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Amtsantritt von Joe Biden: Welche Aktien und Branchen für Anleger interessant werden

  • Mit dem Wechsel im Weißen Haus erhoffen sich nicht nur die Finanzmärkte gemäßigtere Töne in der US-Handelspolitik.
  • Börsenexperten erwarten außerdem einen Favoritenwechsel bei Branchen und Unternehmen.
  • Zu den neuen Favoriten an der Börsen dürften unter anderem Aktien aus dem Gesundheitssektor sowie dem Bereich der erneuerbaren Energien gehören.
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Stuttgart. Mit der Vereidigung von Joe Bidens zum 46. US-Präsidenten wird sich in den Vereinigten Staaten vieles ändern. Die angekündigten Pläne des Biden-Teams in den vergangenen Wochen und Tagen werden sich auch an den Finanzmärkten niederschlagen. Branchen und Unternehmen, die unter der Regierung von Donald Trump gute Zeiten erlebt hatten, werden mit dem scheidenden Präsidenten wohl einen sehr wichtigen Verbündeten verlieren. Dazu gehören beispielsweise die US-Ölkonzerne.

Die sogenannte „blaue Welle“, die bereits vor der Präsidentschaftswahl von vielen Experten erwartet wurde, dürfte neben der Politik auch die Börsen erfassen. Denn Biden plant eine weiteres großes Konjunkturpaket für Amerika in Billionenhöhe.

Finanzmarktexperten zufolge dürften vor allem drei Branchen langfristig stark von der neuen US-Administration profitieren. Dies sind der Gesundheitssektor sowie der Bereich der erneuerbaren Energien und die Autoindustrie mit dem Fokus auf E-Mobilität.

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Spannender Gesundheitssektor

An erster Stelle wird für Biden und sein Team in den ersten 100 Tagen die Bekämpfung der Corona-Pandemie im eigenen Land stehen. Dafür sollen unter anderem 50 Milliarden Dollar für Corona-Tests und weitere 20 Milliarden Dollar für Impfzentren aus dem geplanten Konjunkturpaket genommen werden.

Profiteure dürften hierbei Unternehmen sein, die im Gesundheitssektor aktiv sind und sich mit der Logistik der Corona-Impfstoffe oder der Herstellung von medizinischer Schutzkleidung und Masken befassen. Ein Unternehmen, das viele Anleger durch seine bekannten Marken wie Post-it oder das Klebeband Scotch kennen, ist der US-Mischkonzern 3M. Das Unternehmen produziert aber unter anderem auch N95-Masken, die Aktie wird von US-Analysten empfohlen.

Der hierzulande eher unbekannte Pharmalogistikkonzern McKesson dürfte von der Corona-Impfoffensive der Biden-Regierung ebenfalls profitieren. Das Unternehmen aus Texas ist eigenen Angaben zufolge der nach Umsatz weltweit größte Konzern im Bereich Gesundheitswesen.

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In Europa ist der US-Konzern ebenso aktiv und bedient täglich mehr als zwei Millionen Kunden in mehr als 7000 Markenpartnerapotheken. Auch beliefert der Konzern täglich mehr als 55.000 Apotheken und Krankenhäuser mit mehr als 100.000 pharmazeutischen Produkten.

Abseits von Corona hatte Joe Biden im Wahlkampf außerdem versprochen, die Gesundheitsvorsorge in den USA generell wieder auszubauen. Davon dürften entsprechend auch Krankenhaus- und Pflegedienstbetreiber wie Universal Health Services oder Tenet Healthcare profitieren.

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100 Tage Vollgas - Biden hat zum Start viel vor
1:32 min
Der künftige US-Präsident Biden hat sich für die ersten 100 Tage im Weißen Haus angesichts der drängenden Krisen viel vorgenommen.  © dpa

Erneuerbare Energien und E-Mobilität gefragt

Ein großer Profiteur der Biden-Regierung dürfte der Sektor der erneuerbaren Energien werden. Dass der neue US-Präsident es ernst meint, die größte Volkswirtschaft der Welt wieder auf einen besseren Klima- und Energiekurs zu bringen, zeigt sich darin, dass Biden sofort nach Amtsantritt wieder dem Pariser Klimaabkommen beitreten will.

Von seinem Plan, in den nächsten zehn Jahren fast 2 Billionen Dollar in erneuerbare Energien zu investieren und bis 2050 somit die USA zu einem Land mit null Emissionen zu machen, dürften Unternehmen aus dem Bereich Solar- und Windenergie massiv profitieren. Traditionsreiche Ölkonzerne müssen hingegen umdenken, um langfristig zu überleben.

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Mit dem neuen Klimawandeldenken in den USA wird auch der Elektroautobauer Tesla weiter in der Gunst der Börse stehen. Sollte in den USA ähnliche CO₂-Vorgaben wie in der Europäischen Union als Standard gesetzt werden, dürfte dies das Thema E-Autos noch mehr ankurbeln, als es bisher schon der Fall ist. Der Bundesstaat Kalifornien will ab 2035 beispielsweise den Verkauf von Autos und Lastwagen mit Verbrennungsmotor verbieten.

Investitionen in Amerikas Infrastruktur dürften zunehmen

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Experten schätzen, dass bei ähnlichen CO₂-Vorgaben wie in der EU in den USA schon 2025 bis zu 30 Prozent der Autoneuzulassungen von E-Autos stammen könnten. Doch nicht nur dem Branchenprimus Tesla werden gute Chancen seitens Analysten eingeräumt, auch Europas größter Autokonzern Volkswagen könnte mit seiner langfristig angelegten E-Auto-Strategie mit dem ID-Modellen zu den Profiteuren gehören.

Christian Riemann, Fondsmanager bei La Française Asset Management, sieht noch eine andere Branche als Profiteure einer Biden-Regierung und deren langfristig angelegtes Konjunkturpaket an: „Zu den Profiteuren zählen wir traditionelle Infrastrukturunternehmen wie Betreiber von Brücken und Tunneln oder Flughäfen. Aber auch Infrastrukturunternehmen, die sich dem umweltfreundlichen Wandel verschrieben haben, werden profitieren, sobald die USA wieder dem Pariser Klimaschutzabkommen beigetreten sind.“

Hoffnung auf gemäßigtere Töne in der US-Handelspolitik

Wunder können Anleger vom neuen US-Präsidenten und seiner Politik nicht erwarten. Mit dem Einzug Joe Bidens ins Weiße Haus dürfen aber Investoren und Anleger auf gemäßigtere Töne in der Handelspolitik der Vereinigten Staaten und damit auf ein bisschen mehr Ruhe an den Börsen hoffen.

Adrien Pichoud, Chefvolkswirt der Banque SYZ, ist generell positiv gestimmt bezüglich des US-Aktienmarkts: „In den USA wird weiterhin eine expansive Fiskal- und Geldpolitik vorherrschen, zumal die Demokraten nun eine Mehrheit im Senat gewonnen haben. Dieser Sieg bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines zusätzlichen Konjunkturpakets gestiegen ist“, so der Investmentexperte.

Letztlich sollten Anleger bei der Geldanlage in Aktien immer breit sowie langfristig aufgestellt sein und nicht nur auf (kurze) Trends setzen – das gilt auch für den Fokus auf Wertpapiere, die von einem neuen US-Präsident Biden profitieren könnten. Zur Erinnerung: Nach dem Sieg von Donald Trump standen die Aktien von Rüstungs- und Ölkonzernen ganz oben auf der Favoritenliste. Letztere sind mit einem Sieg von Biden in der Gunst vieler Investoren wieder gefallen.

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