Delta-Variante breitet sich aus: Was bedeutet das für den Urlaub?

  • Zum Start der Ferien steuern wieder viele Reisende Spanien, Griechenland und andere beliebte Urlaubsziele an.
  • Gleichzeitig ist auch die Delta-Variante in Europa auf dem Vormarsch. Portugal ist bereits Virusvariantengebiet.
  • Was bedeutet die Ausbreitung der Mutation für Reisen?
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Urlaub im Sommer 2021 ist möglich – trotz und sogar ein stückweit von Corona. Zum Beginn der Reisesaison hatten viele Länder ihre Einschränkungen gelockert und locken damit auch Touristinnen und Touristen. Kroatien etwa will angesichts der niedrigen Inzidenzwerte von den allermeisten Reisenden aus Deutschland nicht einmal einen negativen Corona-Test bei Einreise sehen.

In Spanien wurde am Wochenende die Maskenpflicht im Freien aufgehoben, in Italien soll es kommende Woche so weit sein. Griechenland wirbt mit covidfreien Inseln und gilt seit vergangenem Sonntag auch nicht mehr als Risikogebiet, so wie überhaupt immer mehr Länder in Europa. Viele Kreuzfahrten sind wieder angelaufen, die Luftfahrt kommt wieder in Schwung. Und so kehrt auch im Tourismus Schritt für Schritt die Normalität zurück.

Delta-Mutante breitet sich aus: Lissabon abgeriegelt

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Zugleich aber breitet sich in Europa auch die sogenannte Delta-Variante B.1.617.2 aus, die zuerst in Indien nachgewiesen wurde. Um die ansteckende Corona-Mutation aufzuhalten, wurde die portugiesische Hauptstadt Lissabon bereits zwei Wochenenden in Folge abgeriegelt. In Großbritannien wurden die für den 21. Juni groß angekündigten Lockerungen von der Regierung wieder zurückgenommen und um vier Wochen verschoben. Mit mehr als 90 Prozent ist Delta bei den Neuansteckungen klar die vorherrschende Corona-Variante.

Ist es vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, bis der Tourismus auch in anderen Ländern Europas wieder eingeschränkt wird? Was bedeutet die Ausbreitung der Delta-Variante für Reisen – und umgekehrt?

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Wie ist die Delta-Lage in Europa?

Bislang stehen drei Staaten in Europa auf der Liste der Virusvariantengebiete des Robert Koch-Instituts: Großbritannien sowie mit Wirkung ab Dienstag, 29. Juni, auch Portugal und Russland. Das lässt zumindest darauf schließen, dass die Delta-Lage in den anderen europäischen Ländern noch verhältnismäßig entspannt ist. Auch die Inzidenzwerte insgesamt liegen in Deutschland, aber auch in zahlreichen anderen Ländern auf einem niedrigen Niveau, sodass viele nicht mehr (oder nur noch in einzelnen Regionen) als Risikogebiete eingestuft werden. Für Reisende ist das zunächst vor allem eins: eine gute Nachricht.

Wie stark die Delta-Variante in Europa verbreitet ist, lässt sich allerdings oftmals nicht genau sagen. Denn in den meisten Ländern werden bei erkannten Corona-Infektionen zu wenige Sequenzierungen durchgeführt, um aussagekräftige Daten darüber zu bekommen, wie hoch der Anteil der Mutation ist. Besonders viel sei in Dänemark sequenziert worden, in der ersten Juniwoche knapp 80 Prozent der Fälle. Der Delta-Anteil lag dabei bei 0,7 Prozent. In Spanien lag der Delta-Anteil laut den im Bericht vorgestellten Daten bei 11,4 Prozent – allerdings wurden bei mehr als 29.000 Fällen nur 490 auf die Mutation überprüft. Das spanische Gesundheitsministerium selbst gibt für denselben Zeitraum an, dass B.1.617.2 bei etwa 4 Prozent aller Neuinfektionen nachgewiesen wurde.

Ihr Anteil lässt sich vielleicht schwer beziffern, doch in jedem Fall ist die Delta-Variante schon in vielen Urlaubsländern angekommen. In Spanien, Frankreich, Italien, Schweden, Portugal, Österreich, Dänemark – und auch in Deutschland, dem liebsten Urlaubsland der Deutschen, wurde sie bei Infektionen nachgewiesen.

