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  • Amir Dayan - Vorwurf Steuerhinterziehung - Immobilien-Mogul wieder auf freiem Fuß

Steuern hinterzogen? Immobilienmogul Amir Dayan hat Ärger in Israel

  • Vom Flüchtlingskind zum Immobilienmilliardär – so begannen viele Geschichten über Amir Dayan.
  • Seine Baugeschäfte in Deutschland sind so spannend wie die neueste Entwicklung.
  • Der 46-Jährige steht in seinem Heimatland Israel jetzt unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung.
Vera König
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Hannover. Jahrelang hat der Mann in Deutschland Monopoly gespielt. Schrottimmobilien gekauft, glänzende Visionen versprochen und die Bauten teilweise tatsächlich saniert – oder eben nicht und verlottern lassen. Ein Geschäft hat Amir Dayan bislang offenbar aus allem gemacht, was er anpackte. Jetzt könnte das dem 46-Jährigen sehr viel Ärger in seinem Heimatland bringen. Israelische Fahnder haben ihn und seinen Bruder Itzik wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung festgehalten, gut 30 Stunden befragt, dann aber ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt.

Das vorläufige Ende eines Wirtschaftskrimis sahen etliche Politiker und Branchenkenner in Deutschland schon vor Jahren voraus. „Ein Blender“, so lautete vor fünf Jahren in Hannover das Urteil von Fachleuten und Politikern über den Immobilienmogul. Damals war er im edlen dunklen Anzug und mit exquisitem Lederköfferchen ins Rathaus marschiert und hatte die Mitglieder zweier Ratsausschüsse zu beeindrucken versucht.

Der Chef eines unübersichtlichen Firmengeflechts (das damals unter der Marke Intown, später als Lianeo firmierte) erzählte über die zwei Millionen Quadratmeter Fläche, die Intown damals in Deutschland besaß und zeigte Fotos von einem Projekt, auf das er mächtig stolz ist, vom Crowne Plaza Berlin. Nach der Pleite der Lehman-Bank und den daraus resultierenden Turbulenzen habe er den unter Denkmalschutz stehenden Schandfleck gekauft: „Das Untergeschoss war überflutet. Einige Teile hatten keine Decken und Böden. Da hätte man eine Giraffe hinstellen können.“ Aus eigener Tasche habe er 80 Millionen Euro bezahlt.

Selfmade-Milliardär Amir Dayan: „Zur rechten Zeit im richtigen Geschäft“

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Für den Selfmade-Milliardär war das ein Klacks. Die Familie Dayan (neun Brüder und drei Schwestern) gehört zu den reichsten Israels. Vater und Mutter waren 1950 aus dem Iran dorthin geflüchtet. Der Vater hatte als Reinigungskraft gearbeitet. Mit Autohandel in den USA kam Bruder Moshe zum ersten großen Geld. Amir und zwei seiner Brüder bauten 1991 ein Unternehmen für Keramikfliesen auf.

„Wir waren zur rechten Zeit im richtigen Geschäft“, erzählte Amir Dayan in einem Interview mit dem „Manager-Magazin“ über die ersten Jahre. Die Jahre, in denen mehr als eine Million Juden aus Osteuropa nach Israel einwanderten und Wohnungen brauchten. Das brachte Amir Dayan auf die Idee, mit Immobilien könne man sehr viel Geld machen. Und: „Deutsche Immobilien waren im internationalen Vergleich sehr günstig, natürlich gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes.“

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2008, so berichtet der Milliardär in dem Gespräch, habe er die erste Immobilie in Deutschland gekauft. Zum Schnäppchenpreis. Gezahlt habe man „in Berlin im Durchschnitt 300 bis 500 Euro pro Quadratmeter“.

Das war der Grundstein für ein riesiges Firmenimperium. Für fast jedes Projekt in jeder Stadt gründete Intown eine eigene Gesellschaft. 2019, als Lianeo die Intown Group übernahm, waren „mehr als 130 Firmen“ unter diesem Namen registriert. Die Spuren ihrer Besitz- und Geschäftsverhältnisse führten nach Zypern und zu zwei Rechtsanwälten dort.

