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Virologe Stürmer warnt vor Reisen in Länder, in denen es „absehbar krachen wird“

  • Virologe Martin Stürmer warnt davor, in Regionen zu reisen, die vom Coronavirus besonders betroffen sind.
  • Die Infektions­zahlen in England, Portugal und Spanien bereiten ihm Sorge – ebenso der Party­tourismus.
  • Eine Verschärfung der Einreiseregeln hält er aber trotzdem nicht für nötig.
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Viele Deutsche genießen gerade ihren Sommerurlaub im Ausland – obwohl die Infektions­zahlen an beliebten Zielen steigen. Virologe Martin Stürmer hält Reisen zwar grundsätzlich für vertretbar, allerdings nicht überall und nicht in jeder Form. „Man sollte genau hinschauen, wohin es geht. Und eben nicht unbedingt in ein Gebiet reisen, bei dem absehbar ist, dass es dort über kurz oder lang richtig krachen wird“, sagte Stürmer im Gespräch mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland.

Lieber nicht nach Portugal, England oder Spanien

Dazu zähle er unter anderem England, Portugal und spanische Regionen wie Katalonien. „Das sind schöne Urlaubs­gegenden, aber dort verbreitet sich das Virus und deshalb würde ich nicht empfehlen, dorthin zu fahren“, sagte der Facharzt für Mikrobiologie und Laborleiter am IMD-Labor für interdisziplinäre Medizin und Diagnostik in Frankfurt im Gespräch mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland.

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Im November hatte Stürmer im Interview mit dem RND noch grundsätzlich von Urlaub abgeraten und sogar ein europaweites Reiseverbot gefordert. Doch die Situation sei heute eine andere: „Im November waren wir in einer dicken, fetten Welle. Nicht nur in Deutschland, sondern überall hatten wir viele Neuinfektionen. Im Kontext von Urlaub in den Winterferien und auch noch in den Osterferien waren einfach die Zahlen deutlich höher.“ Nun bewegen sie sich in vielen Gebieten deutlich nach unten oder sind bereits weit unten. Doch das Blatt könnte sich wenden: „Es gibt – und das ist das Problem – auch schon wieder Regionen, in denen die Infektions­zahlen wieder sprunghaft angestiegen sind. Trotz entsprechender Temperaturen, trotz Sommer.“

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Sorge bereiten ihm auch die möglichen Folgen des Party­tourismus: „Jetzt im Kontext der EM sieht man, was man nicht machen sollte: Besonders das intensive Feiern vor und nach dem Spiel ist für das Virus eine hervorragende Quelle, sich zu verbreiten.“ Wer im Urlaub ähnliche Partys feiere, trage ein hohes Risiko, sich zu infizieren – egal, wohin er oder sie fahre. Es sei in der aktuellen Situation sinnvoller und besser, einen ruhigeren Urlaub zu machen, im kleineren Kreise und durchaus etwas individueller gestaltet. Bei einem Ferienhaus­urlaub mit maximal sechs Personen sei man „deutlich sicherer als beim Halligalli-Urlaub“.

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14 Tage Quarantäne „schon ziemlich hart“

Eine Verschärfung der Reiseregeln brauche es aus seiner Sicht nicht. „Wir müssen aber die Einreiseregeln konsequent umsetzen. Wer in ein Hochrisikogebiet reist, darf mit einem negativen Test nach Hause kommen, dann für fünf Tage in die Quarantäne und mit einem weiteren negativen Test die Quarantäne wieder beenden.“ Auch im Kontext von Delta sei das seiner Meinung nach adäquat. „Die 14 Tage Vollquarantäne ohne eine Möglichkeit, vorzeitig zu entkommen, fand ich persönlich auch schon ziemlich hart.“

Lockerungen hingegen müssten immer mit Augenmaß geschehen – und genau das hätten einige Länder verloren. „Großbritannien ist das Paradebeispiel: Dass dort jetzt schon über die Abschaffung der Maskenpflicht diskutiert wird, bei der hohen Inzidenz, bei den Anstiegen an Neuinfektionen, bei der rasanten Verbreitung von Delta … Da kann ich mir nur an die Stirn fassen und fragen: Was geht in den Köpfen der Politiker dort vor? Ich kann es nicht nachvollziehen und hoffe, dass viele andere Länder diesen Fehler nicht machen und an ihren Regeln länger festhalten.“

RND/gei/cs

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