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Seiko Hashimoto: Das gute, ernste Gesicht der Spiele

  • Die Spiele von Tokio könnten als die unbeliebtesten aller Zeiten in die Geschichte eingehen.
  • Gut, dass immerhin die Organsiationschefin eine gute Figur abgibt.
  • Seiko Hashimoto im Porträt.
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Japans Olympiachefin hatte mal wieder diese versteinerte Miene. „Es ist ans Licht gekommen, dass er bei einem früheren Auftritt Witze über ein tragisches Ereignis gemacht hat“, sagte sie. Er, das war kein Geringerer als der im Gastgeberland berühmte Komiker Kentaro Kobayashi, der im Rahmen der Spiele von Tokio die künstlerische Planung der Eröffnungs- und Abschlussfeier verantwortet hatte.

Doch als ein Video aufgetaucht war, in dem Kobayashi den Holocaust zu veralbern schien, zog seine Vorgesetzte einen Schlussstrich. „Das Organisationskomitee hat entschieden, Herrn Kobayashi von seinen Aufgaben zu entbinden.“

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Dabei ist „Organisationskomitee“ hier wohl ein Synonym für Seiko Hashimoto selbst, jene stets ernst auftretende Frau, die am Donnerstag ihr Statement verlas. Einmal mehr musste die 56‑Jährige eine Kontroverse beenden. Und wieder tat sie dies auf eine Weise, die beim Tokioter Organisationskomitee bis zu ihrer Ankunft nicht üblich gewesen war: Zügig rollen Köpfe. Einige Tage zuvor hatte der Komponist Keigo Oyamada, dessen Musik bei den Zeremonien gespielt werden sollte, seinen Hut nehmen müssen.

Über ihn war herausgekommen, dass er früher Kinder mit Behinderungen gemobbt hatte. Schon im März war auch Hiroshi Sasaki, der ebenfalls die Eröffnungs- und Abschlussfeiern geplant hatte, gegangen worden, nachdem er mit sexistischen Sprüchen aufgefallen war.

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Der Job von Seiko Hashimoto, die sich schon diverser Personen entledigt hat, ist kein leichter. Denn auch ohne das umstrittene Festhalten an den Olympiaplänen inmitten der Pandemie wären die Tokioter Spiele reich an Aufregern und Skandalen – und dies schon lange.

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Insgesamt jedoch galt Hashimoto als die von allen möglichen Optionen passendste Wahl. Einerseits war sie ab 2019 als Olympiaministerin ein Mitglied der japanischen Regierung gewesen, ist also politisch gut vernetzt. Insbesondere hatte sie die komplizierten Geschehnisse um diese Spiele mit all ihren Aufregern schon länger aus der Nähe begleitet.

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Andererseits hat Hashimoto eine sportliche Vita, wie sie nur wenige Menschen vorlegen können. In den zwölf Jahren von 1984 bis 1996 nahm die Frau aus dem nördlichen Hokkaido an sieben Olympischen Spielen teil. Im Wintersport trat sie als Eisschnellläuferin auf, im Sommersport als Bahnradfahrerin. 1992 in Albertville holte sie auf dem Eis Bronze. In Japan wird heute gern erzählt, dass dies ohnehin so kommen musste.

Die wenige Tage vor den Olympischen Spielen von Tokio 1964 geborene Seiko hatte ihr Vater nach „seika“ benannt, dem japanischen Wort für die olympische Flamme. Und offensichtlich kam Seiko Hashimoto der großen Aufgabe, die in diesem Namen steckte, dann nach.

In gewisser Weise sieht es auch in ihrem jetzigen Job so aus. Kritiker hatten sich von Hashimoto erhofft, dass sie angesichts der Pandemie auf die Absage der Spiele dringt. Allerdings waren solche Erwartungen naiv, da Hashimoto selbst aus der Olympiaszene kommt und den dazugehörigen Institutionen nahesteht. Auch deshalb ist sie auf diesen Posten gekommen. Sie galt als ungefährlich für die Pläne, Olympia vor dem Ausfall zu retten. Zudem hat Hashimoto einen Führungsstil eingeführt, der der japanischen Gesellschaft signalisiert: Trotz aller Kontroversen hält man sich hier wieder an Benimmregeln und Ideale des Sports wie Respekt und Fairness.

Nun, wo die wohl unbeliebtesten Olympischen Spiele der Geschichte begonnen haben, gibt Seiko Hashimoto die bestmögliche Figur als Vorsitzende dieser Veranstaltung ab.

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