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  • Urlaub, Reisen und Städtetrips 2021: Laut Expedia kehrt der Massentourismus nächstes Jahr zurück

Der Massentourismus kommt im Sommer 2021 zurück – glaubt zumindest Expedia

  • Expedia-Chef Peter Kern teilt die Untergangsszenarien der Reisebranche nicht.
  • Er glaubt, dass 2021 auch Städtetrips und der Massentourismus wieder zurückkehren.
  • Die Menschen hätten Sehnsucht und ein möglicher Impfstoff gibt Hoffnung.
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Die Leute haben Lust auf Urlaub, Reisen, andere Kulturen und fremde Städte – und Städte wie New York und Rom hätten schon ganz andere Katastrophen überstanden. Dieser Ansicht ist der neue Expedia-Group-Chef Peter Kern, der erst während der Corona-Pandemie im April ins Amt kam. „Es ist alles schrecklich – aber bei Weitem nicht so schrecklich, wie man es sich vorgestellt hat“, sagte er dem Magazin „Bloomberg“.

Kern stimmt nicht wie so viele andere in die Untergangsszenarien des Tourismus ein. Im Gegenteil: Er glaubt, dass der Massentourismus nicht erst in drei, vier Jahren, sondern schon im kommenden Sommer zurückkehren wird. „Der Tourismus ist etwas Gutes. Wir wollen den Menschen helfen, dorthin zu gehen, wohin sie wollen und wie sie wollen.“ Die negativen Einflüsse des Tourismus auf den Planeten müssten zwar reduziert werden, „aber es gibt viele Wege, wie das passieren kann. Das muss durch den Massentourismus kommen, nicht durch Luxustourismus.“

Trotz Corona: Expedia macht 1,5 Milliarden Umsatz zwischen Juli und August

Seine Meinung hat er nicht aus dem Bauch heraus kundgetan, sie basiert auf der derzeitigen Situation von Expedia: So ist zwar der Umsatz in Sachen Flugtickets eingebrochen, dafür boomt die Vermietung von Ferienwohnungen. Mit 1,5 Milliarden US-Dollar Umsatz zwischen Juli und August steht Expedia auch deutlich besser dar als mitten in einer Pandemie erwartet.

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Mit seinen Prognosen widerspricht Kern einigen anderen Experten. Reiseforscher Christian Laesser gab im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) beispielsweise an, dass 2021 ein „Übergangsjahr“ werde, in dem man weitestgehend so reise wie im Corona-Jahr 2020. Die International Air Transport Association (IATA) hat verkündet, dass in Sachen Fernreisen erst 2024 wieder Normalität einkehren könnte – indem wieder so viele Menschen wie vor der Corona-Pandemie unterwegs seien. Grund für diese Annahme sind ausgewertete Daten, die zeigen, dass sich der Flugverkehr nach den ersten Grenzöffnungen im Sommer 2020 deutlich langsamer erholt hat als erhofft.

Städtetrips statt Naturerlebnis: Expedia glaubt an Comeback des Massentourismus

Und die europäische Luftsicherheitsorganisation Eurocontrol sieht noch düsterer: Generaldirektor Eamonn Brennan sagte, man gehe davon aus, dass sich bei einem allgemein zugänglichen Impfstoff gegen Covid-19 bis zum Sommer 2021 der Luftverkehr bis 2024 normalisieren könnte. Ist der Impfstoff in großen Mengen erst 2022 verfügbar, könnte es bis 2026 dauern – und bei einem nicht wirksamen Impfstoff rechnet Eurocontrol gar erst 2029 mit einer Erholung auf das Reiseniveau von 2019. Brennan spricht von einem „katastrophalen Bild für die Luftfahrt“, so der Generaldirektor.

Auch an Land unterscheidet sich Kerns Vorstellung von der verschiedener Experten: Während viele Menschen in der Reisebranche vor allem darauf hoffen, dass Naturerlebnisse in den nächsten Monaten und Jahren boomen werden und die Vereinten Nationen das auch als Ziel ausgegeben haben, um die Städte zu entlasten, glaubt Kern fest daran, dass auch Städtetrips bald wieder sehr gefragt sein werden. „Rom hat die eine oder andere Seuche durchgemacht und ist immer noch da. New York hat alles Mögliche durchgemacht. Es ist nicht das erste Mal, dass wir zivile Unruhen haben“, sagte er. Die Sicherheit vor Ort sei auch aktuell nicht mit der Situation in den 70er-Jahren vergleichbar. „Und trotzdem sind wir damals dorthin gefahren.“

Reisen in der Pandemie: Sehnsucht nach Urlaub – Hoffnungsbringer Impfstoff

Kern schöpft seine Hoffnung aus zwei Dingen: Zum einen habe man im Spätsommer, als die ersten Grenzen wieder geöffnet wurden und viele Reiserestriktionen gefallen sind – also zwischen erster und zweiter Welle in Europa –, gemerkt, dass Menschen die Chance sofort genutzt hätten, um in den Urlaub zu fahren. Die Sehnsucht nach Reisen sei also da. Zum anderen würde aber auch die Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff für mehr Buchungen für das Jahr 2021 sorgen. „Die Leute sagen sich: Bis zum Sommer könnte Europa wieder ganz offen sein oder es gibt den Impfstoff, also lasst uns buchen“, so Kern.

Expedia glaubt: Vertrauen in Sicherheitsprotokolle ist ausschlaggebend

Die Reservierungen für das nächste Jahr liefen zwar noch schleppend, aber eine kontinuierliche Steigerung sei zu sehen. Das führt Kern auch auf einen weiteren Punkt zurück: Die Menschen würden sich an neue Sicherheitsprotokolle und Hygienemaßnahmen in Flugzeugen und Hotels gewöhnen. Es sei nun wichtig, das Vertrauen der Reisenden zu behalten – was angesichts von Lockdowns und Reiserestriktionen innerhalb Europas aber schwierig sein könnte, so Kern. Denn mit der Schließung von Hotels und Ferienwohnungen werde impliziert, dass diese nicht sicher seien.

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Während die Tourismusorganisation der Vereinten Nationen, UNWTO, schätzt, dass in der Tourismusbranche aufgrund von Covid-19 100 bis 120 Millionen Jobs wegfallen, will Kern vom Massensterben der Tourismusbetriebe nichts wissen. „Einige Menschen werden Geld, Restaurants und Hotels verlieren. Aber ich glaube nicht, dass ein Hotel verschwinden wird, denn es wird immer jemanden geben, der genug Kapital hat und es retten wird“, so Kern.

RND/msk

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