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Wie Corona die Fertigung von Sneakern ausbremst

  • Jetzt leidet auch noch die Sportartikelbranche unter Lieferengpässen.
  • Modische Turnschuhe werden im Weihnachtsgeschäft knapp.
  • Die Fertigung in Vietnam stockt, weil dort das Coronavirus wütet.
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Frankfurt. Fans trendiger Turnschuhe müssen sich auf harte Zeiten einstellen. Unterm Weihnachtsbaum werden viele Wunsch-Sneaker fehlen. Der Grund dafür ist in Vietnam zu finden. Corona bremst dort die Fertigung. Das gilt unter anderem auch für sportliche Bekleidung. Fachleute erwarten, dass die Engpässe frühestens im Frühjahr nächsten Jahres behoben sein werden.

Es trifft so gut wie alle gängigen Sport- und Lifestyle-Marken, von Adidas über Nike und Puma bis zu Under Armour oder den Yogaexperten von Lululemon. Weltmarktführer Nike hat sich als Erster geoutet. Das Unternehmen hat gerade seine Absatzprognose für das gesamte Jahr nach unten korrigiert.

Das hat nicht nur die Aktie des weltgrößten Sportartikelkonzerns, sondern auch die Papiere der Rivalen in den Keller gedrückt. Adidas-Aktien sind derzeit 11 Prozent weniger wert als noch vor einem Monat. Die Anteilscheine von Puma – gerade erst in den erweiterten Deutschen Aktienindex aufgestiegen – haben im gleichen Zeitraum 9 Prozent verloren.

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Allerdings kommen sie auch von einem hohen Niveau: Noch im August notierten die Werte auf Rekordhöhe. Damals galt das Narrativ, dass mit dem Abflauen der Corona-Pandemie in Europa und Nordamerika die Nachfrage nach Sportartikeln, die auch im Alltag getragen werden, wieder deutlich anziehen werde. Weil wieder mehr trainiert wird und vor allem, weil die jüngeren Leute wieder in Clubs und anderswo unterwegs sind – dafür braucht es natürlich schicke Sneaker.

Doch ein heftiger Corona-Ausbruch mit der Delta-Variante in Vietnam macht den Geschäften der Konzerne einen Strich durch die Rechnung. Die Seuche grassiert vor allem in der Region rund um Ho-Chi-Minh-Stadt (früher Saigon) im Süden des Landes. Genau da, wo viele Schuhfabriken angesiedelt sind. Die Regierung hat strikte Lockdowns verhängt. Viele Werke wurden geschlossen, in anderen Produktionsstätten ist die Zahl der Arbeitskräfte stark reduziert.

Dass es nahezu alle Unternehmen der Branche gleichzeitig trifft, hat einen einfachen Grund: In den vietnamesischen Fabriken werden gleichzeitig die Produkte für mehrere global agierende Marken hergestellt. In Ho-Chi-Minh-Stadt etwa wurde eine Fabrik des Auftragsfertigers Pou Chen mit 56.000 Beschäftigten vorübergehend dichtgemacht, weil dort Covid ausgebrochen war.

Wobei Adidas etwa jeden vierten der Treter mit den drei Streifen in Vietnam produzieren lässt. Bei Nike ist es gut die Hälfte, und rund 80 Prozent dieser Kapazitäten liegen derzeit lahm. Nike-Manager räumen ein, dass sie von der Infektionswelle in dem asiatischen Land überrascht wurden. Inzwischen sei ein rechnerischer Produktionsausfall von zehn Wochen aufgelaufen. Auch das Nähen sportlicher Nike-Bekleidung läuft derzeit mit halber Kraft.

Damit nicht genug: Die Logistik macht den Sportartiklern zudem zu schaffen. Häfen sind überlastet, es fehlt an Containern und Lkw-Fahrerinnen und ‑Fahrern. Für den Transport von der Fabrik bis zum Laden, der normalerweise 40 Tage braucht, müssen derzeit 80 Tage kalkuliert werden. Ferner sind die Frachtkosten wegen der erhöhten Nachfrage massiv gestiegen – die Konjunktur hat in vielen Ländern nach dem Ende der Lockdowns gleichzeitig angezogen.

Und es wird nach Einschätzung von Branchenkennern in den nächsten Wochen noch schlimmer kommen. Denn im Weihnachtsgeschäft, das im November beginnt, soll das gesamte Angebot an Konsumgütern jeglicher Art kräftig hochgefahren werden, was die Nachfrage nach Transportkapazitäten weiter steigert.

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Die Analysten vom New Yorker Investmenthaus BTIG betonen: Die Probleme seien so groß, dass selbst Weltmarktführer Nike sie nicht mehr kontrollieren könne. Viele andere Anbieter hätten bereits ihre Bestellungen deutlich zurückgefahren. Es dauere in jedem Fall fünf bis sechs Monate, bis sich die Lage wieder normalisieren werde.

Hersteller zieht es zurück nach China

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Gleichzeitig würden Anstrengungen unternommen, um Fertigung in andere Länder zu verlagern. Bevorzugtes Ziel ist dabei ausgerechnet China – auch weil Beschränkungen durch Corona dort als unwahrscheinlich gelten.

Die Pointe dabei: Vor allem US-Firmen hatten zu Zeiten von Präsident Donald Trump ihre Auftragsfertigung vom Reich der Mitte nach Vietnam verlagert, um Strafzöllen durch die US-Regierung zu entgehen. Inwieweit Adidas und Puma nun ihre Prognosen revidieren müssen, ist bislang noch unklar.

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