Airbus streicht deutlich weniger Stellen

  • Beim Luftfahrtkonzern Airbus müssen nur 2300 Leute gehen, vorigen Sommer standen noch 5100 Jobs auf der Kippe.
  • Vereinbart wurde stattdessen eine kollektive Arbeitszeitreduzierung.
  • Die IG Metall spricht nach monatelangem Ringen von einem „sehr starken Verhandlungsergebnis“.
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Airbus-Betriebsräte und Gewerkschafter sind sich einig. „Es ist ein sehr starkes Verhandlungsergebnis“, sagt der IG Metall-Chef Küste, Daniel Friedrich. Obwohl die Pandemie der Luftfahrt und damit Herstellern wie Airbus die schlimmste Krise ihrer Geschichte beschert hat, wurden nun zumindest für alle deutschen Standorte nicht nur betriebsbedingte Kündigungen vermieden. Der Kahlschlag, der vorigen Sommer inklusive der Tochter Premium Aerotec auf 5100 Arbeitsplätze in Deutschland beziffert wurde, konnte nach monatelangen Verhandlungen mit dem Management nun auf 2300 von insgesamt 55.000 Jobs bundesweit und damit weniger als die Hälfte der ursprünglichen Pläne begrenzt werden.

Hamburg am stärksten betroffen

Auch dieser Abbau sei aber noch schmerzlich, stellte Friedrich klar. Betroffene Mitarbeiter seien größtenteils bereits und vor allem freiwillig ausgeschieden. Mit rund 1000 Stellen am stärksten betroffen ist der deutsche Airbus-Hauptstandort Hamburg. „Das ist alles, da kommt nichts mehr dazu“, betont Airbus-Gesamtbetriebsratschef Holger Jung mit Blick auf die 2300 bundesweit wegfallenden Jobs. Zuvor hatte schon das Management erklärt, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und von einer neuen Phase der Corona-Krisenbewältigung gesprochen.

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Die Vereinbarung sei ein Meilenstein, betonte Airbus-Personalchef Thierry Baril. Relativ glimpflich davon kommt das Personal nun vor allem wegen zweier Instrumente. Das ist zum einen eine Verlängerung der Kurzarbeit bis Ende 2021. Das zweite Instrument könnte für die gesamte Metall- und Elektroindustrie Vorbildcharakter haben. Denn für die Jahre 2022 und 2023 haben Airbus, Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbart, bei mutmaßlich anhaltenden Auslastungslücken die Arbeitszeit für ganze Standorte oder Teile kollektiv abzusenken.

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„Es kann auf bis zu 28 Wochenstunden abgesenkt werden“, erklärte IG Metall-Verhandlungsführer Carsten Bremer. Das sei gemessen an 35 Stunden Regelarbeitszeit ein Fünftel weniger. Minimal sei eine Absenkung auf 32,5 Wochenstunden vereinbart worden. Dazwischen gebe es zwei weitere Stufen, um flexibel reagieren zu können.

Beim Lohn gibt es Ausgleichszahlungen

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Dabei müsse das betroffene Personal aber keine Lohnreduzierung in vollem Umfang fürchten. Sollte beispielsweise auf 28 Wochenstunden reduziert werden, bekämen Betroffene 29,2 Stunden bezahlt plus 100 Euro extra. In manchen Fällen gebe es so gar keinen oder nur minimalen Lohnverlust.

„Das ist keine Blaupause für andere Betriebe“, schränkt Friedrich ein. Die Situation bei Airbus sei relativ speziell. Auf jeden Mittelständler eins zu eins übertragbar seien die Vereinbarungen deshalb nicht, räumt Friedrich ein. Aber als Fingerzeig für die laufende Tarifrunde und vor allem die Zeit nach dem allgemeinen Auslaufen der Kurzarbeit 2022 will er den Airbus-Pakt schon verstanden wissen. Kollektive Arbeitszeitverkürzung statt Stellenabbau könne in Deutschland viele Jobs retten.

Arbeitsplatzwechsel sind möglich

Einen Haken haben die Vereinbarungen zwischen Management, Gewerkschaft und Betriebsrat bei Airbus allerdings: Die Beschäftigten müssen sich bereiterklären, notfalls in einen anderen Airbus-Bereich oder einen anderen Standort innerhalb Deutschlands zu wechseln. In der Summe geht es hier bundesweit um einige Hundert Jobs.

Für den Norden der Republik ist Hamburg der Zielstandort. Süddeutschland ist von den Sparplänen nur im Fall des Premium-Aerotec-Standorts Augsburg betroffen. Dortiges Personal muss sich notfalls mit einem Wechsel zum Airbus-Standort Donauwörth anfreunden. Junge zeigte sich zuversichtlich, dass solche Wechsel keine echte sondern nur eine theoretische Hürde für den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sind.

Befristet sind alle Vereinbarungen bis Ende 2023. Sie decken damit nicht die von Airbus-Chef Guillaume Faury jüngst angekündigten Pläne zu einer Neuordnung und Konzentration aller europäischen Standorte ab, räumen Bremer und Junge ein. „Was da noch kommt, wissen wir nicht“, stellt Junge klar. „Wir müssen weiter wachsam sein“, weiß Friedrich. Erst einmal sind aber alle froh, für den Moment das Schlimmste verhindert zu haben.

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