Minijob, Midijob und Werksstudenten: So können Studierende Geld verdienen

  • Das Wintersemester steht vor der Tür, erstmals seit anderthalb Jahren wird vielerorts in Präsenz gelehrt.
  • Doch mit dem Umzug in eine neue Stadt steht oft auch die Jobsuche auf dem Programm.
  • Wir erklären, was Studierende beim Jobben beachten müssen – und warum der klassische Minijob in die Kritik geraten ist.
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Hannover. Vorlesungssaal statt Monitor: Nach anderthalb Jahren Pandemie beginnt im Oktober an vielen Universitäten wieder die Lehre in Präsenz. Für viele Studierende geht das mit einem Umzug einher. Auf den folgt oft genug auch die Suche nach einem Nebenjob. Wir erklären, was dabei für Studierende wichtig ist – und warum gerade der Ruf von Minijobs während der Pandemie gelitten hat.

Was ist ein guter Nebenjob für Studierende?

Ob in der Gastronomie, bei einem Lieferdienst oder als studentische Hilfskraft an der Universität: Die Auswahl bei möglichen Nebenjobs ist groß. „Man sollte darauf achten, dass man den Bafög-Anspruch nicht gefährdet, dass sich Belastungen in Grenzen halten und dass man möglichst einen Job mit Bezug zum Studium findet“, empfiehlt Achim Meyer auf der Heyde. Der Generalsekretär des Zusammenschlusses der Deutschen Studentenwerke (DSW) rät ausdrücklich dazu, Wegezeiten von vornerein einzuplanen. Schließlich drohe der Zeitaufwand bei Nebenjobs stets, den Studienerfolg zu gefährden.

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Wie findet man einen Studi-Job?

Häufig bieten Universitäten und örtliche Arbeitsämter Jobbörsen für Studierende an, auch Stellenportale im Internet haben viele Nebenjobs im Angebot. Nicht selten sind außerdem Aushänge, etwa in Geschäften und Bars. Derzeit stünden die Chancen für Jobsuchende gut, meint Meyer auf der Heyde: „Das Angebot an Minijobs ist besser als vor der Pandemie, es werden händeringend Aushilfskräfte gesucht.“

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Wie viel dürfen Studierende arbeiten und verdienen?

Zentral ist es, nicht mehr als 20 Stunden pro Woche zu arbeiten. „Sonst gilt man nicht mehr als Vollzeitstudierender und verliert Ansprüche auf Elternunterhalt, die vergünstigte Krankenversicherung und weitere Vorteile“, erklärt Meyer auf der Heyde. Der Steuerfreibetrag für ledige und kinderlose Studierende liegt derzeit bei 10.780 Euro, jenseits davon fallen Steuern an. Wer Bafög bezieht, darf laut Meyer auf der Heyde außerdem nicht mehr als 450 Euro im Monat beziehungsweise 5400 Euro jährlich verdienen.

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Was ist bei Minijobs wichtig?

Die gleiche Verdienstgrenze gilt auch, wenn eine Tätigkeit ein Minijob sein soll – laut DSW die häufigste Beschäftigungsform bei Studierenden. Minijobs seien seien vollständig von Steuern und Sozialabgaben befreit, erklärt Till Bender. „Es gilt also brutto gleich netto“, so der Rechtsschutzexperte vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

„Wer nicht in die Sozialversicherung einzahlt, bekommt auch nichts raus“, warnt er allerdings. Während Rentenpunkte zumindest auf freiwilliger Basis gesammelt werden können, traf das viele Minijobber während der Pandemie hart. Denn sie hatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld und standen ohne Einkommen da. „Minijobber waren nicht ausreichend abgesichert“, sagt auch Meyer auf der Heyde deshalb.

Welche Alternativen gibt es zu Minijobs?

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Wer mehr als 450 Euro monatlich verdienen muss oder will, kann ein sogenannter Werksstudent werden. Bei maximal 20 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit müssen dann keine zusätzlichen Abgaben für Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung geleistet werden – ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht also ebenfalls nicht.

Anders ist es laut Bender bei sogenannten Midijobs. Denn jenseits der 450-Euro-Schwelle werden durchaus Sozialabgaben fällig, es entstehen also auch Ansprüche etwa auf Kurzarbeitergeld. Zugleich steigt der Anteil der Sozialversicherungsbeiträge recht gleichmäßig an, bis sie erst bei 1300 Euro das Niveau normaler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erreichen. „Die Abzüge halten sich also in Grenzen“, sagt Bender.

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Haben Minijobs überhaupt Zukunft?

Wie es mit Mini- und Midijobs weitergeht, könnte aus Sicht von Markus Grabka demnächst auch Thema in Koalitionsverhandlungen werden. Der Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betont, dass vor allem die Union und die FDP die Verdienstgrenze anheben wollen. Die CDU hat ausdrücklich 550 Euro monatlich anvisiert, während SPD und Grüne den Bereich stärker regulieren wollen.

Grabka selber plädiert eher für eine Absenkung der gesetzlich verankerten Verdienstschwelle, um mehr Menschen in Midijobs zu drängen – auch weil Hunderttausende Minijobber während der Pandemie nicht ausreichend abgesichert gewesen sein. „Mit Blick auf den Arbeitsmarkt waren Minijobber neben Selbstständigen die größten Verlierer der Pandemie“, sagt der Ökonom.

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