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Ausgeben oder Sparen? Warum Sie trotz Corona einen neuen Kühlschrank kaufen können

  • Die Wirtschaft bricht wegen des Coronavirus und des Lockdowns ein – und die Deutschen geben weniger Geld aus.
  • Doch ist es wirklich eine gute Idee, nun auf größere Anschaffungen zu verzichten?
  • Finanzexperten, Verbraucherschützer und Handelsvertreter geben ihre Einschätzung.
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In der Brust vieler Verbraucher dürften dieser Tage zwei Herzen schlagen: Das Eine blickt bange auf die Zukunft, fragt sich, was düstere Wirtschaftsprognosen für den eigene Einkommen bedeuten. Und das Andere würde den drögen Corona-Alltag am liebsten mit einer Anschaffung versüßen. Schließlich bringen ein neuer Fernseher, ein schickes Rennrad oder elegante Möbel vielleicht ein Stück Lebensqualität mit sich – und ein neuer Kühlschrank ist manchmal schlicht dringend nötig. Außerdem ist klar, dass der Einzelhandel zusätzliche Umsätze in Corona-Zeiten gut gebrauchen kann. Doch ist es eine gute Idee, nun richtig viel Geld auszugeben?

Fest steht jedenfalls: Das Geld muss man erstmal haben. Diejenigen, die wegen der Corona-Krise schon jetzt Einkommenseinbußen erleiden, sollten bei größeren Ausgaben vorsichtig sein, rät etwa der Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen. Allerdings gibt es auch die Anderen. Die, die keine Einbußen haben, weil sie eine ordentliche Rente beziehen, weiterhin in Vollzeit arbeiten können oder, weil ihr Kurzarbeitergeld seitens der Arbeitgeber großzügig aufgestockt wird.

Unter dem Strich dürften dieser Tage einige Bundesbürger sogar mehr Geld auf dem Konto haben als in den Vormonaten. Schließlich entfallen derzeit Ausgaben für Restaurantbesuche, Konzerte und Urlaube – was längst zu Ausweichreaktionen führt. So berichtet der Einzelhandel, dass die Ausgaben für Schokolade derzeit deutlich steigen. Und auch Bioläden schildern, dass ihre Umsätze zuletzt ordentlich zugelegt haben.

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Der Handel bittet um Unterstützung

Geht es nach dem Handelsverband Deutschland (HDE), sollten die sich Deutschen auch weiterhin fleißig etwas gönnen. “Aus Sicht der Einzelhändler wäre es fatal, wenn die Verbraucher ihre Einkäufe jetzt auf die lange Bank schieben”, meint der dortige Sprecher Stefan Hertel. Er berichtet von “existenzbedrohenden Umsatzrückgängen” bei Geschäften abseits des Lebensmittelhandels. “Diese Händler brauchen jetzt auch die Unterstützung der Kunden”, sagt Hertel – und verweist darauf, dass mittlerweile auch kleine und mittelgroße Unternehmen Lieferdienste eingerichtet haben, um ihre Waren trotz geschlossener Filialen an den Mann oder die Frau zu bringen.

Allerdings weiß auch Hertel um die Triebkräfte, die Verbraucher dieser Tage immer zurückhaltender machen: “Viele Menschen sind sich nicht sicher, ob ihr Arbeitsverhältnis diese Krise übersteht. Das erhöht die Sparneigung”, sagt der Sprecher des Handelsverbandes voller Sorge.

Wie sicher sind die Einkommen?

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Sorgen machen sich dieser Tage auch so ziemlich alle hochrangige Ökonomen in Deutschland. Es kursieren Schätzungen über wirtschaftliche Schäden im dreistelligen Milliardenbereich, die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Noch ist unklar, wie lange der hiesige Shutdown anhält – und, inwiefern die Exportnation Deutschland auch danach unter den globalen wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus leidet.

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Für Arbeitnehmer bedeutet das eine Menge Unsicherheit. Laut der Bundesagentur für Arbeit haben bislang vor allem Leiharbeiter wegen der Krise ihren Job verloren, viele Beschäftigte können aber per Kurzarbeit in den Unternehmen gehalten werden. Das könnte sich aber ändern, schließlich stehen gerade schon ganze Branchen am Abgrund. In der Luftfahrt etwa trifft es die Lufthansa so hart, dass der Staat beim Unternehmen einsteigen könnte. Was dann mit den Arbeitsplätzen passiert, ist unklar.

Folgen für den Einzelnen schwer vorhersehbar

“Die wirtschaftlichen Folgen einer Rezession sind für den Einzelnen nur schwer vorherzusehen”, sagt deshalb Kerstin Hußmann-Funk von der Hamburger Verbraucherzentrale. Sie rät aktuell zur Vorsicht – betont aber auch, dass die Wirtschaft wohl kaum von einem Tag auf den anderen zusammenbrechen wird. “Panik hilft an dieser Stelle jedenfalls nicht und ist nach wie vor unangebracht”, meint Hußmann-Funk.

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Verbraucher sollten deshalb ihr zufolge vor größeren Anschaffungen die eigene wirtschaftliche Lage gründlich abzuklopfen. Wie sicher der Job und das Einkommen sind, sei dabei wichtig. Auch einen Überblick über mögliche Rücklagen sowie finanzielle Risiken – etwa beim Job und bei Geldanlagen – sollte man ihr zufolge haben. “Wenn ich es mir nicht leisten kann, dann sollte ich auf größere Anschaffungen besser sparen”, rät Hußmann-Funk angesichts von Ratenkäufen und ähnlichen Angeboten.

Autos könnten bald billiger werden

Ansonsten spricht aus Sicht der Verbraucherschützerin wenig gegen größere Anschaffungen in Corona-Zeiten. Und auch Hußmann-Funk hält es dieser Tage für richtig, nach Möglichkeit weiter Geld etwa für Lieferdienste des Handels auszugeben. Dank neu entstandener Onlineshops und zahlreicher lokaler Angebote könne man beim Einkauf nach wie vor lokale Geschäfte nutzen. “Das hilft auch kleineren Läden, diese schwierige Zeit hoffentlich gut zu überstehen.”

Das könnte sich in manchen Bereichen allerdings als ökonomisch unklug heraus stellen: Längst denken Industrieverbände und Politik laut über die Zeit nach der Corona-Krise nach. Erwogen werden dabei auch Maßnahmen, die den Konsum ankurbeln könnten. Für Autos sind etwa ein Rabattprogramm oder eine zeitweise Mehrwertsteuersenkung im Gespräch. In einigen Monaten könnte ein fahrbarer Untersatz deshalb deutlich günstiger sein, als ein jetzt erworbenes Auto.

Für Konsumgüter sind derartige Maßnahmen bislang aber nicht absehbar – weshalb ein neuer Fernseher, ein Rennrad oder neue Möbel durchaus eine Option sind. Jedenfalls, wenn man gesund bleibt und dieser Tage nicht ganz andere Sorgen hat.

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