Auch bei BMW wird gespart – ein bisschen

  • Der bayerische Autobauer trotzt dem Trend: Im Gegensatz zu Audi bauen die Münchner keine Stammkräfte ab.
  • Dafür sinkt die Erfolgsbeteiligung um ein Fünftel.
  • Unter dem Strich bleibt der Sparkurs aber moderat.
Thomas Magenheim
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München. Nach Audi lässt mit BMW nun auch ein zweiter deutscher Premiumhersteller seine Belegschaft zur Ader. Anders als bei der VW-Tochter werden bei den Münchnern aber keine Stammkräfte abgebaut. Sie verlieren jedoch Lohnbestandteile, die sich für BMW jährlich auf eine kleine dreistellige Millionensumme summieren, wovon die Belegschaft am Mittwoch in Betriebsversammlungen informiert worden ist.

Betriebsrat und Vorstand sind zufrieden

„Wir haben gemeinsam mit dem Betriebsrat eine solidarische Lösung erzielt", erklärte BMW-Chef Oliver Zipse. BMW könne auf drastische Maßnahmen verzichten, die andere gerade ergreifen, um ihre Kosten zu senken. Der neue BMW-Chef spielt damit auf den Konkurrenten Audi an, der am Vortag den Abbau von netto gut 7.800 Stellen bis 2025 angekündigt hat. BMW dagegen will die eigene Belegschaft dieses und nächstes Jahr bei konstant 135.000 Beschäftigten halten. BMW-Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch zeigte sich mit dem Erreichten auch deshalb zufrieden. „Unsere einzigartige Erfolgsbeteiligung konnte langfristig abgesichert werden, die Belegschaft erhält weiterhin 100 Prozent Weihnachtsgeld", erklärte er. Allerdings wird die Erfolgsbeteiligung künftig anders berechnet, was de facto ein Absinken um knapp ein Fünftel zur Folge hat. Das zeigt ein Rechenbeispiel. Haben Beschäftigte unterer Tarifbereiche zuletzt im Schnitt noch 9.175 Euro erhalten, wären es bei neuer Berechnung 7.600 Euro gewesen, im Branchenvergleich immer noch ein Spitzenwert.

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Wer länger arbeitet, muss Einbußen hinnehmen

Zusätzliche finanzielle Abstriche gibt's für Beschäftigte, die freiwillig 40 Stunden wöchentlich arbeiten – und nicht wie in der Branche üblich 35 Stunden. Bei diesem rund 17.000 Personen umfassenden Kreis wird Weihnachtsgeld und Erfolgsbeteiligung künftig auf Basis einer 35-Stunden-Woche berechnet, also zusätzlich abgesenkt. Die Anzahl der 40-Stunden-Verträge werde aber nicht angetastet, betonte ein Insider. Ausnahme sei, wenn ein Projekt ausläuft und der Grund für Mehrarbeit wegfällt. Es gebe keine pauschale Reduzierung der 40-Stunden-Verträge, erklärt BMW dazu offiziell. Eigentlich wollte das Management deren Umfänge deutlich reduzieren. In der Branche gilt tariflich die 35-Stunden-Woche. Lediglich umetikettiert werden beim BMW im Zuge der neuen Vereinbarung dividendenbasierte Bausteine zur innerbetrieblichen Altersvorsorge, die bislang ein Teil der Erfolgsbeteiligung waren. Jetzt werden sie dort herausgelöst und pro Person und Jahr auf maximal 1.200 Euro begrenzt. Für den Einzelnen bedeute das im Schnitt keine Reduzierung, sagt ein Insider. Er beziffert den jährlichen Sparumfang der jetzigen Vereinbarung für den Konzern auf rund 200 Millionen Euro. Audi muss ein Mehrfaches dieser Summe sparen.

Die Lage von BMW sei auch nicht im Ansatz mit der bei der dortigen vergleichbar, heißt es in München. Man stünde viel besser da. Deshalb seien auch die Sparzwänge moderater. Als Vorteil gegenüber der Premiumkonkurrenz sehen die Bayerischen Motorenwerke insbesondere, dass sie auch Elektromotoren selbst bauen und nicht wie Mercedes den gesamten E-Antrieb bei ZF und damit bei einem Zulieferer beziehen. Diese Wertschöpfung im eigenen Haus nehme im Elektrozeitalter Druck vom BMW-Personal. Insider rechnen deshalb auch in den Jahren nach 2020 bei BMW nicht mit Stellenabbau. Ohnehin gilt bis 2025 innerbetrieblich eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Die verlängert sich jährlich automatisch um zwölf Monate, wenn sie nicht von einer Seite aufgekündigt wird.

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BMW fährt den moderatesten Sparkurs

Bangen müssen bei den Münchnern derzeit wohl nur Leiharbeiter, deren Zahl zuletzt auf rund 10.000 Beschäftigte beziffert worden ist. Die Zeichen stünden in diesem Bereich auf Reduzierung, heißt es vage. Unter dem Strich fährt BMW in der Branche damit aber den wohl moderatesten Sparkurs. Andernorts in der Schlüsselbranche mit ihren gut 800.000 Beschäftigten häufen sich dagegen Hiobsbotschaften – vor allem bei Zulieferern wie Bosch, Schaeffler oder Continental. Tausende Stellen werden gestrichen. Ganze Werke stehen vor allem technologiebedingt auf der Kippe. Elektroautos benötigen weniger Fertigungspersonal als Verbrenner. Zudem sinkt vielfach der Absatz. In Deutschland stehen deshalb branchenweit bis zu 160.000 Jobs in der Autobranche auf dem Spiel, schätzen Experten. BMW koppelt sich von dieser Entwicklung offenbar ab.

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