Amazon-Mitarbeiter streiken vor Ostern

  • Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem viertägigen Streik beim Onlineriesen Amazon aufgerufen.
  • Die Arbeitsniederlegung soll in der Nacht zu Montag beginnen, betroffen sind sechs Standorte in Deutschland.
  • Amazon erwartet aber, dass alle Osterbestellungen trotzdem pünktlich ankommen.
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Berlin. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Versandhändlers Amazon an sechs Standorten zu einem viertägigen Streik vor Ostern aufgerufen. Er solle mit Beginn der Nachtschicht vom Sonntag auf den Montag beginnen. Betroffen sind die Standorte Werne, Rheinberg (beide Nordrhein-Westfalen), Leipzig (Sachsen), Koblenz (Rheinland-Pfalz) und zwei Standorte im hessischen Bad Hersfeld.

Gewerkschaft spricht von „Arbeitshetze und Leistungskontrolle“

Durch die Schließung weiter Teile des stationären Einzelhandels in der Corona-Krise sei das Bestellaufkommen bei Amazon durch die Decke gegangen, sagte Orhan Akman, der bei Verdi für den Einzel- und Versandhandel zuständig ist. „Ausbaden mussten das die Kolleginnen und Kollegen. Durch die permanente Arbeitshetze und Leistungskontrolle ist die Einhaltung von Abständen und anderen Maßnahmen gegen Ansteckungen oft kaum möglich.“ Amazon verweigere sich bisher, einen verbindlichen Tarifvertrag zum Schutz der Beschäftigten abzuschließen.

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„Bereits vor einer Woche haben zehntausende Mitarbeiterinnen an den italienischen Amazon-Standorten ihre Arbeit niedergelegt. Sie haben quasi den Aufschlag zu einer internationalen vorösterlichen Streikwelle gemacht“, sagt der für Amazon zuständige Leipziger Gewerkschaftssekretär Thomas Schneider der Leipziger Volkszeitung.

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Schneider erinnert daran, dass die ersten Arbeitskämpfe in Leipzig vor acht Jahren begonnen haben. Damit habe man ein Signal über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus gesandt, das auch anderen Beschäftigten Mut machen sollte, für einen Tarifvertrag auf die Straßen zu gehen. Weltweit würden sich seither immer mehr Beschäftigte in Gewerkschaften organisieren und für ihre Interessen eintreten.

Amazon erwartet pünktliche Lieferungen

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Amazon erwartet keine Auswirkungen des Streiks. Man sehe ihm gelassen entgegen, teilte das Unternehmen mit. Der Versandhändler verwies auf frühere Aktionen. Bei vergangenen Streikaufrufen hätten mehr als 90 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Logistikzentren „ganz normal gearbeitet“.

Amazon sieht sich zu Unrecht Kritik ausgesetzt. „Wir sind zu einer Projektionsfläche für Gruppen geworden, die Aufmerksamkeit für ihre Themen suchen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Beschäftigen würden von „exzellenten Löhnen, exzellenten Zusatzleistungen und exzellenten Karrierechancen“ profitieren.

Auch in den USA liegen Gewerkschaften mit dem Online-Riesen im Clinch: An diesem Montag endet die Frist für eine Abstimmung über eine Arbeitnehmervertretung in einem Logistiklager im US-Bundesstaat Alabama. Es wäre der erste US-Standort von Amazon mit einer Arbeitnehmervertretung in der über 26-jährigen Konzerngeschichte.

RND/ang/dpa

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