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Hansi Hinterseer über Kitzbühel: „Muss die Sauferei sein?“

  • Kitzbühel und die weltbekannte Streif sind für Hansi Hinterseer ein Heimspiel.
  • Der Moderator und Musiker war früher selbst Skifahrer, holte einst den Slalomsieg.
  • Im Interview spricht er darüber, warum ihn die Entwicklung im Skisport bedenklich stimmt. Und was das Event mit Kitzbühel macht.
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Kaum jemand anderes kennt Kitzbühel in Kombination mit dem Hahnenkammrennen so gut wie Hansi Hinterseer. Früher war der heutige Moderator und Volksmusiker selbst Skifahrer, gewann in Kitzbühel 1974 den Slalom. Seit seinem vierten Lebensjahr hat er nur drei Rennen verpasst. Aufgewachsen ist er direkt an der Streif auf der Seidlalm, hat „alle Stars hier gesehen, die Siege, die Stürze“, wie er sagt. Im Interview erklärt er den Mythos Kitzbühel und sagt, warum für ihn der Fokus auf dem Sport liegt.

Herr Hinterseer, können Sie uns den Mythos Kitzbühel erklären?

Hier ist der Skitourismus entstanden, weil ein „wahnsinniger“ Norweger mit zwei Holzbrettern das Kitzsteinerhorn hochgegangen und dann damit ins Tal gefahren ist. Visionäre haben dann irgendwann gesagt, sie könnten an unserem zweiten Hausberg, dem Hahnenkamm, ein Skirennen machen. Dieses Rennen ist ein Klassiker, hier ist etwas los. Die letzten 30 Sekunden sieht man vom Ziel, die Fahrer rasen quasi ins Dorf herein. Das Skirennen ist jedes Jahr interessanter geworden, es ist irrsinnig schwierig und jeder möchte hier einmal fahren und vor allem gewinnen. Der Skiweltcup, wie wir ihn heute kennen, wurde auf der Seidlalm entworfen. Zudem liegt Kitzbühel friedlich in der Bergwelt, wo man nicht von den Bergen erschlagen wird. Kitzbühel ist kein Tal wie es in Tirol üblich ist. Wir sind hier sehr bevorteilt, weil alles sehr weit ist, wir viel Sonne abbekommen. Zudem sind München, Innsbruck, Salzburg nicht weit weg. Früher ist niemand auf die Malediven gefahren, damals hat man den Winter ganz anders genossen. Das in der Kombination hat den Mythos Kitzbühel geschaffen.

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Kritiker sagen, die Streif in Kitzbühel will das spektakulärste Rennen sein und wird dadurch gefährlich. Stimmen Sie da zu?

Es ist immer schon gefährlich gewesen, der Berg war immer schon so, wie er jetzt ist. Ein Skirennen kann auch nie für alle gleich gemacht werden, dafür ist es eine Natursportart. Früher sind die Leute mit besseren Bergschuhen hier heruntergeschossen. Die Streif will jeder einmal gewinnen. Es muss immer schneller und besser werden, auch die Technik hat sich weiterentwickelt. Aber der Mensch ist immer derselbe. Du kannst viel an Nuancen arbeiten. Aber du brauchst den Menschen, der auf den Ski draufsteht und hier herunterkommt. Es gibt immer mehr Verletzte, weil das Material zu giftig ist. Die Entwicklung macht mich nachdenklich.

Kitzbühel bedeutet auch Event. Der Prominentenauflauf ist enorm, viel wird über die Partys am Rande des Rennens gesprochen.

Das ist die andere Seite der Medaille: Muss die Sauferei sein? Das ist der Nachteil von Großveranstaltungen. Jeder will hier eine Megaparty machen – viele übertreiben dann und vergessen, dass es hier ein Skirennen gibt. Die Stars sind die Athleten, die sich hier herunterstürzen. Wenn die 60 Jungs nicht wären, gäbe es keine Partys. Wir dürfen den Respekt vor dem Sport nicht verlieren. Der Sport ist unglaublich! Ich war zum Beispiel noch nie auf der berühmten Weißwurstparty. Diese Einladung hab ich noch nie wahrgenommen. In der Rennwoche fiebere ich mit den Athleten und bin schon in der Früh an der Piste.

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Hat der Skisport noch eine Zukunft?

Skifahren wird auch in der Zukunft betrieben. Skifahren ist eine der letzten Freiheiten, die wir noch haben. Mit zwei normalen Brettern kann man auf die Berge rauf und die Natur beim Sporteln erleben. 58 Euro für den Skipass ist für viele Menschen eine Menge Geld. Aber wenn ich mit meiner Frau nach St. Tropez in den Urlaub fahre, zahlt man für zwei Liegen und einen Sonnenschirm 80 Euro. Beim Skifahren bekomme ich an einem Tag viel mehr geboten. Die Wertschätzung verschiebt sich, geht häufig verloren, das ist nicht allen bewusst. Es muss viel gearbeitet werden, dass die Skigebiete diesen Standard bieten.

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Verraten Sie uns doch bitte ein paar Anekdoten über das Hahnenkammrennen.

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Die Jungs, die zum ersten Mal an der Streif sind, gucken sich an der Mausefalle an, wie die Erfahrenen dort herunterspringen. Der Sprung geht 60, 70 Meter. Dann kommen sie mit bleichem Gesicht zurück zum Starthäusl. Als der zweifache Kitzbühel-Sieger Stefan Eberharter das erste Mal am Start stand, hatte er die Nummer 76 und ein Chilene stand vor ihm am Start, hat seine Ski wieder zusammengepackt und ist gegangen.

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