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Jürgen Klinsmann über Joachim Löw: „Er hat die Nationalelf geprägt“

  • Gemeinsam führten sie die deutsche Nationalelf 2006 in ihr Sommermärchen.
  • Auch heute stehen Jürgen Klinsmann und Joachim Löw noch immer in engem Kontakt.
  • Im Gespräch mit dem RND spricht Klinsmann über das, was von der Ära Löw bleiben wird – und was er über das EM-Aus der deutschen Elf denkt.
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Hannover. Joachim Löw übernahm nach der Heim-WM 2006 das Amt von Bundestrainer von Jürgen Klinsmann, an dessen Seite er zuvor Co-Trainer war. Die beiden pflegen auch heute noch einen intensiven Austausch, sind oft in Kontakt. Klinsmann arbeitete zuletzt als Trainer für Hertha BSC in der Bundesliga, ging nach seinem schnellen Aus bei dem Hauptstadtklub im Februar 2020 zurück in die USA, wo er von 2011 bis 2016 über fünf Jahre verantwortlich für die Nationalmannschaft war.

Zuletzt war er als Coach von Premier-League-Klub Tottenham Hotspur im Gespräch. Bei den Londonern hatte der Weltmeister von 1990 als Profi eine erfolgreiche Zeit, ist dort noch extrem beliebt. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Klinsmann über das Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft, die Löw-Ära sowie die Zukunft des DFB-Teams.

Herr Klinsmann, ist die deutsche Nationalmannschaft zu Recht im EM-Achtelfinale gegen England ausgeschieden?

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Zu Recht oder nicht zu Recht – das sind schwierige Begriffe für mich. Wir hatten drei große Chancen durch Timo Werner, Kai Havertz und Thomas Müller und ich bin mir sicher, dass in diesen Phasen ein deutsches Tor dem Spiel einen ganz anderen Verlauf gegeben hätte. So aber bleibt ein 2:0 für das englische Team, gegen das momentan schwer zu spielen ist.

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Qualitativ zählte man vorher noch immer zu den Titelkandidaten, woran hat das recht frühe Aus dann aus ihrer Sicht gelegen?

Das liegt derzeit alles nahe beisammen. Deutschland hätte gegen England auch gewinnen können – aber eben auch schon gegen Ungarn verlieren. Auch Frankreich ist ein gutes Beispiel, wie ein Turnier heutzutage verlaufen kann. Ich glaube nicht, dass es den einen einzigen Grund für das Ausscheiden gibt und ich bin auch kein Oberlehrer. Aber es ist schon klar, dass die Mannschaft unter ihren Möglichkeiten blieb.

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Es gab große Diskussionen um die Entscheidungen von Joachim Löw, wie zum Beispiel um die Taktik oder um die Aufstellung. Hat er Ihrer Ansicht nach auch Fehler gemacht – und wenn ja, welche?

Der Trainer ist am nächsten dran und hat seine Ideen. Es liegt mir völlig fern, die Arbeit eines Trainers auf Fehler zu durchleuchten. Jogi Löw hatte seine Ideen, die auf Trainings- und sonstigen Eindrücken basierten – und er war sicher davon überzeugt, dass wir mit diesen Ideen gewinnen. Wenn man Turniere im Nachhinein analysiert, wird man immer Positives und Negatives gegenüberstellen. Und wenn man früh ausscheidet, sucht man natürlich nach Gründen.

Deutschland hätte gegen England auch gewinnen können – aber auch gegen Ungarn verlieren.

Jürgen Klinsmann, ehemaliger Bundestrainer

Wie bewerten Sie seine 15 Jahre als Bundestrainer insgesamt – was bleibt von Löw hängen?

Richtig viel Positives. Er hat die Nationalmannschaft geprägt, das deutsche Team hat durch sein tadelloses Auftreten und auch durch sein Spiel jahrelang für ein hervorragendes Ansehen gesorgt in der Welt. Die Nationalmannschaft hat bei den Weltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien mit ihrem Spiel begeistert. Ich bin mir sicher, dass dies hängen bleibt – auch wenn es momentan viel öffentliche Kritik gibt.

Was wünschen Sie Joachim Löw als Freund ganz persönlich für seine Zukunft?

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Ganz einfach: Eine gute Zeit. In der er mal komplett abschalten kann, neue Dinge erleben, ohne das nächste Länderspiel im Hinterkopf zu haben.

Warum glauben Sie an eine Besserung unter Hansi Flick?

Warum nicht? Er wird neue Erfahrungen einbringen, neue Impulse. Für den deutschen Fußball ist ein solcher Wechsel natürlich auch eine Chance zur Neufindung.

Kann die Mannschaft 2022 oder 2024 wieder um einen großen Titel mitspielen oder muss Deutschland seine hohen Ansprüche erst mal zurückfahren?

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Natürlich muss es immer das Ziel sein, um den Titel mitzuspielen. Diese Turniere sind auch immer Momentaufnahmen, die in vier Wochen wahrscheinlich ganz anders ausgehen würden. Deshalb glaube ich nach wie vor fest an den deutschen Fußball und sein Potenzial.

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