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Verdi: Amazon-Logistikzentren sind teils „regelrechte Corona-Hotspots“

  • Die Auseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Verdi und Amazon geht in die nächste Runde.
  • Verdi schlägt Alarm und bezeichnet diverse Logistikzentren von Amazon als Corona-Hotspots.
  • Laut einem Zeitungsbericht der „SZ“ sollen am Standort Graben circa 300 der 1800 Mitarbeiter infiziert sein und eine Handvoll Mitarbeiter auf der Intensivstation liegen.
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Der weltgrößte Onlinehändler Amazon muss derzeit in Deutschland viel Kritik seitens der Gewerkschaften einstecken. Neben der Dauerfehde um Tarifverträge wirft die Gewerkschaft Verdi dem Konzern vor, in den deutschen Verteilzentren Schutzmaßnahmen zu missachten und die Gesundheit der Beschäftigten während der Corona-Pandemie zu opfern.

Verdi gibt laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ an, dass sich am Standort Graben bei Augsburg circa 300 der 1800 Mitarbeiter infiziert hätten und fünf Gewerkschaftsmitglieder auf der Intensivstation liegen würden. Amazon selbst, so berichtet die „SZ“ weiter, spricht von 30 Personen, die infiziert seien. Verdi spricht hingegen von regelrechten Corona-Hotspots.

Verdi kritisiert seit Langem Missstände bei Amazon

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Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland wehrt sich Amazon vehement gegen die Kritik:

Dieses Niveau der bewussten Täuschung der Öffentlichkeit mit falschen Zahlen zu unserem Standort in Graben bei Augsburg haben wir noch nicht gesehen. Nichts ist wichtiger als die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die lokalen Gesundheitsbehörden in Deutschland bestätigen uns, dass wir für unsere Teams wirksame Schutzmaßnahmen eingerichtet haben. Seit Beginn der Pandemie haben wir weltweit Vorkehrungen getroffen, um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und im Zuge dessen mehr als 150 Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt.

Sprecher von Amazon

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert unterdessen schon seit Längerem die Zustände im Verteilzentrum Graben und hatte daher auch Ende November die Beschäftigten vor Ort, zum Auftakt des Black Friday, zum mehrtägigen Arbeitskampf aufgerufen.

„Ob es Amazon wahrhaben will oder nicht, die Wahrheit ist, dass die Arbeitsbedingungen in Corona-Zeiten in Graben nicht gut sind. Bereits der seit Frühjahr andauernde Corona-Onlineboom hinterließ bei den Beschäftigten seine Spuren“, äußerte sich Sylwia Lech, Verdi-Gewerkschaftssekretärin im Bezirk Augsburg bereits Ende November zur Situation bei Amazon in Graben.

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Örtliche Gesundheitsämter wiegeln ab

Dass es schon zu Corona-Zwischenfällen gekommen sei, bestätigt laut „SZ“ der Onlinehändler insofern, dass der Konzern in seinem Verteilzentrum bei Koblenz bis zum 26. November für zwei Wochen die gesamte Nachtschicht ausfallen lassen habe, weil 400 Mitarbeiter für 14 Tage in Quarantäne mussten.

Seitens des Gesundheitsamtes in Koblenz sei der Standort derzeit „kein Hotspot“ mehr, so die „SZ“. Seitens des für den Landkreis Augsburg zuständigen Gesundheitsamts gebe es derweil für den Standort Graben keine aktuelle Gesamtzahl der Infizierten, Meldungen über Fallhäufungen verzeichne das Amt derzeit aber laut dem Bericht auch nicht.

Gewerkschaftssekretärin Sylwia Lech verteidigt gegenüber der „SZ“ die Behauptung, es gebe 300 infizierte Mitarbeiter. Die Zahl basiere auf einer Hochrechnung, die auf Aussagen von Beschäftigten zurückgehe und aus verschiedenen Arbeitsschichten zusammengerechnet sei. Den Gesundheitsämtern falle nicht sofort auf, dass Amazon ein Hotspot sei, da die Mitarbeiter in einem größeren Einzugsgebiet zwischen Kaufbeuren und München wohnten und folglich von unterschiedlichen Ämtern abgedeckt werden, so ihre Begründung.

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Amazon sieht sich mit Hygienemaßnahmen gut aufgestellt

Amazon wiederum sieht sich in Sachen Coronavirus gut aufgestellt. „Wir haben zahlreiche Arbeitsprozesse geändert und strikte Hygienemaßnahmen eingeführt, um die Sicherheit und Gesundheit aller zu schützen“, lässt der Konzern auf seiner deutschen Blogseite in einem hierzu bereitgestellten Video verlauten.

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Für Verdi ist das aktuelle Verhalten von Amazon nichts Neues. Bereits vor drei Wochen kritisierte man den Konzern in einer Pressemitteilung zum Thema Gesundheit: „Amazon nimmt wenig Rücksicht auf die Gesundheit seiner Beschäftigten. Immenser Druck, ständige Leistungsverdichtung, permanente Leistungskontrollen, schlechte Führungskultur, unzureichende Erholungs-/Durchatmungszeiten und fehlende Wertschätzung, gepaart mit mangelhaften Infektionsschutzvorkehrungen; das alles sind schlechte Arbeitsbedingungen, die bei Amazon häufig an der Tagesordnung sind.“

Dass gerade Logistikzentren eine große Gefahr darstellen, zum Hotspot zu werden, ist nicht erst seit der „Causa Amazon“ bekannt. Bereits im Mai hatte der Paketdienstleister DPD ein Zentrum wegen einer größeren Zahl infizierter Angestellter kurzfristig schließen müssen, und auch der Branchenprimus DHL hatte in den vergangenen Wochen mit einer großen Zahl von coronainfizierten Mitarbeitern am württembergischen Standort Köngen zu kämpfen.

RND/casc

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