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Adidas: Mit grünen Produkten wollen die Franken an die Spitze

  • Bei Bekleidung gelten Outdoorfirmen bislang als Maßstab in Sachen Nachhaltigkeit.
  • Bei der verwandten Branche der Sportartikler will nun Adidas neue Maßstäbe setzen.
  • Das Thema ist auch ein Verkaufsargument.
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Herzogenaurach. Nachhaltigkeit ist ein modernes Verkaufsargument. Das gilt vor allem für die Hauptkundengruppe der Elf- bis 25-Jährigen von Sportartiklern wie Adidas. Ein Drittel der Weltbevölkerung entfällt auf diese Generation Z. „Sieben von zehn sagen, dass die Nachhaltigkeit von Produkten ihre Kaufentscheidung beeinflusst“, referiert Adidas-Nachhaltigkeitschefin Katja Schreiber die abgefragte Haltung dieser Generation.

Ob sie auch entsprechend handelt, ist ungewiss. Beim Autokauf deutscher Verbraucher stehen ausgerechnet Geländewagen in der Gunst am höchsten. Aber bei Sportartikeln will Adidas seinen Kunden keine große Chance mehr geben, grüne Produkte zu umgehen. „Bis 2025 werden wir neun von zehn Artikeln nachhaltig machen“, verspricht Schreiber.

Adidas will Vorreiter sein

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Das klingt ambitioniert. Derzeit definiert Adidas sechs von zehn eigenen Produkten als nachhaltig. Verbindliche Branchenstandards für den Nachhaltigkeitsbegriff gibt es nicht. Wenige Prozent Recyclingmaterial reichen, dass ein beliebiger Bekleidungshersteller seine Ware als nachhaltig ausweisen darf. Adidas nimmt für sich aber in Anspruch, die anspruchsvollsten Nachhaltigkeitsziele der Branche zu setzen. „Wir wollen Vorreiter sein“, betont Schreiber.

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Dabei gibt es drei Stoßrichtungen, erklärt sie. Das sind Recycling, darauf ausgerichtetes Produktdesign und neuartige Bio-Rohstoffe als Ersatz für die bisherigen Hauptmaterialien Polyester und Baumwolle. Letztere ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, verbraucht aber große Mengen Wasser. Polyester entsteht aus Erdöl.

Adidas ist beim Recycling am weitesten

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Beim Recycling ist Adidas am weitesten. 70 Prozent des verwendeten Polyestermaterials sind bereits recycelt. 2024 sollen es 100 Prozent sein. Vermarktet wird das vor allem mittels Laufschuhen aus Ozeanplastik. 2015 hat Adidas einen solchen Recyclingschuh erstmal in Kooperation mit der Umweltschutzorganisation Parley for the Oceans vorgestellt.

Dessen Plastikrohstoffe wurden zuvor in Form von Müll an Stränden und Küsten eingesammelt. Bis heute wurden gut 30 Millionen Paar verkauft. Dieses Jahr sollen 17 Millionen Paar dazukommen. Der Recyclingschuh kommt bei Kunden durchaus an. Allerdings verkauft Adidas insgesamt pro Jahr rund 400 Millionen Paar Sportschuhe.

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Um das speziell bei Schuhen nicht triviale Recycling einfacher zu machen, steigt Adidas im nächsten Schritt in die Kreislaufwirtschaft ein. Als erstes vorweisbares Produkt hat das über 200 Experten umfassende Innovationsteam der Franken dazu jetzt nach neun Jahren Forschung einen Laufschuh erfunden, der komplett aus einem einzigen Material gefertigt ist.

„Durch das Monomaterial kann man ihn beim Wiederverwerten einfach schreddern und einschmelzen“, erklärt Adidas-Nachhaltigkeitsexperte Marwin Hoffmann die Vorteile. Siebenmalige Wiederverwertung ohne Qualitätsverlust des Materials habe man bislang nachgewiesen. „Das ist nicht das Limit“, glaubt Hoffmann.

Noch sind solche Kreislaufschuhe, die unter dem Label „made to be remade“ vermarktet werden, mit 180 Euro pro Paar recht teuer. Ein vergleichbarer Sportschuh mit normalem Materialmix kostet 100 Euro. Aber Adidas will das Kostenproblem auch durch Masse rasch in den Griff bekommen. „2023 wollen wir eine Million Teile made to be remade haben“, sagt Hoffmann.

Was möglich ist, zeigt ein Prototyp, den er stolz zeigt. Es ist ein mit dem US-Schuhhersteller Allbirds entwickelter Laufschuh, der in der Herstellung knapp drei Kilogramm des Klimakillers Kohlendioxid (CO₂) produziert. „Das ist Weltrekord“, schwärmt Hoffmann. Bei normalen Laufschuhen entstehen minimal elf Kilo CO₂. Bei einem Kilo Tomaten sind es zwischen 15 und 20 Kilo. Zum Preis des Weltrekordschuhs sagt Hoffmann nur „unbezahlbar“. Man arbeite aber daran, das zu ändern.

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Ein Blick in die Zukunft sind auch neue Biomaterialien, die einmal Polyester und Baumwolle ablösen sollen. Dazu kooperiert Adidas mit Start-ups, die daran forschen. „Der ist aus Leder, das im Labor gewachsen ist“, sagt Hoffmann zu einem Sportschuh, der sich in der Hand wie normales Leder anfühlt. Es ist aus der Wurzel eines Pilzes gewonnen, der im Gewächshaus binnen zwei Wochen und damit sehr schnell bis zur Verwertbarkeit heranwächst. Dabei ist der Wasserverbrauch weit geringer als bei Ledergewinnung über Nutztiere.

Start-up forscht an Baumwolleersatz

Gleiches gilt für Textilien auf Zellulosebasis, an denen Adidas mit dem finnischen Start-up Spinnova forscht. Das Material könnte Baumwolle ersetzen. Es verbraucht in der Herstellung 99 Prozent weniger Wasser und produziert zwei Drittel weniger CO₂ als heutige Baumwolle. Eine dritte Richtung der Materialforschung setzt auf Agrarabfälle.

Welcher Ansatz das Rennen macht, ist noch offen. Bis 2024 soll es aber so weit sein, dass man einige Hunderttausend Paar Schuhe aus Biomaterial verkaufsfähig habe, hoffen die Adidas-Forscher. „Wir setzen Standards in unserer Industrie“, sagt Schreiber. Bei nachhaltiger Produktion würden zudem keine Abstriche an Leistungsmerkmalen von Sportartikeln gemacht.

Die Adidas-Nachhaltigkeitschefin glaubt auch daran, dass Kunden mitziehen. Das gilt vor allem für jüngere Generationen, wo Verhaltensmuster noch nicht so festgefahren sind und die überall auf der Welt für mehr Klimaschutz demonstrieren. Denn den geschäftlichen Erfolg von Adidas soll das Ganze nicht schmälern.

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