Auf dem Immobilienmarkt in Deutschland hat Dayan unübersehbare Marken gesetzt. Das Quartier Hannibal, eine Betonburg in Dortmund-Dorstfeld, gehört ihm, ein Hochhaus in Wuppertal. Beide Immobilien mit mehr als 820 Bewohnern wurden 2017 wegen mangelnden Brandschutzes zwangsevakuiert. Der Komplex in Wuppertal ist inzwischen saniert, für Hannibal hat die Stadt Dortmund gerade, drei Jahre nach der Zwangsevakuierung, die Baugenehmigungen für die Sanierung erteilt.

Amir Dayan ist auch an Aroundtown beteiligt

In Hannover hatte Intown 2015 das Ihme-Zentrum gekauft, ein gigantisches Wohn-, Büro- und ehemaliges Einkaufszentrum. Gutachter hatten den Wert auf 49,6 Millionen Euro taxiert. Für 16,5 Millionen Euro ging das Quartier in einer Versteigerung an das Projekt Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH, eine der vielen Firmen im Dayan-Imperium. Zu dem gehörten in Leipzig das ehemalige Luxushotel Astoria, in Aachen die Aachener Arkaden, in Hannover zudem das einstige Maritim Grandhotel, in dem Russlands Präsident Wladimir Putin ebenso zu Gast gewesen war wie Bundeskanzler Willy Brandt oder Weltstars wie Joe Cocker, Michael Jackson und Jonny Cash.

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„Unser deutsches Portfolio hat einen Gesamtwert von mehr als 2 Milliarden Euro. Außerdem haben wir 65 Hotels und weitere Bürogebäude in anderen europäischen Ländern, überwiegend England und den Niederlanden“, berichtete Dayan. Das war kurz vor seinem bislang legendärsten Coup. Der Immobilienmilliardär hielt fast 30 Prozent der Anteile an der TLG, 1991 als Tochtergesellschaft der Treuhandanstalt gegründet. Die verkaufte er an den Mitbewerber Aroundtown und dessen ebenfalls israelischen Gründer Yakir Gabir. Die TLG ist der größte Verwalter von Büros und Hotels in Deutschland und für Gabir und Dayan (der inzwischen 6 Prozent der Anteile von Aroundtown sein Eigen nennt) so etwas wie eine Lizenz zum Betongeldschürfen.

Bei so viel Spekulation könnte Amir Dayan dann aber möglicherweise etwas übersehen haben – ein Auslandskonto mit mehreren hundert Millionen Euro, berichtet jedenfalls die israelische Finanzzeitung „Globes“. Einer der besten Steueranwälte Israels, zunächst verhaftet, dann aber auf Kaution freigelassen, soll – so die Vorwürfe – Amir und seinem Bruder Itzik Dayan geholfen haben, Steuern in Höhe von mehr als 180 Millionen Euro zu umgehen. Für die beiden Dayans gilt die Unschuldsvermutung.

Seit Jahren beobachten Branchenkenner besorgt die Brisanz der Immobiliendeals und die etlichen nicht eingehaltenen Sanierungsversprechen. Ein ungutes Gefühl haben viele – mehr aber nicht. Das Rechtssystem in Deutschland sei fair, hat Amir Dayan mal über das Land gesagt, das ihn vom Millionär zum Milliardär machte. Der Satz ließ viele seiner Mieter, aber auch Politiker und Bürgermeister, die sich im Nachhinein von ihm über den Tisch gezogen fühlten, schwer schlucken. Ihrer Kritik würde der Monopoly-Spieler sicherlich die Erkenntnis entgegensetzen, die er bereits im hannoverschen Rathaus zum Besten gab: „Sie dürfen mich nicht für die Vergangenheit verantwortlich machen – aber für die Zukunft.“

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