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Warum Großeltern immer öfter mit in den Familienurlaub fahren

  • Nach Monaten mit Corona-Beschränkungen, Homeschooling und geschlossenen Kitas sehnen sich viele Familien nach Urlaub.
  • Neben Eltern und Kindern reisen immer häufiger auch die Großeltern mit.
  • Im Interview erklärt Familienexpertin Nora Imlau, was hinter dem Trend steckt, und gibt Tipps, wie der Mehrgenerationenurlaub gelingt.
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Monatelang haben Familien aufeinander gehockt – und doch sehnen sich viele danach, einander im Urlaub noch einmal ganz anders näher zu kommen, weiß Nora Imlau. Im neuen Podcast „Mit Kind und Koffer“ vom Ferienhausvermittler Fewo-Direkt spricht die Fachautorin für Familienthemen und vierfache Mutter über das Reisen mit Kindern.

Warum im Jahr 2021 oft auch noch die Großeltern in den Familienurlaub mitkommen sollen und wie Kinder und Erwachsene dabei nicht die Krise kriegen, verrät Nora Imlau im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Nora Imlau ist seit 2007 Fachautorin für Familienthemen. © Quelle: Nora Imlau
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Frau Imlau, in Ihrem neuen Podcast dreht sich alles um den Urlaub mit der Familie. Aber wäre nach Monaten mit Corona-Beschränkungen, Homeschooling, geschlossenen Kitas ein Urlaub von der Familie nicht besser?

So lange auf engem Raum zusammen zu hocken, weckt bei einigen sicher die Sehnsucht, Zeit für sich selbst zu haben. Doch viele Familien haben vor allem darunter gelitten, dass sie zwar viel Zeit miteinander, aber eben nicht füreinander hatten. Die Eltern waren ja nicht den ganzen Tag zu Hause und haben mit den Kindern gespielt. Sie haben versucht zu arbeiten, das Homeschooling zu überwachen, das Kita-Kind in Schach zu halten. Eben einfach zu funktionieren, ohne sich aufeinander konzentrieren zu können. Deshalb sehnen sich gerade viele Familien nach mehr Raum – und träumen von Urlaub am Meer oder in den Bergen, wo sie sich mit ihren Kindern aktiv beschäftigen können.

Wie schaffen Familien es, den Stress der vergangenen Monate nicht mit in den Urlaub zu nehmen?

Indem sie bewusst den Alltagsballast abschütteln. Rituale können dabei helfen: Zum Beispiel sagt beim gemeinsamen Abendessen vor dem Urlaub noch einmal jedes Familienmitglied, was es glücklich macht oder auf welches Thema es im Urlaub nicht angesprochen werden möchte. Dann bleiben Fragen wie „Wie willst du eigentlich nach Monaten ohne Präsenzunterricht noch den Anschluss in Französisch kriegen?“ auch wirklich zu Hause – genauso wie Hefte und anderer Schulkram. Gerade für Kinder ist dies eins der wichtigsten Elemente von Urlaub: zu erleben, dass ihre Eltern den Alltagsstress loslassen können und eine Aufmerksamkeit entwickeln für sie, ihre Ideen und ihre Themen, die sonst vielleicht fehlt. Ein Ortswechsel hilft dabei. Auch für die Erwachsenen ist es wichtig, dass sie sich nach dem letzten Arbeitstag nicht direkt ins Auto schmeißen, sondern ausgeruht starten.

Haben Sie Tipps, damit die Anreise um Auto stressfrei abläuft?

Mit kleinen Kindern bietet es sich an, nachts oder mittags Land zu gewinnen, während sie schlafen. Damit sich Geschwister unterwegs nicht kloppen, kann es helfen, Sitzplätze zu tauschen. Also: Ein Kind sitzt vorne, dafür geht ein Elternteil auf die Rückbank. Auch die typischen Reisespiele helfen gegen Langeweile. Außerdem finde ich, bei langen Fahrten dürfen Kinder sich auch mit dem Tablet oder Handy beschäftigen. Alles, was ihnen hilft, unterwegs entspannt zu bleiben, ist gut. Denn so lange festgeschnallt zu sein, fühlt sich für Kinder unnatürlich an und strengt sie an.

