Adler, Esprit und Co.: Diese Modeketten hat Corona in Not gebracht

  • Wieder macht eine Insolvenz Schlagzeilen: Diesmal hat es den Modekonzern Adler getroffen.
  • Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Zwangsschließungen im Einzelhandel haben vielen angeschlagenen Modeketten schwer zugesetzt.
  • Dazu zählen neben Galeria Kaufhof Karstadt auch Esprit, Hallhuber und viele mehr.
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Die Corona-Pandemie und vor allem der erneute Lockdown haben dem stationären Modehandel den Rest gegeben. Das wird in diesen Tagen wieder durch die Insolvenz der Modekette Adler deutlich. Insgesamt ist die Liste der Modehändler, die seit dem Beginn der Corona-Pandemie ins Schlingern geraten sind und Insolvenzverfahren durchlaufen mussten, lang.

Das Problem: Vielen Unternehmen aus der Modebranche ging es schon vor der Corona-Krise nicht gut. Dem Siegeszug des Onlinehandels und dem Erfolg von Fast-Fashion-Anbietern wie Primark oder Zara hatten sie nur wenig entgegenzusetzen. Das Coronavirus traf, als es für flächendeckende Ladenschließungen in Deutschland sorgte, bei Herstellern und Händlern sozusagen vorgeschädigte Opfer.

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Textilhandel in Not: Modefirmen leiden unter Lockdown
1:19 min
Unternehmer Steffen Jost aus Hessen sagt, die Branche stehe am Abgrund.  © Reuters
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Für die meisten Schlagzeilen sorgte dabei Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen musste. Aber auch andere hat es erwischt. Eine Übersicht:

Adler

Die Adler Modemärkte AG hat am Sonntag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Die Gruppe gehört zu den größten Textileinzelhändlern in Deutschland. Im Jahr 2019 setzte sie knapp 500 Millionen Euro um. Adler beschäftigte zuletzt 3350 Mitarbeiter und betreibt 171 Modemärkte, davon 142 in Deutschland, sowie einen Onlineshop. Die ausländischen Töchter sollen von der Insolvenz aber nicht betroffen sein.

Appelrath Cüpper

Der durch die Corona-Krise ins Wanken gekommene Damenmode-Filialist Appelrath Cüpper ist mittlerweile gerettet. Das Unternehmen habe das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung am Jahresende erfolgreich abgeschlossen, teilte der Generalbevollmächtigte des Unternehmens, Jasper Stahlschmidt, mit. Appelrath Cüpper hatte im April 2020 eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen müssen, nachdem die Umsätze infolge der Corona-Pandemie eingebrochen waren.

Neuer Besitzer von Appelrath Cüpper ist der österreichische Textilhändler Peter Graf. Er ist Miteigentümer von Kleider Bauer, einem der größten Modehändler in Österreich. Alle 16 Filialen können fortgeführt werden. Auch der weit überwiegende Teil der aktuell 900 Arbeitsplätze bleibe erhalten, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Esprit

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Der Modekonzern hatte Ende März für mehrere unter der Corona-Krise leidende deutsche Tochtergesellschaften ein Schutzschirmverfahren beantragt, um sich vor Forderungen der Gläubiger zu schützen. Ziel war es, Esprit im Rahmen von Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung noch im Herbst dieses Jahres zu entschulden. Der Konzern, der zuvor schon auf Sanierungskurs war, hatte weitere Stellen gestrichen, Läden geschlossen und Kosten gekappt.

Nun will Esprit nach einem Schuldenschnitt wieder durchstarten. Nach Angaben von Finanzchef Johannes Schmidt-Schultes haben mehr als 95 Prozent der Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt, obwohl sie dadurch Geld verloren hätten. Der Vorstand glaubt laut dem Fachblatt „Textilwirtschaft“ an ein „Esprit 2.0″. „Wir werden sukzessiv die Preise zwischen 3 Prozent und 6 Prozent anheben, weil wir merken, dass wir schon jetzt dort am besten verkaufen, wo die Qualität stimmt und wir reguläre Preise ansetzen“, sagte Vorstandschef Anders Kristiansen den Angaben zufolge.

Schon lange vor der Corona-Krise schrieb der Konzern, der in Ratingen sitzt, aber in Hongkong an der Börse notiert ist, rote Zahlen – für das Ende Juni abgeschlossene Geschäftsjahr 2018/2019 zuletzt 2,14 Milliarden Hongkong Dollar (etwa 248 Mio Euro). Ende 2018 hatte Esprit in Deutschland in Deutschland noch 137 eigenen Läden rund 1540 Mitarbeiter beschäftigt.

Galeria Kaufhof Karstadt

Im April hatte der letzte große deutsche Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Von den 172 Filialen mussten 46 schließen, darunter zum Beispiel die Häuser in Dortmund, Hamm, Bonn, München-Nordbad, Berlin-Gropiuspassage, Mannheim, Bremen und Osnabrück. Besonders für kleine Städte wie Gummersbach, Neumünster und Witten sind die Filialschließungen ein herber Rückschlag im Kampf um Publikumsverkehr in ihren Innenstädten. Rund 3200 Beschäftigte von Galeria Karstadt Kaufhof haben ihren Job verloren.

Der Warenhauskonzern war erst 2019 durch den Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof entstanden. Mit den rund 130 verbleibenden Warenhäusern hofft der angeschlagene Konzern, nun schnell wieder in die schwarzen Zahlen zurückzukehren.

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Hallhuber

Das Münchner Modeunternehmen Hallhuber hat in der Corona-Krise ebenfalls ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, „um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden“. Das Amtsgericht München hatte dem Antrag im April stattgegeben. „Wir waren bis Januar 2020 sehr erfolgreich unterwegs, aber die behördlich angeordneten Schließungen unserer Verkaufsflächen setzen uns jetzt hart zu“, sagte Vorstandschef Rouven Angermann damals. Hallhuber vertreibt sein Sortiment europaweit in 380 Läden und Verkaufsflächen sowie online.

Picard

Auch der Taschenhersteller Picard suchte im Mai Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Geschäftsführer Georg Picard sagte dem Branchenfachblatt „Textilwirtschaft“ mit Blick auf die Corona-Krise: „Es ist das Heftigste, das ich jemals erlebt habe. ... Das kam wie ein Überfall.“ Die größte Schwachstelle des Unternehmens sei jedoch der hohe Umsatzanteil von Galeria Karstadt Kaufhof gewesen. In den vergangenen fünf Jahren seien 30 bis 40 Prozent des Picard-Geschäftes über den Warenhausriesen gelaufen. „Damit haben wir uns zu abhängig von einem Unternehmen gemacht.“

Picard kann nun erstmal durchatmen. Die Gläubiger haben dem Insolvenzplan zugestimmt, wie das Oberhausener Unternehmen Ende des Jahres mitteilte.

Strenesse

Der angeschlagene schwäbische Luxusmodehersteller Strenesse musste seinen Betrieb zum Jahresende einstellen. Das Traditionsunternehmen begründete den Schritt ebenfalls mit den Auswirkungen der Corona-Krise.

Der Modeanbieter aus dem bayerischen Nördlingen ist seit Jahren angeschlagen. Vor einem Jahr hatte Strenesse bereits zum zweiten Mal ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angemeldet. Zu der gewünschten Rückkehr in die Erfolgsspur kam es allerdings nicht mehr. Im ersten Quartal 2020, als die Restrukturierung fast abgeschlossen war, habe es zwar noch eine positive Umsatzentwicklung gegeben, die Auswirkungen der Pandemie konnten aber nicht mehr kompensiert werden, erklärte Strenesse.

ang/RND/dpa

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