Trotz Beschlusses von Bund und Ländern

49-Euro-Ticket steht auf der Kippe: Verkehrsunternehmen sehen „nicht absehbares finanzielles Risiko“

Ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn steht an einem Bahnhof.

Ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn steht an einem Bahnhof (Symbolbild).

Der Verband Deutscher Verkehrs­unternehmen (VDV) hat die Einführung des von Bund und Ländern beschlossenen 49-Euro-Tickets für den Nahverkehr infrage gestellt. Die wesentliche Grund­voraussetzung für die Einführung des Tickets sei, „dass die damit verbundenen Einnahmeverluste und Zusatzkosten vollständig und dauerhaft von Bund und Ländern ausgeglichen werden“, teilte VDV-Präsident Ingo Wortmann am Mittwoch mit. „Da das auf Basis der aktuellen Beschlüsse noch nicht der Fall ist, entsteht für die Branche ein nicht absehbares finanzielles Risiko“, betonte er. „Es ist unternehmerisch daher momentan nicht zu verantworten, ohne flankierende politische Beschlüsse zur Finanzierung die Einführung des Deutschland­tickets voranzutreiben.“

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Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen.

Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen.

Das 49-Euro-Ticket – auch Deutschlandticket genannt – soll so bald wie möglich das im Sommer ausgelaufene 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ersetzen. Bund und Länder hatten sich vergangene Woche nach monatelangem Ringen auf die Finanzierung des Angebots geeinigt. Neben einer Erhöhung der sogenannten Regionalisierungs­­mittel, mit denen der Bund den ÖPNV in den Ländern mitfinanziert, zahlen Bund und Länder dafür jeweils 1,5 Milliarden Euro.

49-Euro-Ticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets

Aus Sicht der Branche, die die Einführung des Tickets grundsätzlich begrüßt, reicht das nicht aus. Der Verband kritisiert, dass einst von den Ländern ins Spiel gebrachte Maßnahmen im Bund-Länder-Beschluss nicht enthalten sind: dass das Ticket mit der Zeit teurer wird und dass Bund und Länder sich verpflichten, weitere Mittel nachzuschießen, um Einnahmeverluste auszugleichen. Im aktuellen Beschluss heißt es lediglich: „Über die darüber hinausgehende weitere Entwicklung der Regionalisierungs­mittel und des Deutschland­tickets für die Zeit ab 2025 werden Bund und Länder Ende 2024 sprechen.“ Die Branche wolle zügig Klarheit für die Fahrgäste schaffen, akzeptiere aber keine Risikoübernahme zu eigenen Lasten, schreibt der VDV im Präsidiums­beschluss, der dem RND vorliegt.

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Wortmann warnte: „Einen Verlust können weder die Verkehrs­unternehmen noch ihre Aufgabenträger, wie zum Beispiel Städte und Gemeinden, aus eigenen Mitteln ausgleichen.“

Bund und Länder einig: Das 49-Euro-Ticket kommt

Nach langem Streit haben sich Bund und Länder auf eine Finanzierung des Nahverkehrs verständigt.

Die Chefin der Verkehrs­minister­konferenz, die Bremer Mobilitäts­senatorin Maike Schaefer (Grüne), teilte auf RND-Anfrage mit: „Ich kann die Besorgnisse der Verkehrsverbünde nachvollziehen, aber genau deswegen laufen derzeit noch die Verhandlungen mit dem Bundes­verkehrs­minister zur exakten Finanzierung und Umsetzung.“ Sie werde das Thema noch mal auf die Tagesordnung der Sonder­verkehrs­minister­konferenz Ende dieses Monats setzen.

RND/sic/mnd/dpa

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