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Antikörpercocktail für Trump: Hersteller Regeneron profitiert vom prominenten Probanden

  • Der US-Präsident ist seit Montagabend wieder aus dem Krankenhaus zurück im Weißen Haus.
  • Die Nachricht sorgte an den Börsen für Kursgewinne – auch bei den Aktien des Biotech-Unternehmens Regeneron, dessen experimentellen Antikörpercocktail Donald Trump zu sich genommen hat.
  • Über die Einnahme des Regeneron-Medikaments wird jetzt spekuliert: Es gibt Verbindungen zwischen Trump und dem Unternehmen.
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Stuttgart. US-Präsident Donald Trump erhielt im Rahmen seiner Covid-19-Behandlung im Walter-Reed-Militärkrankenhaus unter anderem eine Infusion mit einer hohen Dosis eines Antikörpercocktails namens Regn-Cov2. Das Mittel wurde vom amerikanischen Biotech-Unternehmen Regeneron entwickelt und befindet sich aktuell noch in einer Testphase, bei dem 275 Patienten teilnehmen.

Ende September hatte das Unternehmen schon vielversprechende Daten zu Regn-Cov2 veröffentlicht, die Einnahme des Medikaments durch Präsident Trump brachte noch einmal einen weiteren (PR-)Schub für das Unternehmen im Kampf um ein Mittel gegen Covid-19.

Auch an der Börse profitierte Regeneron von der Nachricht: Der Aktienkurs von Regeneron kletterte am Montag an der NASDAQ um mehr als 7 Prozent, nachdem Trump getwittert hatte, er werde noch am Montagabend das Krankenhaus verlassen.

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Trumps Genesung beeinflusst die Finanzmärkte

Die öffentliche Bekanntgabe der Einnahme des Regeneron-Cocktails durch den US-Präsidenten hat folglich Kurse beeinflusst. Vor allem im Pharmasektor ging es teilweise steil bergauf, im Dow Jones legte der Kurs des Biotech-Konzerns Amgen mehr als 4 Prozent zu. Schon seit Monaten sind Biotech-Aktien bei Anlegern heiß begehrt.

Es wird auf bestimmte Biotech- und Pharma-Unternehmen spekuliert, die es schaffen könnten, einen großen Erfolg bei der weltweiten Covid-19-Bekämpfung zu erzielen. Erst am Dienstag gab das Mainzer Unternehmen Biontech bekannt, dass man mit seinem Impfstoffkandidat jetzt in den Zulassungsprozess gehen werde. Der Aktienkurs von Biontech gewann daraufhin zuletzt mehr als 9,5 Prozent hinzu.

In amerikanischen Finanzmedien wird nun teilweise diskutiert, dass Präsident Trump nicht zufällig den Regeneron-Cocktail zu sich genommen habe. Die Verbindung von Trump zum Unternehmen beziehungsweise dessen Vorstandschef ist ein heißes Thema. Hat der amerikanische Präsident womöglich stille Unterstützung für das Medikament geleistet, um dem Unternehmen im Covid-19-Wettlauf einen Vorteil zu verschaffen?

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Regeneron ist eines der ältesten Biotech-Unternehmen

Das Biotechnologie-Unternehmen Regeneron Pharmaceuticals wurde bereits 1988 gegründet und gehört somit zu den ältesten der Branche. Es ist weltweit führend in der Herstellung sogenannter monoklonaler Antikörper. Das bei New York ansässige Unternehmen hat zuletzt einen Umsatz von knapp 8 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet und ist damit deutlich kleiner aufgestellt als die Branchengrößen Amgen oder Gilead, deren Umsätze zuletzt mehr als 20 Milliarden Dollar pro Jahr betrugen.

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Regeneron hatte erst im August eine Allianz mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche bekanntgegeben und mitgeteilt, dass man beim Medikament Regn-Cov2 zusammenarbeiten werde. Dass nun der amerikanische Präsident den Regeneron-Cocktail zu sich genommen hat, werten viele Biotech-Analysten als Beweis dafür, dass die klinischen Regn-Cov2-Tests mit den 275 meist jüngeren Patienten gut laufen. Dennoch bleibt für viele Marktexperten auch ein kleiner Beigeschmack.

