Profifußball funktioniert auf Dauer nur mit Fans

  • Die Fußballindustrie ist wie viele andere Dinge ein Opfer der Pandemie.
  • Ohne Fans im Stadion funktioniert das Gesamtpaket Fußball einfach nicht mehr, kommentiert Sebastian Harfst.
  • Die Stadiontore müssen wieder geöffnet werden.
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Wir haben uns daran gewöhnen müssen: Die finalen Spieltage der Fußball-Bundesliga wurden in leeren Stadien ausgetragen. Auf internationaler Ebene, wie beim Last-Minute-Unentschieden zwischen Deutschland und Spanien in der Nations League, herrscht ebenfalls gähnende Leere. Auch der FC Bayern bejubelte seine grandiose Triplesaison ohne Zuschauer. Der sonst so perfekt inszenierte Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans inklusive feierlicher Präsentation der erkämpften Trophäen auf dem Münchner Rathausbalkon fiel gleich komplett aus.

Die Symbiose von Fans und Profis – ein Opfer der globalen Pandemie.

Dabei wird Fußball doch für die Zuschauer gespielt. Bei aller Abgehobenheit der Branche wissen das auch die Superstars. Sie sind die Künstler, sorgen für das Programm. Die Fans bezahlen im Gegenzug gern viel Geld für Spektakel, Ablenkung, Spannung, das Trikot der Lieblingsmannschaft, das Gesamterlebnis. Und auch wenn sich das Spiel als solches ohne Fans in den Stadien nicht großartig verändert hat, wird bei den Fernsehsendern mittelfristig das Interesse schwinden. Fußball funktioniert auch im TV nur als Paket – und zu diesem gehören nun mal die Zuschauer. Künstlich fürs Wohnzimmer eingespielte Stadionatmosphäre kann nicht kaschieren, dass etwas Grundlegendes fehlt.

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Die Forderung nach einer Rückkehr der Fans in die Stadien unter Einhaltung der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ist also berechtigt. Es ist schließlich absurd, dass einerseits in Konzerthallen und Opernhäusern wieder vor teilweise besetzten Rängen gespielt werden darf und andererseits Fußball im Freiluftbetrieb gänzlich ohne menschliche Atmosphäre bleiben soll.

Fußball als Vorreiter für den Zuschauersport

Von null auf hundert geht das freilich nicht. Bis Massen dicht gedrängt ihre Mannschaft unterstützen können, wird es noch lange dauern. Gegen ein von Experten abgesegnetes Konzept zur schrittweisen Rückkehr der Fans ist dagegen nichts einzuwenden. Entgegen vieler Befürchtungen ist es in Deutschland zuletzt nicht zu unkontrollierten Spontanfeiern gekommen, den so oft verfemten Fußballfans ist also Vernunft zuzutrauen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat überdies bei der Fortsetzung der vergangenen Saison unter großem wirtschaftlichen Druck bewiesen, dass sie flexibel und effektiv auf Herausforderungen reagieren kann. Damit setzte am Ende der deutsche Fußball den Ton für den Umgang mit dem Zuschauersport während der Pandemie in der Welt.

Nicht weniger ist jetzt gefordert. Es wäre ein über die Branche hinausgehendes Zeichen, wenn die Klubs der 1. und der 2. Bundesliga ein mit der Politik abgestimmtes Konzept vorlegen, einhalten und somit regionale, dem Föderalismus geschuldete Alleingänge vermeiden könnten. Andere weitaus ärger betroffene – weil weitaus mehr von Kartenverkäufen abhängige – Sportarten könnten von den gewonnenen Erkenntnissen am Ende sogar mitprofitieren.

“Staat, Sex, Amen”
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