Revolution in Echtzeit: Tempo beim Infrastrukturausbau für 5G-Netz

  • Der Mobilfunkstandard 5G ist um ein Vielfaches schneller als 4G und soll die mobile Welt mittelfristig komplett verändern.
  • Die Pandemie hat dem Ausbau keinen Abbruch getan.
  • Bis Jahresende soll es in Deutschland schon 30 Millionen Nutzer geben.
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Dresden. Ein alter Wasserturm im Dresdner Stadtteil Klotzsche dient fortan der Zukunft. Hier hat das Unternehmen Vantage Towers einen von knapp 20.000 Standorten in Deutschland. 2020 als Tochter von Vodafone gegründet, ist die Firma seit März dieses Jahres an der Börse in Frankfurt, seit kurzem im SDax. Kern des Geschäftsmodells ist laut Deutschland-Chef Peter Zehetner nicht nur, an Vodafone - den bisher größten Kunden - zu vermieten, sondern auch an andere Netzbetreiber und Unternehmen.

Laut Zehetner reichen die Investitionen pro Standort von einigen Zehntausend Euro bis zu mehreren Hunderttausend Euro. „Wir bauen dabei die sogenannte passive Infrastruktur, sind für Beton, Stahl und die Stromversorgung zuständig und vermieten den Platz an die Netzbetreiber, die ihre Antennen installieren.“

Europaweit aktiv

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Im Schnitt würden die Türme aktuell von ein bis zwei Kunden genutzt. Vantage sei in zehn Ländern Europas aktiv, mit Mitarbeitern aus 27 Nationen. Europaweit liege der Umsatz bei gut einer Milliarde Euro, in Deutschland bei etwa der Hälfte. Allein hier wird Vantage Towers 5500 Masten bis 2026 zur Schließung weißer Flecken und für den 5G-Roll-out bauen.

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Auch Vodafones Wettbewerber Telefónica und Deutsche Telekom arbeiten am Ausbau des 5G-Netzes. So funken etwa bei der Telekom nach Angaben des Konzerns deutschlandweit mehr als 50.000 Antennen bereits mit 5G - in rund 5000 Städten und Gemeinden. Etwa 66 Millionen Menschen der Bevölkerung können bereits mit schnellem Mobilfunk versorgt werden - das entspricht etwa 80 Prozent der Bevölkerung. Bis Jahresende sollen es laut Konzern 90 Prozent sein.

Telefónica Deutschland will bis 2025 ein bundesweites 5G-Netz etablieren. Bisher funken rund 150 5G-Stationen im O2-Netz, unter anderem in Berlin, Hamburg, München und Potsdam. Bis Ende des Jahres sollen mehr Städte und vor allem auch ländliche Regionen hinzukommen, hieß es.

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Die Zauberformel der Branche heißt also 5G. Das superschnelle Internet soll ganze Branchen revolutionieren. Denn die Datenübertragung soll häufig in Echtzeit erfolgen. Auf diese Weise ließe sich vernetzte Technik in der Landwirtschaft genauso fahrerlos steuern wie Autos oder Kräne.

Neben den kurzen Reaktionszeiten ist 5G bis zu 100 Mal schneller als der heute schon nahezu flächendeckend vorhandene Standard 4G (LTE). Experten zufolge sind mit 5G-Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde möglich. Auch die Menge gleichzeitig übertragener Daten kann erheblich höher sein.

Forschung geht weiter

Und während 5G als neuer Mobilfunkstandard gerade erst aufgebaut wird, da forschen Wissenschaftler schon an der nächsten Generation: Mitte August startet an den Technischen Universitäten in Dresden und München ein neues Zentrum zur Erforschung der 6. Mobilfunkgeneration. Rund 70 Millionen Euro fließen in den nächsten vier Jahren in das Projekt „6G-life“ für das Netz der Zukunft.

Das ist für die allermeisten freilich noch Zukunftsmusik. Vorerst geht es um den Ausbau von 5G, von dem auch der private Bereich profitieren soll – zum Beispiel durch Virtual und Augmented Reality Software, Online Games, Streaming-Dienste und Downloads.

Um da Potenzial von 5G aufzuzeigen, bringt Vodafone gern ein Beispiel für Download. „Einen kompletten Spielfilm in 4K-Auflösung auf dein Smartphone zu laden, dauert im Durchschnitt 15 Minuten. Wärst du bereits mit dem 5G-Netz verbunden, würde der Download nur wenige Sekunden benötigen“, heißt es.

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Die neuen Modelle - zu denen neben dem iPhone 12 eine Mini-Variante und zwei teurere Pro-Optionen gehören - böten die Möglichkeit für Interaktionen in Echtzeit.  © Reuters

Auch Vodafone setzt beim 5G-Ausbau auf Tempo. Bis zum Jahresende will man 30 Millionen Menschen in Deutschland damit versorgen - ein Drittel mehr als ursprünglich geplant. Nach den Worten von Ellenbeck hat Corona den Ausbau des Netzes nicht gebremst. „Ein Mobilfunknetz ist nie fertig. Unsere Techniker waren die ganze Zeit über draußen. Sie sind ja die meiste Zeit an der frischen Luft.“

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Pandemie hat Geschäft beflügelt

Auch die Nutzer haben das Geschäft der Mobilfunkbetreiber in der Pandemie beflügelt. „Wir hatten überhaupt keine Schwierigkeiten, weil die Leute viel stärker zu Hause waren und dort das Netz für Homeschooling oder Konferenzen nutzen“, berichtet Ellenbeck.

Der Anstieg im Datenverkehr sei viel höher gewesen als im Mobilfunk. Aber auch die Telefonie sei nach oben gegangen. „Vor allem zu Beginn der Lockdowns war das offenkundig. Die Telefonate haben sich im Schnitt um eine halbe Minute verlängert.“

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Ellenbeck zufolge geht sein Unternehmen auch auf jene Menschen zu, die diffuse Ängste vor 5G hegen. „Sobald wir einen geeigneten Antennenstandort gefunden haben, gehen wir zu den Bürgern und informieren.“ Manchmal seien die Leute überrascht, dass jede Mikrowelle mehr Strahlung verursacht als solch ein Netz.

„Gerade in der Pandemie hat man gesehen, wie wichtig die Telekommunikation ist. Das wird sich in der Zukunft noch verstärken“, betont Zehetner. Immer mehr Menschen würden dort arbeiten, wo sie auch wohnen. Dazu brauche man stabile Mobilfunkverbindungen. „Telekommunikation ist ein Standortfaktor wie ein gutes Straßennetz. Sie wird gerade Gemeinden auf dem Lande helfen, dass junge Menschen bleiben und nicht in die Städte abwandern.“

Zehetner räumt ein, dass es immer schwieriger wird, geeignete Standorte für die Sendemasten zu finden. „Die Nutzung des stillgelegten alten Wasserturms Klotzsche als Funkstandort ist ein tolles Beispiel, wie schöne alte Bauwerke quasi unbemerkt einer neuen Nutzung zugeführt werden. Bei Maststandorten, die neu errichtet werden sollen, ist es oft schwierig. Derzeit haben wir etwa 500 Baugenehmigungen in Deutschland laufen, die oft schon mehr als ein Jahr dauern und noch nicht abgeschlossen sind. Während es bei uns bis zu zwei Jahre dauern kann, bis ein Standort errichtet ist, geht das in anderen Ländern Europas viel schneller. In Portugal beispielsweise wird ein Standort in der Regel binnen 30 Tagen genehmigt.“

RND/dpa

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