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Abgang der Adidas-Personalchefin: Rassismusvorwürfe kann sich kein Unternehmen mehr leisten

  • Adidas-Personalchefin Karen Parkin tritt ab, nachdem ihr Defizite beim Umgang mit Rassismus im Unternehmen vorgeworfen wurden.
  • Die Entscheidung ist gut für das Unternehmen, meint RND-Autor Christoph Höland.
  • Aber auch andere Konzerne sollten sich den Vorgang ganz genau anschauen.
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Als Personalchefin wäre es Karen Parkins Aufgabe gewesen, glaubwürdig gegen Rassismus am Arbeitsplatz bei Adidas vorzugehen. Doch just jene Glaubwürdigkeit hat Parkin verspielt, als sie im vergangenen Jahr Proteste gegen Rassismus als “Lärm” bezeichnete – für eine Personalerin ein unverzeihlicher Fehler.

Denn eine vielfältige Belegschaft gilt – was empirisch belegt ist – mittlerweile als Wettbewerbsvorteil. Unternehmen profitieren davon, dass Mitarbeiter mit unterschiedlichen Hintergründen auch unterschiedliche Perspektiven auf Herausforderungen haben können. “Diverse Teams bringen bessere Leistungen”, brachte es die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer jüngst im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf den Punkt.

Die Voraussetzung für Diversität ist Respekt vor den Perspektiven der einzelnen Gruppen im Unternehmen, weshalb gerade Personalchefs Proteste gegen Rassismus besser nicht als “Lärm” abtun sollten. So blieb trotz der jüngsten Ankündigung, dass Adidas mehr Schwarze einstellen wolle, ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das war offenbar so groß, dass immer wieder schwarze Mitarbeiter die Personalchefin kritisierten. Ehemalige Beschäftigte, die von rassistischen Beleidigungen durch Kollegen berichteten, machten die Lage nicht besser.

Konkurrent Nike macht es besser

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Mehr Vielfalt hätte Adidas indes auch geholfen, die Bedeutung der Black-Lives-Matter-Proteste besser einzuschätzen. Schon kurz nach dem Tod von George Floyd hatte sich Konkurrent Nike per Videobotschaft öffentlichkeitswirksam hinter die Bewegung gestellt. Adidas fiel nichts Besseres ein, als das Video auf Twitter zu teilen. Es war eine hehre Geste angesichts des heftigen Konkurrenzkampfs zwischen den beiden Giganten – aber eben auch ein Eingeständnis, dass Adidas selbst keine derart eindeutige Positionierung aufbieten konnte.

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Dass Parkin nun zurücktritt, ist deshalb ein konsequenter Schritt, das Unternehmen auf mehr Diversität zu drillen. Zumindest kurzfristig wird das allerdings nicht leicht: Parkin war die einzige Frau im Adidas-Aufsichtsrat, es verbleiben dort fünf weiße Männer. Damit unterscheidet sich der Aufsichtsrat allerdings kaum von anderen Aufsichtsräten im DAX.

Diese sollten sich die Causa Parkin ganz genau anschauen. Denn offenbar schätzen Kunden eine klare Haltung zu Rassismus. Nike etwa setzt seit Jahren auf den antirassistischen Footballstar Colin Kaepernick als Markenbotschafter – und übertrumpfte Adidas zuletzt deutlich, was die Umsätze in den USA angeht.

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