Audi hat seinen „Vorsprung durch Technik“ verspielt

  • Der „Vorsprung durch Technik“ ist Geschichte – und nun baut Audi Stellen ab.
  • Das hat mit der Krise der Automobilindustrie wenig zu tun, meint unser Autor.
  • Vielmehr hat Audi seinen Vorsprung selbst verspielt.
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Berlin. Ein goldenes Jahrzehnt der Autoindustrie ist beendet. Es begann noch in der Finanzkrise, als Regierungen in aller Welt die Schlüsselbranche mit Staatshilfen am Laufen hielten. Danach sorgten der Boom in China und ein Aufschwung in den USA sowie Europa jahrelang für glänzende Geschäfte. Das ist vorbei, und zwar in jeder Hinsicht: China boomt nicht mehr, hat wegen des Handelsstreits sogar Probleme. Der Aufschwung in Europa und den USA ist ausgelaufen, Pessimisten fürchten gar eine Rezession. Da muss die Autobranche durch – und nebenbei den teuren Umstieg auf neue Technologien bewältigen. Audi ist nur der neueste unter vielen Herstellern und Zulieferern, die geringere Gewinne oder gar Verluste ankündigen, sparen müssen, Stellen streichen und Ressourcen umschichten.

Audis Probleme sind symptomatisch, und sie haben nur zum Teil mit den Umwälzungen in der Autoindustrie zu tun. Der Grund für den großen Einschnitt ist relativ banal: Man hat die kleinen Schnitte jahrelang nicht für nötig gehalten. Manches davon findet man auch bei Daimler, BMW oder Continental wieder. So viel Schwung nahm Audi aus den guten Jahren mit, dass man den „Vorsprung durch Technik“ verspielte, mehrere Entwicklungschefs verschliss und sich dann auch noch einen komplett verkorksten Führungswechsel leistete.

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Audi muss sich Mühe geben

Und nach all dem sind das Selbstbewusstsein und offenbar auch die Reserven immer noch groß genug, um sich zuzutrauen, was eigentlich unmöglich ist: Audi garantiert – wie vorher schon die Konzernmutter VW – den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für die nächsten zehn Jahre.

Solche Regelungen sind beliebt, um einem Personalabbau den Schrecken zu nehmen und vor allem die Mitarbeiter in all den Veränderungen bei der Stange zu halten. Sie sind das Maximum, was die Arbeitnehmerseite herausholen kann. Viele Arbeitnehmer wären froh, wenn es so etwas in ihrer Branche gäbe. Aber am Ende sind die Garantien nur Papier, und Papier sichert Jobs höchstens in Papierfabriken. Will Audi seine Zusage einhalten, braucht es mehr Autokäufer und niedrigere Kosten. Und vor allem nie wieder verlorene Jahre.

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