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Agentur für Arbeit: 2,644 Millionen Erwerbslose im April – Rekord bei Kurzarbeitern

  • Die Arbeitslosenzahlen im April sind um 308.000 auf jetzt 2,644 Millionen gestiegen.
  • Die Arbeitslosenquote stieg saisonuntypisch um 0,7 Punkte auf 5,8 Prozent, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mit.
  • Die Zahl der Kurzarbeiter erreichte mit 10,1 Millionen Menschen einen neuen Rekord.
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Nürnberg. Die Corona-Krise hat dramatische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Wie die Agentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte, stiegen die Arbeitslosenzahlen im April um 308.000 Menschen auf 2,644 Millionen. Einen neuen Rekord gab es bei den Kurzarbeitern. Danach haben Deutschlands Unternehmen bis zum 26. April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet.

Damit wurden alle Prognosen von Volkswirten bei Weitem übertroffen. Die Schätzungen der Experten hatten zwischen drei und sieben Millionen Menschen gelegen. Der bisherige Rekordwert der Bundesagentur für Arbeit für dieses arbeitsmarktpolitische Instrument stammt aus dem Mai 2009. Damals waren 1,44 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Im gesamten Krisenjahr 2009 waren 3,3 Millionen Anzeigen für Kurzarbeit bei der Bundesagentur eingegangen.

Für zehn Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat angesichts von Rekordzahlen bei der Kurzarbeit in der Corona-Krise das Instrument der Kurzarbeit gelobt. “Kurzarbeit sichert in Deutschland Millionen Arbeitsplätze”, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag. Zuvor hatte die Bundesagentur für Arbeit bekannt gegeben, in der Corona-Krise hätten deutsche Unternehmen für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Das sind mehr als Volkswirte erwartet hatten. Allerdings dürfte die Zahl derjenigen, die letztlich tatsächlich Kurzarbeit in Anspruch nehmen, bisherigen Erfahrungen zufolge darunter liegen.

Heil verwies darauf, dass in den USA in den vergangen fünf Wochen mehr als 26 Millionen Menschen ihren Job verloren hätten. Die Entwicklung zeige: “Wir können zwar auch in unserem Land nicht für jeden Arbeitsplatz garantieren, aber wir werden um jeden Job kämpfen”, sagte Heil.

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Über 2,6 Millionen Arbeitslose im April

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Der auch in Deutschland deutliche Anstieg der Arbeitslosigkeit im April auf eine Quote von 5,8 Prozent sei maßgeblich eine Folge der Corona-Krise und betreffe nahezu alle Branchen. Besonders seien aber die Gastronomie, das Hotel- und Gastgewerbe, Reiseveranstalter sowie die Dienstleistungsbranche und Automobilzulieferer getroffen.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist auch darauf zurückzuführen, dass derzeit weniger arbeitsmarktpolitische Maßnahmen durchgeführt werden können. Die Arbeitslosigkeit stieg im April im Vergleich zum Vormonat um 308.000 Menschen auf 2,644 Millionen Betroffene.

Hilfen des Bundes müssen schneller fließen

Die aktuelle Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent läge aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) ohne das Instrument der Kurzarbeit deutlich höher. “Denn überall da, wo Kurzarbeit angemeldet wird, sollen Jobs erhalten bleiben”, teilte DBG-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Donnerstag mit. “Der Damm Kurzarbeit hält, und wir müssen alles dafür tun, dass er nicht bricht.”

Buntenbach forderte allerdings, dass die Hilfen des Bundes schneller fließen müssten. “Gerade bei niedrigen Löhnen und dann, wenn es keine tarifliche Aufstockung gibt, reicht das Geld oft kaum, um über die Runden zu kommen.” Gleichzeitig begrüßte sie, dass das Arbeitslosengeld für die Zeit der Krise verlängert worden sei.

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Angesichts der Rekordzahlen bei Anmeldungen für Kurzarbeit warnte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), vor einer starken Belastung der Bundesagentur. “Kurzarbeit verhindert Arbeitslosigkeit und hilft, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Durch politische Entscheidungen schmilzt allerdings die Rücklage der Bundesagentur für Arbeit schneller als Schnee in der Sahara”, teilte Kampeter, der auch Sprecher der Arbeitgebergruppe im Verwaltungsrat der Agentur ist, mit.

“Nie da gewesenes Ausmaß”: Experten sichtlich mitgenommen

Infolge der schwindenden Rücklagen werde es zunächst ein Darlehen geben, dann komme ein Zuschuss des Bundes, “und dann ist man völlig überrascht, dass die Beiträge angepasst werden müssen”, so Kampeter. “Politik, die heute gefallen will und das Morgen dabei völlig aus den Augen verliert, ist von geringer Substanz und hat eine noch geringere Halbwertszeit bis zum politischen Offenbarungseid.”

Die Entwicklung der Kurzarbeit zeuge von einem “nie da gewesenen Ausmaß an schweren wirtschaftlichen Einschränkungen bis hin zu existenziellen Bedrohungen ganzer Betriebe durch die Pandemie”, so Kampeter.

Auch Detlef Scheele, in seiner bisherigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit eher an positive Meldungen gewöhnt, ist sichtlich mitgenommen, als er in Nürnberg die Aprilzahlen verkünden muss. Noch nie in der Nachkriegsgeschichte habe er oder einer seiner Vorgänger im Amt mit solchen Zahlen vor die Presse treten müssen, sagte Scheele.

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“Corona-Krise dürfte in Deutschland zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen”, betonte er: “Schlimmer war es nie.” Dadurch gerate auch der Arbeitsmarkt stark unter Druck. Nicht so sehr, weil es in großem Stil zu Entlassungen gekommen sei. Eher, weil es kaum noch offene Stellen gebe und weil arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie etwa Qualifizierungen gar nicht erst hätten beginnen können.

RND/dpa

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