Man kennt sich: Regeneron-Chef Schleifer und Donald Trump

Denn der Vorstandschef von Regeneron, Leonard Schleifer, und Präsident Donald Trump sind alte Bekannte. Schleifer ist Mitglied im mondänen “Trump Golf Club” in Westchester, New York. Zudem erhielt sein Unternehmen erst in diesem Sommer im Rahmen der sogenannten Operations Warp Speed-Plans des US-Präsidenten eine staatliche Finanzierung in Höhe von 450 Millionen US-Dollar, um einen Impfstoff gegen Covid-19 entwickeln zu können.

Laut dem Biotech-Unternehmen hätten Schleifer und Trump erst seit diesem Jahr wieder regelmäßigen Kontakt, als sie gelegentlich über Angelegenheiten rund um Covid-19 diskutierten, so Regeneron gegenüber dem Nachrichtensender CNN. Dass Trump überhaupt die Regeneron-Infusion nehmen durfte, ist so zu erklären, dass laut CNN einer der Ärzte des Präsidenten das Biotech-Unternehmen und die US-Gesundheitsbehörde FDA darum gebeten habe.

Das Unternehmen wiederum hatte nur wenige Tage vor der Aufnahme von Präsident Trump in ein Militärkrankenhaus angekündigt, dass sein Regn-Cov2-Cocktail die Viruslast und die Zeit zur Linderung der Symptome bei nicht im Krankenhaus befindlichen Patienten verringere.

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Trump-Genesung würde Regeneron einen Schub geben

Sollte das Medikament bei Trump nachhaltig positiv anschlagen, könnte es schon bald zu einer Notfallgenehmigung für Regn-Cov2 kommen. Eine Notfallgenehmigung entspricht zwar keiner formellen Zulassung, für die wesentlich höhere Hürden gelten, dennoch wäre es ein wichtiger Erfolg für Regeneron im harten Kampf mit den vielen Biotech- und Pharma-Unternehmen um ein Covid-19-Gegenmittel. Das Unternehmen wäre laut eigenen Angaben in der Lage, bis Ende des Jahres in der Partnerschaft mit dem Schweizer Roche-Konzern noch 300.000 Dosen pro Monat produzieren.

Für Unternehmenschef Leonard Schleifer würde sich ein Erfolg von Regn-Cov2 auch beim eigenen Aktienpaket lohnen. Laut der Forbes-Milliardärliste ist sein Vermögen von März bis heute von 2,1 auf 2,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. Trump selbst hielt noch vor Jahren Aktien von Regeneron – wie aus seinen eigenen Angaben aus dem Jahr 2017 hervorgeht. Aus Dokumenten des aktuellen Jahres gehen indes keine Aktienpositionen hervor, die der amtierende US-Präsident an Regeneron hält.

Regeneron-Aktie im Fokus der Spekulanten

Wer als Anleger schon vor Corona die Biotech-Aktie von Regeneron im Auge hat, konnte seit vergangenem September satte Kursgewinne verbuchen. Von Kursen bei 271 US-Dollar ging es steil aufwärts. Dabei legte die Aktie bis zum Juli dieses Jahres um 145 Prozent zu und markierte ein neues Allzeithoch bei 664 US-Dollar.

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Doch an der Regeneron-Aktie sieht man auch, wie spekulativ eine Biotech-Aktie sein kann: Vom Rekordhoch gab es einen Rücksetzer auf 540 US-Dollar, um anschließend wieder – dank eines bekannten Probanden Donald Trump – über der 600-US-Dollar-Marke zu notieren. Sollte der US-Präsident (auch) wegen Regn-Cov2 wieder vollständig genesen, dürfte die Regeneron-Aktie bei Biotech-Spekulanten erst Recht hoch im Kurs stehen.

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