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“Da ist die Hölle los”: Schon wieder Verkehrschaos an deutschen Touristenzielen

  • Schnee und Ferien führen erneut zu einem großen Andrang in Harz, Sauerland, Schwarzwald und Erzgebirge.
  • Die Folge: Verkehrschaos und Verstöße gegen Corona-Verordnungen. Die Polizei appelliert, auf Ausflüge zu verzichten.
  • Ein Ort im Hunsrück sperrt nun die Hauptzufahrt für mehrere Tage.
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Die Menschen zieht es trotz Corona-Pandemie an Ausflugsziele – und vielerorts ist der Andrang seit den Weihnachtstagen einfach zu groß. Stau, überfüllte Parkplätze und nicht eingehaltene Abstände sind die Folge.

Chaotische Szenen und lange Staus im Harz

Der Oberharz wird von Tagestouristen überrannt. Dort sei “die Hölle los”, sagte Christin Wohlgemuth, Sprecherin des Harzer Tourismusverbandes, gegenüber der “Hannoverschen Allgemeine Zeitung” (HAZ). Die Kennzeichen der Autos reichten von Berlin über Potsdam bis Bremen. Seit Tagen sind die Parkplätze ausgelastet – auch am Dienstag kam es wieder zu einem kilometerlangen Stau auf der B4 in Richtung Torfhaus.

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Es sei so voll, dass die Menschen draußen die notwendigen Abstände nicht einhalten könnten, sagte ein Sprecher der Polizei Goslar. Und weiter: “Es ist nicht verboten, in den Harz zu fahren, es gibt kein Reiseverbot – das ist die Problematik.” Bereits am Montag appellierte die Polizei: „Bitte sehen Sie von Tagesausflügen ab!”

Verstopfte Straßen vor Winterberg: Besucheransturm im Sauerland

Diese Szenen sind kein Einzelfall: Auch viele andere beliebte Ausflugsziele in Deutschland erleben einen zu großen Besucheransturm.

Aus dem Sauerland in Nordrhein-Westfalen kommen eindringliche Bitten, auf die Anreise zu verzichten: „Liebe Gäste, die Verkehrssituation spitzt sich derzeit bereits wieder extrem zu. Auch heute bleibt uns nur die Bitte an alle, die sich gerade auf den Weg machen oder schon auf dem Weg zu uns sind, von der Anreise abzusehen. Alle Parkkapazitäten sind erschöpft, die Straßen sind verstopft!”, postete die bei Skifahrern und Wanderern beliebte Gemeinde am Montagmittag auf Facebook.

Die Ski- und Rodellifte sind in Nordrhein-Westfalen wegen des Lockdowns noch bis mindestens zum 10. Januar geschlossen, und es gibt keine Einkehr- oder Aufwärmmöglichkeiten. Trotzdem war bereits über die Feiertage der Ansturm groß – und auch gegen das Rodelverbot an den Liften war nach Angaben der Gemeinde mehrfach verstoßen worden.

Erbeskopf in Rheinland-Pfalz: Zufahrt bis 3. Januar gesperrt

Auch die Polizei in Rheinland-Pfalz sprach von einem Verkehrschaos, weil so viele schneehungrige Menschen den höchsten Berg des Bundeslandes stürmen. Der Betriebsleiter der Wintersportanlage am 816 Meter hohen Erbeskopf im Hunsrück, Klaus Hepp, sagte am Montag: „Heute um 11 Uhr war der Parkplatz schon rappelvoll mit Nummernschildern nicht nur aus Trier und Wittlich, sondern auch aus Mainz, Wiesbaden und Kaiserslautern.” Auch zahlreiche Saarländer und Luxemburger seien gekommen. „Die Leute sind im Lockdown eingesperrt, die hungern nach Schnee, es ist ein Riesenandrang.”

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Die teils chaotischen Zuständen haben nun Konsequenzen: Die Hauptzufahrt zum Wintersportgebiet Erbeskopf im Hunsrück seit Dienstagmorgen gesperrt. “Man will verhindern, dass Massenverkehr dort hoch fährt”, sagte Hepp. Die Sperrung der L164 zwischen der B327 bis zur B269 jeweils von 8.30 Uhr bis 16 Uhr solle zunächst bis 3. Januar gelten – eine Verlängerung sei möglich. Polizei sei zur Überwachung vor Ort.

Eine Familie geht auf dem Erbeskopf, dem mit 816 Meter höchsten Berg in Rheinland-Pfalz, im Schnee spazieren. © Quelle: Thomas Frey/dpa

Trotz gesperrter Lifte und Restaurants stürmten Wanderer und Familien, Ski- und Schlittenfahrer vor allem seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag (Samstag) die unpräparierten Pisten am Erbeskopf. Wie in ganz alten Zeiten gebe es sogar Leute, die mit ihren Abfahrtskiern zu Fuß nach oben stapften, um dann im Tiefschnee hinunterzugleiten. Manche bauten auch Schneemänner. Die Schneefans hielten sich Hepp zufolge aber an die Corona-Regelungen zu Mindestabständen und Schutzmasken.

Verstöße gegen Corona-Verordnung im Erzgebirge

Im Erzgebirge vergnügten sich am Sonntag trotz Ausgangsbeschränkungen viele Sachsen im Schnee – die „Leipziger Volkszeitung” berichtet, dass die Polizei allein in Oberwiesenthal mehr als 100 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung aufgenommen hat. Mindestabstände wurden nicht eingehalten, auch auf den Mund-Nasen-Schutz verzichteten viele Besucher. Am Fichtelberg gab es kaum einen freien Parkplatz, obwohl die Skigebiete dort wegen des Lockdowns geschlossen sind.

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Schwarzwald: Schnee sorgt für Ausnahmezustand

Auch die Skiliftbetreiber im Schwarzwald appellieren, die Skihänge nicht anzusteuern. Dort stehen aufgrund der Corona-Pandemie die Lifte still und die Hänge sind dementsprechend auch nicht präpariert. An der Schwarzwaldhochstraße und dem Dobel mussten bereits am Wochenende teils Zufahrten gesperrt werden. Auch am Montagvormittag waren die Parkplätze laut einem Bericht des SWR erneut stark ausgelastet.

RND/gei

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