Amazon entlässt kritische Mitarbeiter: Manager kündigt aus Protest

  • Der Versandriese Amazon hat mehrere Mitarbeiter entlassen, die sich kritisch über mangelhafte Corona-Maßnahmen im Unternehmen geäußert haben.
  • Aus Protest hat der hochrangige Manager Tim Bray seine Kündigung eingereicht.
  • Damit verzichtet er nach eigenen Angaben auf ein Millionengehalt.
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Zwar zählt Amazon zu den Profiteuren der Corona-Krise, die aktuellen Zustände in den Lagerhallen stießen in den vergangenen Wochen immer wieder auf Proteste. Mehrere Mitarbeiter formierten sich und machten unter anderem auf die unzureichenden Schutzmaßnahmen für Beschäftigte aufmerksam.

Für Amazon offenbar ein Grund zur Kündigung: Mehrere Mitarbeiter wurden daraufhin entlassen, wie „Heise” berichtet. Als Grund nannte der Konzern, die Betroffenen hätten die Vorschriften und Schutzmaßnahmen selbst nicht eingehalten. Der Vizepräsident bei Amazons Clouddienst AWS, Tim Bray, bezeichnete die Kündigungen in einem Blogbeitrag als „lachhaft”. Jedem Beobachter sei klar, dass die Beschäftigten wegen Whistleblowing gefeuert wurden. Als Konsequenz und aus Solidarität reichte Bray die Kündigung ein.

Amazon-Mitarbeiter veröffentlichen neunstündiges Video

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„Ich kündige aus Bestürzung darüber, dass Amazon Whistleblower gefeuert hat, die über die Angst der Lagermitarbeiter vor Covid-19 Lärm gemacht haben”, schrieb Tim Bray in seinem privaten Blog. „Das Feuern von Whistleblowern ist ein Beweis für die Toxizität, die sich durch die Unternehmenskultur zieht. Ich habe beschlossen, dieses Gift weder zu servieren noch zu trinken.” Zuvor hatte Bray offenbar versucht, mit internen Beschwerden gegen die Entlassungen vorzugehen. In seinem Blog verlinkt er zudem ein neunstündiges Video, in dem zahlreiche Amazon-Mitarbeiter weltweit die aktuelle Situation an ihren Standorten schildern.

Als weiteren Punkt führt Bray die Bestrebungen für mehr Klimaschutz auf. Die Initiative „Amazon Employees for Climate Justice“ (AECJ) veröffentlichte einen Brief an Konzernführung und Investoren, in dem sie vom Unternehmen mehr Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel fordern. Doch die Forderungen stießen auf taube Ohren. Später hatten sich rund 3000 Amazon-Mitarbeiter den globalen Klima-Streiks angeschlossen und für mehr Umweltschutz bei Amazon demonstriert. Den Organisatoren wurden laut „Guardian” ebenfalls mit Kündigungen gedroht.

Insgesamt war der Manager, der vorher für Google und Sun tätig war, fünf Jahre lang bei Amazon eingestellt. Mit der Kündigung verzichtet er eigenen Angaben zufolge auf ein Millionengehalt. Trotz des Ärgers zeigt sich Bray in seinem Blogeintrag auch traurig über die Entwicklungen. Der Job sei der beste, den er je gemacht habe.

RND/mkr

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