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Formel-1-Kolumne

Thesen zum Formel‑1-Monat mit Norbert Haug: Verstappen „Ausnahmefahrer“, Vettels Botschaft

Max Verstappen dominiert die Formel-1-Weltmeisterschaft. Sebastian Vettel sorgt mit Umweltprotesten für Aufsehen. Norbert Haug ordnet das aktuelle Geschehen in der Motorsport-Königsklasse ein.

Wer soll Max Verstappen und sein Red-Bull-Team in dieser Form stoppen? Nach neun von 22 absolvierten WM-Rennen führt der Niederländer die Formel-1-Weltmeisterschaft mit einem Polster von 46 Punkten vor seinem Teamkollegen Sergio Perez an und ist auf dem besten Weg zur Titelverteidigung. Vor den Julirennen in England (3. Juli), Österreich (10. Juli), Frankreich (24. Juli) und Ungarn (31. Juli) fragt sich die Konkurrenz, wie der 24-Jährige überhaupt zu schlagen ist. Angesichts der Extraklasse des Ausnahmefahrers wird dafür mehr als einfach nur ein schnelles Auto benötigt.

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Das Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) hat dem ehemaligen Mercedes-Motor­sport­chef Norbert Haug diese These vorgelegt – und vier weitere. So äußert sich der 69-Jährige, der die Karrieren der jeweils sieben­maligen (Rekord-)Welt­meister Lewis Hamilton und Michael Schumacher von Beginn an begleitete, beide ab dem Juniorenalter gefördert und mit ihnen als Sport­chef erfolg­reich gearbeitet hat, auch zu den Umweltaktivitäten von Sebastian Vettel. Der viermalige Weltmeister fällt in dieser Saison besonders durch seine Umweltproteste auf. Zudem äußert sich Haug über den von der Fia beschlossenen Eingriff beim Hoppeln der F1-Autos.

These eins: Dass die Fia beim Hoppeln der Autos (Bouncing) eingreift, war überfällig, kann aber unfairerweise das Kräfteverhältnis verändern.

Haug: „Hier ist unbedingt eine differenzierte Betrachtung und Entscheidungsfindung erforderlich: Ist die Formulierung des Reglements Basis für das extreme und extrem fahrerunfreundliche Fahrverhalten, muss die Fia eingreifen. Nach aktueller Lage der Dinge sieht es aber anders aus, nämlich, dass es an den Fähigkeiten der Teams liegt, dieses unerwünschte Fahrverhalten mit eigenen konstruktiven Maßnahmen abzustellen.“

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These zwei: Um Max Verstappen auf der Strecke zu schlagen, braucht man mehr als nur ein schnelles Auto.

Haug: „Ein schnelles Auto alleine genügt nicht zum regelmäßigen Sieg, wie es ja viele Teamkollegen vieler Siegfahrer beweisen, seitdem es die Formel 1 gibt. Verstappen ist sicherlich ein Ausnahmefahrer, und er hat die Spitze seiner Leistungsfähigkeit womöglich noch gar nicht erreicht. Fährt er dann im besten Auto im Feld, passiert, was Lewis Hamilton und früher auch Sebastian Vettel und Michael Schumacher über viele Jahre vorgeführt haben: ein Sieg nach dem anderen und ein Titelgewinn nach dem anderen.“

These drei: Mit seinen jüngsten Umweltprotesten wandert Sebastian Vettel als Aushängeschild einer ölverbrennenden Rennserie auf einem schmalen Grat.

Haug: „Das ist sein Empfinden und ganz offensichtlich eine Zielsetzung, der er sich mit Überzeugung verschrieben hat. Dass er dafür nicht nur Applaus erhält, hat er bestimmt einkalkuliert, und Vettel bestätigt ja bekanntlich auch, dass er jene versteht, die in ihm einen Heuchler sehen. Ich bevorzuge die realistische Gesamtbetrachtung: Während 20 Autos, wie Sie sagen „Öl verbrennen“, stehen 200 Millionen Autos in der Parkbucht oder in der Garage und verbrennen keines, weil ihre Besitzer Formel 1 schauen, im Fernseher oder auf ihren Endgeräten. So wie ich Vettels Botschaft verstehe, richtet diese sich auch nicht per se gegen die Formel 1, die sich ab 2030 ja bereits zur Klimaneutralität verpflichtet hat. Leider werden das ganz viele wesentlichere Bereiche der Klimabelastung bis dahin nicht schaffen.“

Botschafter ohne Heiligenschein: der Imagewandel des Sebastian Vettel

Auf der Strecke kämpft Sebastian Vettel mittlerweile um die hinteren Plätze. Neben der Strecke ist er seinem Sport allerdings voraus – vor allem wenn es um Missstände geht. Vettel-Biografin Karin Sturm über einen, der über den Tellerrand blickt und dabei einen gewaltigen Spagat hinlegen muss.

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These vier: Dass es schon beim neunten Grand Prix des Jahres zu Startplatzstrafen kommen kann, weil ein Team zu viele Komponenten verbraucht hat – wie in Kanada Ferrari mit Charles Leclerc – macht den Sport kaputt.

Haug: „Ganz offensichtlich nicht. Wie man zu diesen Strafen steht, ist eine Sache, der Sport wird durch sie bislang aber keineswegs kaputtgemacht. Die Interessierten erleben vielmehr eine spannende Saison mit jeder Menge Überraschungen. Die Formel-1-Macher, ob beim Reglement oder bei dem Thema Vermarktung, haben für die aktuelle Saison zweifellos sehr viele Dinge richtig gemacht. Und wer gerne heftig kritisiert, sollte auch genauso deutlich gerne loben, wenn es dafür Anlass gibt.“

These fünf: Bekommt Mercedes das Bouncing im kommenden Rennen in Silverstone (3. Juli) wie zuletzt in Montreal noch weiter in den Griff, können George Russell und Lewis Hamilton um den Sieg mitfahren.

Haug: „Das würde mich außerordentlich freuen.“

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