Übrigens muss man gar nicht so weit fahren – für Kinder ist das Reiseziel meist zweitrangig. Sie wollen im Urlaub Natur und Abenteuer, gemeinsame Erlebnisse wie Fahrradtouren, Schwimmen, Klettern, Wandern, Im-Wald-Herumräubern. Deswegen reicht es auch, wenn die Ferienunterkunft nicht direkt am Strand liegt, sondern eine Dreiviertelstunde entfernt und damit günstiger ist. Familienurlaub muss nicht viel kosten, um für Kinder wertvoll zu sein.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an einen Familienurlaub?

Ich war im Grundschulalter. Meine Familie hatte ein großes Ferienhaus in Schweden gemietet. Meine Eltern, mein Bruder und ich waren die erste Woche allein dort und haben schon mal die Gegend erkundet, bevor meine Großeltern nachgekommen sind. Wir konnten ihnen deshalb alles zeigen, was wir vorher ausgekundschaftet hatten: den Wald zum Beispiel, oder wo es Blaubeeren gab. Ich fand diesen Vorsprung super cool und habe mich groß und kompetent gefühlt.

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Urlaub mit den Großeltern scheint auch aktuell ein Trend zu sein …

Absolut! Schon nach dem ersten Lockdown hat eine Umfrage von Fewo-Direkt ergeben, dass das Bedürfnis nach Großfamilienurlaub gestiegen ist, und auch Ferienhäuser mit mehr als vier Schlafzimmern waren total begehrt. 32 Prozent der Reisenden haben angegeben, sie wünschen sich, mit ihrer Familie gemeinsame Erlebnisse zu haben, die sie wieder zusammenschweißen – gerade wenn sie sich auch länger nicht gesehen haben. Was ich auch spannend fand: 40 Prozent haben gesagt, sie haben sich noch nie so viele Sorgen gemacht um ihre Verwandten, gerade die älteren. Ich will gar keinen Sozialkitsch darüberlegen, aber: Die Corona-Krise hat vielen bewusst gemacht, wie wichtig ihnen die Großeltern sind und dass Familie nicht selbstverständlich ist. Dazu zähle ich übrigens auch enge Freunde, die Wahlverwandtschaft eben.

Nach so langer Zeit allein spüren viele eine starke Sehnsucht nach Gemeinschaft. Und das schlägt sich dann auch in den Reiseplanungen nieder. Viele der Großeltern sind jetzt schon geimpft – das bedeutet, es wird sicherer, gemeinsam Zeit zu verbringen. Gerade sie können den Familienurlaub sehr bereichern, weil sie andere Hobbys und Interesse haben und andere Impulse einbringen. Und vielleicht versprechen sich so manche Eltern durch einen Urlaub mit den Großeltern auch etwas Erholung für sich, die sie länger nicht hatten. Indem sie zum Beispiel einfach mal ausschlafen, während Oma und Opa das Frühstück zubereiten. Oder die Großeltern hüten abends ein und die Eltern haben Zeit zu zweit.

Welche Herausforderungen birgt der Mehrgenerationenurlaub?

Oft ist ein Problem, dass es sehr viele unausgesprochene Erwartungen gibt. Eltern erhoffen sich etwa, dass die Großeltern die Babysitter im Urlaub sind. Großeltern wiederum erwarten vielleicht, bekocht zu werden und bei jedem Ausflug dabei zu sein. Die junge Familie möchte aber vielleicht auch mal etwas für sich unternehmen. Deshalb ist es wichtig, vor einem gemeinsamen Urlaub solche Bedürfnisse miteinander zu besprechen. Je konkreter, desto besser. Gerade in der Großelterngeneration war diese klare Kommunikation vielleicht nicht immer so üblich. In dem Fall müssen die Jüngeren die Initiative ergreifen. Und sie müssen sich vielleicht auch die Belastbarkeit der Großeltern bewusst machen. Denn der Alltag mit kleinen Kindern kann für sie sehr anstrengend sein. Je mehr kommuniziert wird, desto entspannter wird der Urlaub.

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