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Umstrittene Adani-Mine: Allianz in Finanzierung australischer Kohletransporte verwickelt

  • Eine Tochter der Allianz trägt womöglich zur Finanzierung der Kohletransporte der umstrittenen Carmichael-Mine in Australien bei.
  • Klimaschützer werfen dem Dax-Konzern nun vor, das konterkariere die eigenen Richtlinien des Konzerns.
  • Dieser hatte zuletzt betont, mehr zum Klimaschutz beitragen zu wollen.
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Die Carmichael-Mine der Adani-Gruppe in Australien ist eines der größten Kohlebergbauprojekte weltweit: Bis zu 60 Millionen Tonnen Steinkohle sollen dort künftig jährlich gefördert werden, um in Kraftwerken in Asien und Australien Strom zu erzeugen – ein anachronistisches Vorhaben angesichts der Erderwärmung, kritisieren Klimaschützer schon länger. Als im Januar herauskam, dass Siemens die Signaltechnik für die Bahnlinie von der Mine an einen nahe gelegenen Hafen liefert, war deshalb die Aufregung groß. Nun zeigt sich, dass eine Tochter der Allianz-Versicherung womöglich die Finanzierung just jener Bahnlinie ermöglicht hat.

Denn die Allianz-Tochter Pimco hat in der Vergangenheit, zuletzt Ende August, zahlreiche Unternehmensanleihen der zur Adani-Gruppe gehörenden Hafengesellschaft Adani Ports gekauft. Jene Hafengesellschaft hat ausweislich der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegenden Unterlagen in Singapur zwei 100-prozentige Tochtergesellschaften gegründet, die wiederum mit der Bowen Rail Company (BRC) ein Tochterunternehmen ins Leben gerufen haben – und diesem soll nun der Kohletransport obliegen, wie die Chefs der BRC in der vergangenen Woche gegenüber dem australischen Nachrichtensender ABC News bestätigten.

Klimaschützer: Allianz soll Beteiligung überdenken

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Bei australischen Klimaschützern sorgt das für heftige Kritik: “Wir sehen die Finanzierung und die Bereitstellung von Krediten für Adani Ports durch die Allianz, aber auch die Deutsche Bank, als Unterstützung für das Bergbauprojekt”, sagte Pablo Brait von der Nichtregierungsorganisation (NGO) Marketforces. Angesichts der Rolle von Adani Ports beim Transport der Carmichael-Kohle forderte er im Gespräch mit dem RND, dass die Geldgeber von Adani Ports ihre Investments in das Unternehmen überdenken sollten.

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Dabei war bis vergangene Woche nicht klar, dass Adani Ports mittels seiner Tochterunternehmen überhaupt selbst den Transport der Kohle übernehmen wird. Der Schritt war laut ABC News erst nötig geworden, weil mehrere australische Bahngesellschaften nach öffentlichem Druck den Transport der Kohle für das umstrittene Bergbauprojekt verweigert hatten. “Unternehmen, die wie die Allianz oder die Deutsche Bank ihre Beteiligung an Kohleprojekten einschränken wollen, müssen nun feststellen, dass die Finanzierung von Adani Ports ihrer eigenen Politik widerspricht”, meint Brait dazu.

Allianz bemüht sich um Nachhaltigkeit

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Für die Allianz, zu der Pimco gehört, ist das pikant. Der Dax-Konzern bemüht sich schon länger darum, zum Kampf gegen den Klimawandel beizutragen. Vor einem Jahr beteiligte sich die Allianz öffentlichkeitswirksam an der Gründung der “Net Zero Asset Owner Alliance”, einem Zusammenschluss von klimafreundlichen Großinvestoren. “Den Klimawandel abzumildern ist die Herausforderung unseres Lebens”, sagte Allianz-Chef Oliver Bäte damals. Auch hat sich die Allianz 2019 Richtlinien zum Umgang mit Kohleprojekten gegeben, eine Versicherung von Minen und Kraftwerken schließen diese für die Zukunft aus.

Ob die über Pimco bereitgestellten Gelder nun für die umstrittene Eisenbahnlinie genutzt werden, ist aber letztendlich unklar. Wie bei Anleihen üblich, kann Adani Ports über die Verwendung der Mittel wohl selbst entscheiden. ABC News zufolge bringt die Gründung der Eisenbahngesellschaft Kosten in Höhe von mindestens 200 Millionen australischen Dollar mit sich. Ob sich Pimco bewusst sei, dass die über Anleihen bereitgestellten Gelder nun in die Kohletransporte fließen könnten, wollte die Investmentgesellschaft auf Anfrage des RND nicht beantworten. Stattdessen heißt es, man kommentiere spezifische Investments grundsätzlich nicht.

Pimco unterliegt nicht den Allianz-Richtlinien

Allerdings betonte das Unternehmen, als Investmentmanager lediglich Gelder im Auftrag von Kunden zu verwalten. Denen würden verschiedene Anlageformen angeboten, in die Investments flössen auch ESG-Kriterien, die Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen, ein. “Einige Kunden haben eine höhere Präferenz gegenüber ESG-Faktoren als andere”, erklärte ein Pimco-Sprecher gegenüber dem RND.

Dass es nur um Kundengelder geht, will Regine Richter von der deutschen NGO Urgewald angesichts der Unterstützung des Bergbauprojekts nicht gelten lassen. “Diese Beteiligung von Pimco zeigt, dass es ein Problem ist, dass die Kohlerichtlinien der Allianz nur für eigene Anlagen, nicht aber für die Gelder von Dritten gelten”, sagte Richter dem RND.

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Auf Nachfrage des RND, inwiefern die Rolle der Konzerntochter Pimco bei dem Kohleprojekt in Australien zu den Klimaschutzbemühungen der Allianz passt, wollte sich der Dax-Konzern nicht äußern. “Wir können zu dem Thema leider keine Auskunft geben”, so eine Allianz-Sprecherin. Als 100-prozentige Töchter erwirtschafteten die verschiedenen Pimco-Gesellschaften ausweislich des Allianz-Geschäftsberichts im vergangenen Jahr etwa 800 Millionen Euro Jahresüberschuss.

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