Aramco: Scheichs planen Börsengang der Superlative

  • Das saudische Ölunternehmen Saudi Aramco will an die Börse.
  • Es soll ein Börsengang der Superlative werden – und Milliarden in die Kassen spülen.
  • Allerdings ist schon jetzt klar: Das Ölzeitalter nähert sich seinem Ende.
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Die Luftbilder gingen um die Welt. Tanklager und petrochemische Anlagen, aus denen schwere schwarze Rauchschwaden aufsteigen. Mitte September schlugen Marschflugkörper und Drohnen dort ein und legten für einige Tage die Ölproduktion mitten in der Wüste lahm. Die Angriffe, hinter denen offensichtlich der Iran stand, trafen die Firma Saudi Aramco hart. Zeigten sie doch, wie verletzlich ihre Infrastruktur ist. Doch inzwischen sollen die Schäden weitgehend behoben sein. Und das Management will nun endlich ein Projekt mit gigantischen Ausmaßen angehen. Ende Oktober soll der mehrmals schon verschobene Börsengang offiziell angekündigt werden, berichtet der Finanzdienst Bloomberg.

Ist Aramco so viel wert wie Microsoft und Apple zusammen?

An Superlativen wird es nicht mangeln. Das Management und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wollen nichts Geringeres, als den mit Abstand größten Gang an den Aktienmarkt aller Zeiten hinlegen. 40 Milliarden Dollar soll die Aktion in die Staatskasse des Königreichs spülen, dem Saudi Aramco bislang komplett gehört. Um diese Summe einzuspielen, ist geplant, den Investoren aber nur 5 Prozent der Anteile anzudienen. Das bedeutet zugleich, dass das Unternehmen insgesamt 2000 Milliarden Dollar wert wäre – das ist in etwa so viel wie die aktuelle Marktkapitalisierung von Microsoft und Apple zusammen. Beide Unternehmen stehen derzeit in der Rangliste der börsennotierten Gesellschaften an der Weltspitze.

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Ölförderung in der Wüste: Die Renditen sind gigantisch

Diese Superlative haben mit der Bedeutung von Aramco zu tun. Im aktuellen Halbjahresbericht wird die Fördermenge mit zehn Millionen Fass (à 159 Liter) pro Tag angegeben. Das entspricht zugleich etwa 10 Prozent des weltweiten Ölbedarfs. Die Gewinne sind gigantisch. Knapp 47 Milliarden Dollar waren es in den ersten sechs Monaten des Jahres. Beinahe astronomische Renditen werden erzielt, weil es nirgendwo so einfach wie in der saudischen Wüste ist, den noch immer wichtigsten Rohstoff zu fördern. Das kostet nach Berechnungen von Experten weniger als 3 Dollar pro Fass.

Schwankende Preise sind im Ölgeschäft ein Risiko

Allerdings hat das Ölgeschäft auch seine Tücken. Die 47 Milliarden sind satte 12 Prozent weniger als der Nettoprofit in der ersten Hälfte von 2018. Das Unternehmen, in dem das Königshaus um den Kronprinzen das Sagen hat, ist abhängig vom globalen Auf und Ab der Notierungen für den zähflüssigen Stoff. Womöglich wird denn auch der Gewinn in der zweiten Jahreshälfte weiter einbrechen. Derzeit kostet das Fass der weltweit wichtigsten Referenzsorte Brent gut 58 Euro. Im ersten Halbjahr konnte Aramco das Rohöl laut Zwischenbericht noch im Schnitt für 66 Dollar verkaufen.

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Es gibt noch mehr Unsicherheitsfaktoren: Schon im Frühjahr hatten die US-Ratingagenturen Moody’s und Fitch darauf hingewiesen, dass der Staatskonzern zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt sei, da sich das saudische Königshaus mit seinen Nachbarn verkracht habe und deshalb in zahlreiche Konflikte verwickelt sei. Schon damals wurde vor möglichen Raketenangriffen auf Ölanlagen gewarnt. Genau deshalb geht derzeit ein großer Teil der Aramco-Gewinne, die an den Staat überwiesen werden, für Waffenkäufe drauf. Ferner müssen nicht nur das Luxusleben von Hunderten von Prinzen, sondern auch ein aufwendiges Sozialsystem für die normalen Untertanen finanziert werden.

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Aramco: Analyst warnt vor Einfluss der Herrscherfamilie

Aramco sei zwar das beste Öl- und Gasinvestment auf dem Planeten, so Danilo Onorino, Chef des Schweizer Fondsmanagers Dogma Capital, zu Bloomberg. Er hat in Anleihen der saudischen Firma investiert. Aber es gebe auch Probleme. Beispielsweise mit der Transparenz. Dahinter steckt auch die Befürchtung, dass die Herrscherfamilie mit ihrem massiven Einfluss auf das Management künftig Entscheidungen durchsetzen wird, die nicht unbedingt betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten entsprechen werden, sondern politisch motiviert sein könnten.

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Und dann ist da noch eine ganz große Frage: Wie geht es in den nächsten Jahren im Geschäft mit dem sogenannten schwarzen Gold weiter? Die norwegische Beratungs- und Zertifizierungsfirma DNV GL hat gerade eine Studie vorgelegt, der zufolge der historische Höhepunkt in der Ölnachfrage schon im Jahr 2022 erreicht wird. Der Bedarf werde dann noch einige Jahre einigermaßen stabil bleiben, aber von 2030 an massiv nachlassen. Als Grund nennen die Experten von DNV GL, die sowohl in der Ölindustrie als auch in der Branche der Erneuerbaren aktiv sind, einen Boom in der Elektromobilität, der schon in den frühen 2020er-Jahren Fahrt aufnehme. Sollte dies eintreten, könnten die Gewinne von Aramco bald heftig einbrechen.

Saudische Wirtschaft steht vor Komplettumbau

Genau wegen derartigen düsteren Perspektiven für die fossilen Energien, die Hauptverursacher des Klimawandels sind, hat der hoch umstrittene Kronprinz bin Salman schon erstmals 2016 den Aramco-Börsengang auf die Agenda gebracht. Damit will er Geld für einen Komplettumbau der saudischen Wirtschaft machen. Etwa um die Petrochemie weiter auszubauen, die bereits heute Grundstoffe für Verpackungen, Schuhe oder die Autobranche herstellt. Doch die Pläne gehen auch in Richtung erneuerbare Energien. Schließlich eignet sich die Wüste bestens zur Erzeugung von Sonnenstrom. Mit dessen Hilfe könnte auch „grüner Wasserstoff“ hergestellt werden, der unter anderem zur klimaneutralen Erzeugung von Stahl oder Aluminium eingesetzt werden kann.