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Fans, Amateure, Nationalmannschaft - so steht es um den Fußball während Corona

  • Auch der Fußball wurde von den Corona-Krise stark getroffen.
  • Vom kleinen Amateurklub bis zum millionenschweren Profiverein – plötzlich ging gar nichts mehr.
  • Und immer öfter stellt sich die Frage nach der Zukunft. Wie steht es um den Fußball aktuell? Und wie kann es weitergehen?
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Plötzlich war alles anders. Die Ligen rund um den Globus standen still. An Fußball konnte und wollte niemand mehr so recht denken. Die Corona-Krise, das lässt sich heute schon sagen, hat auch den Lieblingssport der Deutschen nachhaltig verändert. Wie nachhaltig, das muss sich erst noch zeigen.

Ein halbes Jahr nach dem Ausbruch des Virus blicken wir auf den aktuellen Stand bei der Nationalmannschaft, den europäischen Ligen generell (aber auch den Topligen im Speziellen), den Stand in Sachen Europapokal, Amateurfußball und natürlich, was die Fans angeht.

Nationalmannschaft:

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Die erste Europameisterschaft in zwölf Ländern sollte eigentlich vom 12. Juni bis 12. Juli 2020 stattfinden, wurde aufgrund der Corona-Pandemie aber um ein Jahr verschoben und geht nun vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 über die Bühne.

Das Halbfinale und Finale werden im Londoner Wembley-Stadion ausgetragen, in Deutschland finden die drei Gruppenspiele des DFB-Teams (gegen Frankreich, Portugal und einen nicht feststehenden Gegner) sowie ein Viertelfinale in der Münchner Allianz Arena statt. Die anderen Austragungsorte sind Baku, Rom, Glasgow, St. Petersburg, Kopenhagen, Dublin, Bilbao, Amsterdam, Bukarest und Budapest.

Bislang ist die Austragung der nächsten Weltmeisterschaft 2022 noch nicht infrage gestellt worden. Dabei spielt es der Fifa in die Karten, dass diese erstmals im Winter, nämlich vom 21. November bis 18. Dezember, in Katar stattfinden soll – und der ohnehin vollgepackte Rahmenterminkalender nach der Corona-Pause dadurch nicht weiter durcheinandergerät.

Europäische Ligen:

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Als einzige der europäischen Topligen brach die französische Ligue 1 ihren Wettbewerb aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig ab und erklärte Anfang März Tabellenführer und Titelverteidiger Paris St. Germain (mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel) vorzeitig zum Meister.

Auch in England gelang einem deutschen Übungsleiter dieses Kunststück: Jürgen Klopp feierte mit seinem FC Liverpool nach dem Champions-League-Sieg die erste Meisterschaft seit 30 Jahren. Die Premier League hatte das deutsche Hygienekonzept als Vorbild genommen und den Spielbetrieb ebenfalls ohne größere Vorfälle vorzeitig zu Ende gebracht.

In Spanien und Italien läuft die nationale Meisterschaft noch. In der Primera Division kämpfen mal wieder Real Madrid (mit Toni Kroos) und der FC Barcelona (mit Marc-André ter Stegen) um den Titel, Real hat vier Spieltage vor Schluss vier Punkte Vorsprung. In der Serie A liegt Abo-Meister Juventus Turin mit Sami Khedira sieben Spieltage vor dem Ende sieben Zähler vor Lazio Rom.

Europapokal:

Erstmals nach acht Jahren wird wieder ein Europapokal-Endspiel auf deutschem Boden ausgetragen. Das Finale der Europa League wird am 21. August in Köln stattfinden. Der Wettbewerb geht am 5./6. August mit den ausstehenden Achtelfinalrückspielen weiter, bei dem auch drei deutsche Klubs um den Einzug in die Finalrunde der letzten Acht kämpfen, die ab 10. August in Nordrhein-Westfalen (weitere Spielorte: Duisburg, Düsseldorf und Gelsenkirchen) beginnt: Der VfL Wolfsburg verlor sein Hinspiel gegen Donezk 1:2, Eintracht Frankfurt unterlag dem FC Basel mit 0:3 und Bayer 04 Leverkusen siegte 3:1 bei den Glasgow Rangers.

