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Adidas: Geschäftszahlen zeigen, wie groß die Corona-Schäden wirklich sind

  • Erst wollte Adidas keine Ladenmieten mehr zahlen. Dann folgte ein Staatskredit in Milliardenhöhe.
  • Aktuelle Zahlen zeigen: Die Krise treibt den Konzern in die Verlustzone.
  • Adidas plant jedoch keinen Stellenabbau in Deutschland.
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Herzogenaurach. Der Aufschrei war groß, als Adidas Ende März keine Mieten mehr für eigene Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland mehr zahlen wollte. Vor zwei Wochen dann hat der vermeintlich in Geld schwimmende Konzern als erstes Dax-Unternehmen einen hauptsächlich staatlichen Notkredit über drei Milliarden Euro erhalten. Mit den jetzt vorgelegten Geschäftszahlen und düsteren Ausblicken für das laufende zweite Quartal wird klar, dass die Gewinnmaschine Adidas zum Erliegen gekommen ist.

Im Auftaktquartal 2020 sind die Profite des fränkischen Sportartiklers wegen der Corona-Pandemie fast vollständig auf 20 Millionen Euro eingebrochen. Das war aber erst ein Vorgeschmack auf ein Ende, von dem offen ist, wie dick es noch wird und wann das Schlimmste überhaupt überstanden ist.

Dreistellige Millionenverluste einkalkuliert

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Für das laufende Quartal kalkuliert Konzernchef Kasper Rorsted jedenfalls dreistellige Millionenverluste ein, nachdem die Herzogenauracher im gesamten Vorjahr noch zwei Milliarden Euro Gewinn verbucht haben. Diesmal werden die Zahlen zumindest zum Halbjahr tiefrot sein.

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Was danach kommt, ist vom Verlauf der Pandemie abhängig. Das zweite Quartal werde aber die globalen Konzernumsätze um mindestens 40 Prozent einbrechen lassen, kündigte der dänische Konzernchef an. Das ist doppelt so viel wie das Fünftel Umsatzrückgang in den ersten drei Monaten auf 4,8 Milliarden Euro. “Unsere Ergebnisse für das erste Quartal verdeutlichen die ernsthaften Herausforderungen, die der globale Ausbruch des Coronavirus selbst an gesunde Unternehmen stellt”, betonte Rorsted.

Adidas überlebensfähig

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Für finanziell gesichert und überlebensfähig hält er seinen Konzern dennoch. Dafür sorgen neben Staatshilfe auch Dividendenausfall, Gehaltsverzicht des Managements und Kurzarbeit für 1200 heimische Mitarbeiter. Ende März standen auch noch knapp zwei Milliarden Euro liquide Mittel zur Verfügung, obwohl im ersten Quartal krisenbedingt rund 1,4 Milliarden Euro aus dem operativen Geschäft abgeflossen sind.

Aber es gibt auch zwei Hoffnungsschimmer. Zum einen geht es für Adidas in China langsam wieder aufwärts, seit dortige Läden öffnen. Noch wird in denen zwar weniger eingekauft als vor der Krise. Aber Rosted hofft, dass sich das Einkaufsverhalten im Lauf des zweiten Quartals normalisiert. Auch für Europa, die USA und andere Regionen der Welt baut Adidas auf langsame Erholung nach chinesischem Vorbild.

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Wichtigstes Geschäft läuft online

Wichtigste Stütze für die Franken ist derzeit aber der Direktverkauf per Internet. “Unser wichtigster Laden ist jetzt online”, betont Rorsted. Während die Umsätze in China im ersten Quartal 2020 um 58 Prozent und damit am stärksten weltweit eingebrochen sind, hat der Onlineverkauf um über ein Drittel zugelegt. Allein im März seien Digitalgeschäfte um über die Hälfte gewachsen, betont Rorsted. Das vor der Pandemie ausgegebene Ziel, 2020 gut vier Milliarden Euro Umsatz online per Internet zu erzielen, werde locker erreicht.

Adidas plant keinen Stellenabbau

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Auch Werbung verlagert Adidas in Corona-Zeiten verstärkt ins Internet. Die jetzige Krise beschleunige den digitalen Wandel um Jahre, ist sich der Firmenchef sicher. “Wir werden nicht zum Alten zurückkommen, das neue Normal wird bleiben”, sagt Rorsted zumindest für den eigenen Konzern voraus, in dem zwei Drittel der global 60.000 Beschäftigten aktuell im Homeoffice arbeiten. “Wir managen den Sturm”, verspricht der Konzernchef. Er zeigte sich entschlossen, in der Krise das gesamte Personal auch in Deutschland mit 7700 Mitarbeitern zu halten. Es sei kein Abbau geplant.

Auch die vor allem nach Asien führende Lieferkette glauben die Herzogenauracher intakt halten zu können. “Garantien gebe es dafür aber keine”, räumte Finanzchef Harm Ohlmeyer ein. Wegen der Unwägbarkeit der Lage gibt es auch keinen Ausblick für das Gesamtjahr. Grundsätzlich glaubt Rorsted an eine glänzende Zukunft für Sportartikler wie Adidas. Wie wichtig Sport und Gesundheit seien, führe der Corona-Ausbruch drastisch vor Augen, findet der Adidas-Boss. Sobald sich die Lage normalisiert, rechnet er deshalb wieder mit altbekannten Wachstumsraten und hohen Profiten. Dann sollen Verbraucher auch wieder anderes kaufen als die derzeit gerade besonders beliebten Yogamatten. “Wir bringen neue Produkte auf den Markt, auch wenn die Welt zusperrt”, versicherte Rorsted.

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