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Jan Nepomnjaschtschi: der russische Thronerbe des Schachsports

  • Er ist der Angstgegner des besten Schachspielers der Welt.
  • Jan Nepomnjaschtschi sägt am Thron des Norwegers Magnus Carlsen.
  • Warum? Der Russe verfügt über einige psychologische Vorteile.
Stefan Liebig
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Jan Nepomnjaschtschi hat einen langen und anstrengenden Weg hinter sich: Um im Dubaier Finale der Schachweltmeisterschaft gegen den Titelverteidiger Magnus Carlsen antreten zu dürfen, musste sich der Herausforderer über einige Qualifikationsturniere und das Kandidatenfinalturnier qualifizieren. Letzteres startete zu Beginn der Pandemie, wurde coronabedingt abgebrochen und erst ein Jahr und zwei Wochen später, am 19. April dieses Jahres, fortgesetzt – ein absolutes Novum in der langen Schachgeschichte.

Nepomnjaschtschi setzte sich beim Finalturnier gegen sieben Weltklassespieler durch. Damit hat sich der im russischen Brjansk geborene Fünfte der aktuellen Weltrangliste erstmals für einen WM-Finalkampf qualifiziert. Viele Experten trauen dem 31-jährigen Außenseiter aufgrund seiner druckvollen und sehr schnellen Spielweise aber durchaus zu, den Weltmeister vor ernsthafte Probleme stellen zu können.

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Die Stärke von Schachspielern wird per ELO-Zahl gemessen, sie ist abhängig von erzielten Punkten und den Zahlen der Gegner. Nepomnjaschtschis Zahl liegt aktuell bei 2782 und damit nur zehn Punkte entfernt von seinem im Mai dieses Jahres erreichten persönlichen Rekord. ELO-Weltrekordhalter Carlsen hat aktuell stolze 73 ELO-Punkte mehr und liegt seit Jahren zumeist deutlich vor seiner Konkurrenz. Doch frühere WM-Matches zeigten, wie knapp es bei solchen nervenaufreibenden Zweikämpfen trotz der statistischen Unterschiede zugehen kann.

Die psychologischen Vorteile von Nepomnjaschtschi

Nepomnjaschtschi verfügt tatsächlich über einige psychologische Vorteile: Zwar liegen die von ihm gewonnenen U12-Welt- und Europameisterschaften inzwischen 19 Jahre zurück – dennoch gewann er sie vor Carlsen. Und auch danach verfügt der Russe über eine der besten Punktausbeuten aller Weltklassespieler im direkten Duell mit dem amtierenden Weltmeister. Zudem kennt der Herausforderer, der mit 17 Jahren Großmeister wurde, den Spielstil des Norwegers extrem gut. Denn er gehörte zum Sekundanten- also Beraterteam Carlsens bei dessen WM-Titeleroberung gegen den Inder Viswanathan Anand im Jahr 2013.

Wir sind keine engen Freunde. Aber wir mögen und respektieren uns.

Jan Nepomnjaschtschi, über Magnus Carlsen
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Spannend ist auch, dass die beiden weit entfernt sind von den gegenseitigen Anfeindungen früherer Schachtitelkämpfe. 1972 elektrisierte der „Kampf der Systeme“ zwischen dem Sowjetrussen Boris Spasski und dem US-Amerikaner Robert James „Bobby“ Fischer nicht nur die Schachszene, sondern die gesamte Welt. Fischer gewann, „schenkte“ seinen Titel kampflos an Anatoli Karpow und verschwand nahezu spurlos. Karpow lieferte sich nach einem nicht ganz so brisanten WM-Sieg gegen Viktor Kortschnoi über viele Jahre mehrere lange Kämpfe gegen den jungen, wilden Garri Kasparow. Auch hier spielte (Sport-)Politik eine wesentliche Rolle. Es war ein Kampf des Sowjetsportsystems mit Karpow gegen den aufstrebenden und für demokratischere Strukturen eintretenden Kasparow.

Persönliche Feindschaften waren dabei immer inklusive. Davon kann heute keine Rede sein: Vor etwa zehn Jahren waren die beiden jetzigen Gegner sogar Trainingspartner. „Wir sind keine engen Freunde. Aber wir mögen und respektieren uns“, sagte Jan Nepomnjaschtschi in einem Interview mit der Schachplattform chess.com – sogar ein Video mit einem Lachanfall der beiden während einer Turnierpartie ist dort ebenso zu sehen, wie eines, bei dem beide in einem Team Kicker spielen.

Es darf also mit Spannung erwartet werden, wie sich der Herausforderer bei seinem ersten WM-Finalmatch aus der Affäre zieht. Da er nach einigen Jahren Stagnation auf hohem Level in jüngster Vergangenheit aber noch mal einen deutlichen Sprung nach vorne machte und über sehr viel Insiderwissen über Carlsens Spielweise verfügt, erwarten viele Experten einen extrem spannenden Kampf.

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