Längere Aufenthalte, andere Reiseverhalten

Workation: Trend zum Home Office verändert das Reiseverhalten

Ein Mann sitzt mit seinem Laptop am Meer. Tui will nicht gebuchte Familienzimmer zum Home Office umbauen.

Ein Mann sitzt mit seinem Laptop am Meer. Bei einer Workation ist das möglich, doch Rückenschmerzen sind auf Dauer bei dieser Sitzhaltung nicht ausgeschlossen.

New York. Manche Beschäftigte, die wegen der Corona-Pandemie von daheim aus arbeiteten, sind mittlerweile wieder in ihre Firmenbüros zurückgekehrt. Aber viele arbeiten auf unbefristete Zeit weiter im Home Office - eine seismische Verschiebung, die nicht nur beeinflusst hat, wo Menschen leben, sondern zunehmend auch, wie sie reisen. Das ermöglicht ihnen, eine Workation zu organisieren, also eine Mischung aus Arbeit (“Work“) und Urlaub (“Vacation“).

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Fast 25 Prozent der Jobangebote in den 50 000 größten US- und kanadischen Unternehmen im ersten Quartal 2022 beinhalteten dauerhaftes Arbeiten von daheim, wie der Job-Listing-Dienst Ladders errechnet hat. Vor der Pandemie waren es gerade mal vier Prozent.

Arbeitnehmer wünschen sich flexibles Arbeiten

Die Amerikanerin Kirsten Reckman ist im Kreditrisiko-Management beschäftigt, arbeitet zu Hause und genießt die Flexibilität, die es ihr bringt. „Es hat uns ermöglicht, länger zu verreisen, früher Schluss zu machen und unsere Arbeitsstunden zu variieren“, sagt die Frau aus Florida. „Mein Chef ist sehr entgegenkommend, solange die Arbeit erledigt wird.“

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Was Reckmann schildert, spiegelt einen größeren Trend wider. Jeder fünfte Reisende in diesem Sommer hatte die Absicht, Arbeit mitzunehmen, wie Dolittle, ein internationales Netzwerk für professionelle Dienstleistungen, berichtet. Und vier von fünf dieser sogenannten „Laptop-Schlepper“ planten, länger als gewöhnlich Ferien zu machen - dank ihrer Arbeitszeit-Flexibilität.

Reisetrends könnten sich nachhaltig ändern

Der Trend zum Home Office hat also die Grenze zwischen Arbeiten und privaten Reisen verwischt. Anstatt selten Ferien außerhalb von Zuhause zu machen, können Remote-Arbeiter jederzeit reisen. Und damit könnten sich traditionelle Reisetrends deutlich verändern.

„Viele Reisende, denen es möglich ist, entscheiden sich dafür, die Fernarbeit mit Ausflügen zu verbinden, um etwas anderes zu sehen“, sagt Mark Crossey von Skyscanner, einer Reiseagentur und Reisesuchmaschine. „Arbeitsferien erlauben es Leuten mit flexiblem Heim- und Arbeitsleben, eine zeitlang "halbe Touristen" zu werden.“

Arbeiten mit Aussicht im Design Centre Nini Andrade Silva in Madeiras Hauptstadt Funchal.

Arbeiten mit Aussicht im Design Centre Nini Andrade Silva in Madeiras Hauptstadt Funchal.

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Diese Art von Freiheit genießt Lisa Wickstrom aus Arizona in vollen Zügen. Sie ist im Hypothekengeschäft tätig und arbeitet jetzt von allen Teilen der Welt aus - lebt aus dem Koffer. „Ich habe vorher drei Wochen Urlaub (im Jahr) bekommen“, sagt Wickstrom. „Aber (jetzt) habe ich nie das Gefühl, dass ich mir Urlaub nehmen muss, weil ich immer im Urlaub bin.“

Reiseverhalten verändert die Flugpreise

Und war vor der Pandemie das Fliegen am Wochenende teurer als an den Werktagen, zeichnet sich auch hier eine Verschiebung ab, wie aus Daten von Hopper, einer App zur Reisebuchung, hervorgeht. Demnach sind die Preise für Inlandsflüge an Sonntagen und Montagen dieses Jahr im Vergleich zu 2019 um 5,9 beziehungsweise 2,97 Prozent gestiegen, die für Flüge an Freitagen und Samstagen verringerten sich um 3,04 beziehungsweise 1,6 Prozent. Durchschnittlich ist es jetzt billiger, samstags zu fliegen als montags.

Remote-Arbeiterinnen und -Arbeitern ist es auch möglich, um die Feiertage herum länger weg zu bleiben, was Reisestoßzeiten abmildern könnte. So habe man beispielsweise bereits eine kleine, aber spürbare Verschiebung vor dem Memorial Day - einem traditionellen US-Feiertag jeweils am letzten Montag im Mai - beobachtet, sagt Creig Ewer, Sprecher von Google Flights. Demnach reisen mehr Menschen bereits am Donnerstag zu ihren Feiertagszielen ab - was Ewer zufolge darauf hindeutet, dass „Ortsflexibilität (beim Arbeiten) tatsächlich eine Auswirkung auf das Reiseverhalten hat“.

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Erst alle beruflichen Nachrichten beantworten, dann in den Hotelpool springen - Workation in Ägypten.

Mehr Langzeitaufenthalte gebucht

Die Unabhängigkeit vom Arbeitsort hat sich für manche auch finanziell positiv bemerkbar gemacht. Sie zogen etwa aus großen Städten in Vororte oder ländliche Gegenden um, können dort billiger leben - und damit auch ihre Reisekassen aufbessern. „Ich spare - nach Abzug meiner Steuern - jeden Monat 2000 Dollar, indem ich in Florida lebe“, sagt Reckman. „Wir reisen deshalb viel mehr.“

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So hat denn auch das Online-Portal Airbnb zum Buchen und Mieten von Unterkünften in diesem Jahr eine Verdoppelung der Zahl von Langzeit-Aufenthalten (mehr als 28 Tage) im Vergleich zu 2019 registriert. Und es hat sogar eigens eine „Ich bin flexibel“ - Suchfunktion eingeführt - für Reisende, die nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt zurück im Büro sein müssen.

Und kaum jemand von ihnen beneidet jene, die nicht diese Freiheit haben und all die anderen Vorteile, die das Home Office mit sich bringt. So denkt Wickham mit Schaudern an die Büroklüngeleien zurück, und auch die traditionellen Bürofestivitäten wie Babypartys für schwangere Beschäftigte vermisst sie nicht. „Ich kann mir nicht einmal vorstellen, all das wieder zu tun.“

RND/AP

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