In der Champions League hat sich mit RB Leipzig bereits ein deutscher Vertreter für das Finalturnier (12.-23. August) in Lissabon qualifiziert, der FC Bayern München steht nach dem 3:0-Auswärtssieg mit einem Bein im Viertelfinale. Das Rückspiel findet am 7. oder 8. August in München statt. Beide Wettbewerbe werden heute ausgelost.

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Europas Topligen:

Als erste aller europäischen Topligen startete die Bundesliga nach sechswöchiger Corona-Pause wieder – und beendete die Saison mit dem achten Titelgewinn des FC Bayern München in Folge, der sich am vergangenen Wochenende auch noch den DFB-Pokal sicherte. Der SC Paderborn und Fortuna Düsseldorf stiegen in die 2. Liga ab, Arminia Bielefeld und der VfB Stuttgart auf.

Alle Partien fanden als Geisterspiele – also ohne Zuschauer – statt. Zur neuen Saison, die am 11. oder 18. September startet, sollen zumindest teilweise wieder Fans zugelassen werden. In Sachsen gab die Regierung bereits grünes Licht – so könnte RB Leipzig dann 50 Prozent der Stadionkapazität zulassen (etwa 20.000 Zuschauer). Es soll personalisierte Tickets mit Namen und Handynummern geben, die unter den Dauerkartenbesitzern verlost werden. Jeder Besucher soll einen festen Sitzplatz haben, daneben je ein Platz rechts und links frei bleiben. Bei Familienmitgliedern oder Personen aus einem Hausstand ist kein Sicherheitsabstand nötig. Gästefans sind nicht erlaubt, für alle Fans gilt die Maskenpflicht.

Die Amateure:

Der Amateurfußball in Deutschland steckt in einer tiefen Krise: sinkende Besucherzahlen, marode Sportanlagen, steigende Kosten, zu wenige Ehrenamtliche. Und jetzt auch noch Corona: Fast eine halbe Saison fiel aus, Einnahmen aus Ticketverkauf und Gastronomie fehlen, Sponsoren kürzen ihre Budgets.

Dazu kommt die Unsicherheit. Der Spielbetrieb unterhalb der nationalen Ligen wird von den vier Regional- und 21 Landesverbänden des DFB verantwortet. Die entscheiden autonom – und haben einen Flickenteppich an unterschiedlichen Lösungen geschaffen. Thüringen will die laufende Saison im Herbst fortsetzen, Bayern im Frühjahr. Die anderen Verbände brachen ihre Spielzeit ab, regelten die Aufstiegsfrage aber unterschiedlich. In Bayern und Thüringen gibt es Petitionen gegen die Fortsetzung. Im Saarland läuft ein Schiedsverfahren, weil sich ein Verein um den Aufstieg gebracht sieht. Die Folge: Alles in der Schwebe. Diverse Klubs steigen nun freiwillig ab oder verzichten auf einen Aufstieg, weil das Risiko zu groß ist.

Ex-HSV-Torwart Richard Golz, heute Sportchef bei einem Regionalligisten, glaubt, dass sich viele Fans nach der Corona-Pause stärker dem Amateurfußball zuwenden, weil der “Profifußball zuletzt eine Nummer zu überdreht war”. Bis dahin geht es für viele Vereine aber ums Überleben.

Die Fans:

Von sich selbst hätte Sig Zelt niemals gedacht, dass er sich am Wochenende vor dem Fernseher wiederfindet. Normalerweise geht er ins Stadion, mindestens 20-mal pro Saison, und zu jedem Heimspiel von Union Berlin, deren aktiver Fanszene er auch angehört. Geisterspiele? Nein, danke. Aber dann interessiere einen der eigene Klub eben doch; selbst diejenigen, die feststellten, dass es noch andere schöne Dinge im Leben gibt.

Corona bringe die Fans nicht vom Fußball ab, glaubt Zelt. Sehr wohl aber sieht der Sprecher des Bündnisses ProFans andere Gründe für eine abnehmende Attraktivität: “Das wirtschaftliche hat das sportliche Wetteifern ersetzt”, sagt er, “und das gehört beendet.” Schon bald drohe die “Blase Fußball” zu platzen – das ungebrochene Faninteresse damit abzunehmen. Auch die Wertschätzung der Klubs könnte höher sein. “Eitel Sonnenschein ist nicht mehr”, sagt Zelt, der eine Abkehr selbst mehrfach erwog. Viele andere hätten dem Fußball längst entsagt – weil er “nicht mehr das ist, wofür sie einst ihr Herzblut geben wollten”.

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