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Deutsche Ärztekammer warnt vor Reisen in Delta-Risikogebiete
1:08 min
Die Bundesärztekammer rät von Reisen in Urlaubsgebiete ab, in denen die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus grassiert.  © dpa

Gerade weil so schwer einzuschätzen sei, wie verbreitet die Delta-Variante tatsächlich ist, blicken etwa in Österreich laut einem Bericht des „Kurier“ einige Politikerinnen und Politiker sowie Fachleute kritisch auf weitere Lockerungen. Dort will die Regierung um Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ab 1. Juli wieder Clubs und Diskotheken öffnen, die Sperrstunde streichen und die Maskenpflicht lockern. Dieser Tag werde ein Aufatmen mit sich bringen, sagte etwa Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Gleichzeitig kündigte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) Medienberichten zufolge an, die Hauptstadt werde bei den Lockerungen eventuell nicht mitziehen – aus Sorge vor der Delta-Variante.

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Was bedeutet die Ausbreitung der Delta-Variante für Reisende aus Deutschland?

Trotz der sich ausbreitenden Delta-Variante verbreitet die Bundesregierung in Bezug auf den Sommerurlaub eher Optimismus. „Ich freue mich auf eine hoffentlich gute Sommersaison nach einem ganz, ganz schwierigen Jahr für die Tourismusbranche“, sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß (CDU) vergangene Woche dem Sender Phoenix. „Und ich glaube, dass wir im Sommer wirklich wieder reisen können – sowohl Geschäftsreisen natürlich, aber auch wieder das Reisen in den Urlaub.“

Gleichzeitig sei generell bei weiteren Corona-Lockerungen Vorsicht geboten, sagte etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Noch in dieser Woche stimmt der Bundestag über eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes ab, durch die Einreisebeschränkungen auch nach Ende der Pandemie-Notlage noch erlassen werden können, etwa wenn es das Auftreten einer Corona-Mutation in einem Land erforderlich macht.

Dass einige Urlaubswillige eher vorsichtig sind, spürt auch die Tourismusbranche. „Wenn wie für Portugal Öffnungen und neue Schließungen sich im Takt weniger Wochen abwechseln, lässt das Kunden überlegen: Wann buche ich – jetzt, oder wenn die Reiseregeln klar sind?“, sagte Tui-Finanzvorstand Sebastian Ebel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch er rief dazu auf, vorsichtig zu bleiben, um weitere Öffnungsschritte nicht zu gefährden. Gleichzeitig erwarte er, dass sich die Reisesaison 2021 durch den Nachholeffekt insgesamt verlängere.

Was bedeutet die Reisewelle für die Ausbreitung der Delta-Variante?

Gestiegene Urlaubslust und niedrige Inzidenzwerte – das war auch schon im Pandemiesommer 2020 so. Und hatte einen erheblichen Anteil an den darauffolgenden Corona-Neuinfektionen: Laut einer Auswertung des Robert Koch-Instituts war zeitweise jede zweite Ansteckung auf eine Auslandsreise zurückzuführen.

Allerdings relativierte die Studie die Rolle klassischer Pauschalurlaube, denn die meisten Neuinfektionen im Ausland stammten aus Heimatländern von Menschen mit Migrationshintergrund und Ländern, aus denen Saison- und Vertragsarbeiter nach Deutschland kommen. Dazu zählten der Kosovo, Kroatien, die Türkei sowie Bosnien und Herzegowina. Einen hohen Anteil von Infektionen im Ausland führt das RKI daher auf Reisen zur Familie oder Freunden zurück.

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Wegen verbesserter Corona-Lage: EU will Einschränkungen für Reisende lockern
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Wegen einer besseren Corona-Lage in vielen Teilen der Welt sollen die Einreisebestimmungen nun für mehrere Länder gelockert werden - darunter die USA.  © dpa

Aus epidemiologischer Sicht bleibt das Reisen auch 2021 ein Wagnis. Es sei denkbar, dass die Infektionszahlen in den kommenden Wochen wieder stagnieren oder auch leicht steigen, sagte etwa die Virologin Sandra Ciesek von der Frankfurter Universität im NDR-Info-Podcast „Coronavirus-Update“. Der Anstieg der Neuinfektionen durch die Ausbreitung der Delta-Variante in Großbritannien sei ein warnendes Beispiel dafür, wie schnell die Situation in der Corona-Pandemie kippen könne.

Um das individuelle Ansteckungsrisiko beim Reisen innerhalb der eigenen Landesgrenzen wie auch im Ausland abschätzen zu können, sollten Reisewillige deshalb die Gefahrenlage und die Bestimmungen zur Eindämmung vor Ort im Blick behalten – insbesondere bei Hochinzidenz- und Virusvarianten­gebieten.

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