Anfassen, aber nicht mitnehmen: So will Ikea in Innenstädten punkten

  • Große Möbelhäuser mit zigtausend Quadratmetern könnten irgendwann der Vergangenheit angehören.
  • Denn Ikea experimentiert mit neuen Filialkonzepten - bei denen Kunden unter anderem ohne Auto vorbeikommen können.
  • Bald soll der Probebetrieb in Deutschland beginnen.
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Hofheim. Ikea will näher an die Kunden ran. Bei der Expansion setzt das Unternehmen nicht mehr auf die grüne Wiese, sondern auf kleinere Filialen und Planungsstudios in Innenstädten. In Deutschland ist eine erste Eröffnung spätestens 2021 in Berlin geplant, wie Ikea am Donnerstag ankündigte.

Konkret geht es um zwei Konzepte, die in der Bundeshauptstadt ausprobiert werden sollen: Einerseits plane Ikea die Eröffnung eines sogenannten XS-Stores, kündigte eine Sprecherin gegenüber dem RND an. Mit bis zu 10.000 Quadratmetern Fläche wäre der XS-Store deutlich kleiner als andere Ikea-Häuser. Die sind oft vier bis sechs Mal so groß - finden deshalb aber selten Platz in Innenstädten.

Ohne Auto zu Ikea

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Explizit für Metropolen gedacht sind auch die sogenannten Touchpoints, die Ikea ebenfalls in Berlin ausprobieren will. Bis zu sieben der kleinen Geschäfte will Ikea aufbauen. Doch die sollen sich grundsätzlich von anderen Filialen unterscheiden. Statt zum Einkauf dienen die Touchpoints lediglich zu Demonstrationszwecken. Kunden können dort Möbel und andere Artikel ausprobieren. Was gekauft wird, bringe Ikea später aus einem Lager vor die Haustür oder in die Wohnung der Kunden, erklärt die Ikea-Sprecherin.

Mit beiden Projekten will Ikea neue Kunden ansprechen, die eher in Städten leben und zunehmend kein eigenes Auto für Fahrten zu Ikea haben. Ein Ende der großen Möbelhäuser bedeute das allerdings nicht, betont die Sprecherin: "Unser altes Konzept funktioniert, aber es ist nicht zu 100 prozentig das, worauf wir in Zukunft setzen werden".

Verzahnung von Onlinehandel und Filialen

Dazu passen auch die jüngsten Geschäftszahlen von Ikea: Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2019 (31. August) um 5,5 Prozent auf 5,278 Milliarden Euro und damit stärker als im Jahr zuvor, wie die deutsche Tochter des Konzerns am Mittwoch in Hofheim bei Frankfurt berichtete. Besonders kräftig wuchs bei Ikea Deutschland der Online-Umsatz. Er legte um 33,2 Prozent auf 494 Millionen Euro zu. Der Anteil an den gesamten Erlösen stieg dadurch um zwei Prozentpunkte auf 9,4 Prozent.

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Die Touchpoints und die XS-Stores würden Ikea dazu passend eine engere Verzahnung von Online- und stationärem Handel ermöglichen - und nebenbei Geschäfte in Lagen mit sich bringen, in denen die Mieten für 30.000 Quadratmeter Geschäftsfläche kaum bezahlbar sind.

Ohnehin stellt sich Ikea angesichts des branchenübergreifend wichtiger werdenden Onlinehandels neu auf. Unter anderem setzen die Schweden auf Start-Ups wie Taskrabbit, die Helfer für kleine Handwerkstätigkeiten - und den Aufbau von Ikea-Möbeln - vermitteln. Auch Leasingmodelle für Möbel hat Ikea schon angekündigt.

Mit dpa

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