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Ministerium beschwichtigt

Adblue: Wird der Kraftstoffzusatz knapp?

Der Dieselzusatz AdBlue hilft dabei Schadstoffe in Stickstoff und Wasser dampf umzuwandeln.

Der Dieselzusatz Adblue hilft dabei, Schadstoffe in Stickstoff und Wasserdampf umzuwandeln.

In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Meldung in Windeseile: Das Wittenberger Chemieunternehmen SKW Piesteritz hat die Produktion eingestellt. Nach einer planmäßigen Abstellung Mitte August habe man wegen der „extrem hohen Gaspreise“ eine Anlage bisher nicht wieder in Betrieb genommen, ließ sich ein Sprecher in der „Mitteldeutschen Zeitung“ zitieren. Bei einer Produktion würde man täglich hohe Verluste machen.

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Die Stickstoffwerke Piesteritz stellen Adblue her, eine flüssige Harnstofflösung zur Reinigung von Dieselabgas. Viele Lkw sind auf Adblue angewiesen – und ohne Laster keine Versorgung, warnt der Logistikverband BGL. „Ohne Adblue stehen die meisten Lkw still – es drohen nicht nur leere Supermarktregale“, sagt BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt. Seitdem mit SKW Piesteritz der größte Adblue-Produzent in Deutschland die Produktion eingestellt habe, laufe die Uhr: „Sind die Adblue-Reserven bei Händlern und Transportunternehmen aufgebraucht, noch bevor die Bundesregierung den Ernst der Lage erkennt und geeignete Gegenmaßnahmen ergreift?“, fragt er.

Ministerium: Beobachten Adblue-Lage

Das Bundeswirtschaftsministerium beschwichtigt. Man beobachte die Lage bei Adblue genau, sagte eine Sprecherin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Aktuell liege nach Brancheninformationen „noch keine akute Mangellage in der Versorgung mit Adblue vor“. Die inländische Produktion sowie der Import aus dem EU-Binnenmarkt würden derzeit noch die Nachfrage in Deutschland decken. Gleichwohl räumt die Sprecherin ein, dass Teile der deutschen Adblue-Produktion derzeit gedrosselt beziehungsweise vorübergehend eingestellt seien. „Die Versorgung kann aktuell sichergestellt werden, aber mit logistischem Mehraufwand“, fügt sie hinzu.

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Dem Ministerium sei bewusst, dass die gestiegenen Energiepreise eine „erhebliche Belastung“ für die Unternehmen seien. Neben den angekündigten Hilfen – hier verweist die Sprecherin etwa auf die ausgesetzte Erhöhung des CO₂-Preises ab 2023 – werde man weitere prüfen. Minister Robert Habeck (Grüne) hatte kurz zuvor in seiner Bundestagsrede weitere Hilfen in Aussicht gestellt. „Wir werden die deutschen Unternehmen und den deutschen Mittelstand schützen“, sagte Habeck am Donnerstag vor dem deutschen Parlament.

Habeck verspicht im Bundestag weitere Hilfen

Ob der von Habeck in Aussicht gestellte Rettungsschirm für Werke wie das in Wittenberg ausreicht? Das Ministerium sei mit dem Unternehmen und mit der Landesregierung Sachsen-Anhalt in Gespräch, lässt die Sprecherin wissen. Ziel sei es, „die genauen Belange“ von SKW zu eruieren und „gemeinsam Lösungen zu überlegen“.

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Geht es nach dem Logistikverband BGL, muss jetzt schnell etwas passieren. Der Preis für Adblue habe sich von Januar 2021 bis Juli 2022 verdreifacht, dann bis Ende August in etwa vervierfacht und dürfte im September zu weiteren „Höhenflügen“ ansetzen, sagt Engelhardt. „Wenn man dann überhaupt noch welches bekommt“, fügt er hinzu. Im Verband seien sogar Unternehmen, bei denen sich die Einkaufspreise für Adblue verfünf- bis versiebenfacht hätten. Engelhardt rechnet vor: Laut dem Bundesamt für Güterverkehr wurden in diesem Juli rund 91 Prozent der Lkw-Transporte in Deutschland mit dem Euro-VI-Lkw gefahren. Und der brauche „zwingend“ Adblue. Gleichzeitig würden mehr als 70 Prozent der Güter und Waren in Deutschland mit dem Lkw transportiert.

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Adblue importieren? „Überall in Europa stehen Werke still“

Eine Rechnung, die den BGL nun dazu bringt, sich direkt an das Wirtschaftsministerium zu wenden. In einem Brief, der dem RND vorliegt, warnt er vor den Folgen der aktuellen Situation und fordert Unterstützung sowie einen Runden Tisch zum Thema Adblue. Am Donnerstag reagierte Engelhardt zudem auf den Hinweis des Ministeriums, Adblue zu importieren. Das sei schwer, sagte er der dpa. „Überall in Europa stehen die Werke still.“ Außerdem würden die Transportkapazitäten fehlen, um die benötigten Mengen zu transportieren.

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Der ADAC sieht hingegen aktuell keine Adblue-Knappheit auf dem Markt. Bevor eine flächendeckende Verknappung eintrete, müsse die Industrie auch bei hohen Gaspreisen eine Versorgung mit Adblue sicherstellen, sagte eine Sprecherin der dpa. Ohne den Zusatz ließen sich neuere Dieselfahrzeuge nicht mehr starten. Was Pkw angeht, ist der Einsatz des Kraftstoffzusatzes nach ADAC-Angaben wesentlich seltener: Rund 10 Prozent aller Autos in Deutschland fahren laut dem Automobilclub mit Adblue.

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