haben 180 Milliarden Euro zusätzlich gespart

Der positive Aspekt davon: Das Erledigen der Bestellungen wird einfach auf später verschoben. So weist denn auch der „Order-Capacity-Index“ der Bundes­bank den höchsten Wert seit Beginn der Statistik auf.

Zudem hat die Markt­forschungs­firma IHS Markit herausgefunden, dass Liefer­ketten wieder stabiler werden und der Preis­druck in Europa sinkt, was auch der französische Notenbank­chef Francois Villeroy gerade bestätigt hat. Ferner hat das Ifo-Institut am Freitag gemeldet, dass sich laut einer Umfrage die Material­knappheit in der Bau­branche – die es besonders hart getroffen hatte – nachgelassen hat. Vor allem bei Holz und Stahl zeichne sich „eine gewisse Entspannung“ ab.

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Und dann gibt es neben dem Export als zweite wichtige Stütze für die Konjunktur auch noch den privaten Konsum. Das gewerkschafts­nahe Wirtschafts­forschungs­institut IMK schätzt, dass die Deutschen 2020 und 2021 insgesamt 180 Milliarden Euro zusätzlich gespart haben. Eine gewaltige Kaufkraft. Für IMK-Direktor Sebastian Dullien jedenfalls sind die „klassischen Zutaten für eine starkes Konjunktur­jahr 2022“ gegeben.

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