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Urlaub im zweiten Corona-Sommer: die wichtigsten Antworten für Reisende

  • Trotz des digitalen Impf­passes: So einfach wie erhofft wird der Sommer­urlaub 2021 nicht.
  • Wer verreisen will, muss einiges beachten in puncto Einreise­regeln, Delta-Variante und Kranken­versicherung.
  • Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.
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Die Sommer­ferien beginnen – und die Menschen in Deutsch­land sind urlaubs­reif. Da nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Impf­quoten in Europa steigen, starten viele Reise­fans nun in ihre wohl­verdiente Aus­zeit. Neben dem Urlaub im eigenen Land steht bei den Deutschen besonders der Urlaub in europäischen Ländern hoch im Kurs, die ihre Maß­nahmen zur Corona-Bekämpfung gelockert haben.

Vor der Abreise stellen sich jedoch viele Fragen: Welche Beschränkungen gelten an meinem Urlaubs­ort? Brauche ich einen Corona-Test für die Ein­reise? Und sollte ich eigentlich eine Auslands­kranken­versicherung abschließen? Wir erklären Ihnen alles, was Sie für den Urlaub in Zeiten der Delta-Variante wissen müssen.

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In welche Länder kann ich reisen?

Das digitale Covid-Zertifikat der EU soll sicheres und freies Reisen innerhalb der Europäischen Union ermöglichen. Voraus­setzung dafür ist, dass die Urlauberinnen und Urlauber entweder geimpft, genesen oder negativ auf Corona getestet sind. Angesichts der sinkenden Neu­infektions­zahlen werben viele Länder in Europa verstärkt um Reisende. Allerdings hat sich in einigen Ländern die Delta-Variante des Corona­virus stark ausgebreitet.

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Wegen verbesserter Corona-Lage: EU will Einschränkungen für Reisende lockern
1:17 min
Wegen einer besseren Corona-Lage in vielen Teilen der Welt sollen die Einreise­bestimmungen nun für mehrere Länder gelockert werden – darunter die USA.  © dpa

Welt­weit jedoch haben nach wie vor einige Staaten Einreise­verbote für Touristinnen und Touristen verhängt – darunter sind Australien, Israel, Japan, Marokko, Neuseeland, und die USA.

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Wie ist die Lage in den Urlaubs­ländern?

Trotz allgemein sinkender Inzidenzen sollten Reisende wissen, wie hoch das Infektions­risiko am Urlaubs­ort ist. Grund­sätzlich unter­scheidet Deutsch­land zwischen drei Risiko­stufen: einfaches Risiko­gebiet (Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 200), Virus­varianten­gebiet und Hoch­inzidenz­gebiet (Inzidenz über 200). Wenn ein Land in eine der drei Kategorien fällt, müssen Urlauberinnen und Urlauber bestimmte Bestimmungen beachten. Die Einstufungen nehmen gemeinsam das Gesundheits­ministerium, das Auswärtige Amt und das Bundes­innen­ministerium vor.

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Die aktuelle Liste veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Website.

Am 1. Juli hat das Auswärtige Amt die pauschale Reise­warnung für Risiko­gebiete aufgehoben – sie hatte bislang eine abschreckende Wirkung. Es war jedoch mehr ein symbolischer Akt, für Reise­willige änderte sich dadurch wenig. Die Quarantäne­pflicht für Reise­rückkehrer aus Risiko­gebieten wurde bereits im Mai aufgehoben.

Wie groß ist das Risiko der Delta-Variante?

Die Delta-Variante des Corona­virus, die zuerst in Indien fest­gestellt wurde, breitet sich aus. Welt­weit stehen bereits 16 Staaten auf der Liste der Virus­varianten­gebiete – darunter Groß­britannien, Russ­land und Portugal. Wer dort als Deutscher Urlaub macht, muss nach der Rück­reise für 14 Tage in strikte Quarantäne. Ausnahmen für Geimpfte und Genesene gibt es nicht.

Allerdings wird die Einstufung wohl nicht von Dauer sein: Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn hat am Donnerstag angekündigt, dass die Bundes­regierung Portugal und Groß­britannien bald wieder von Virus­varianten- zu Hoch­inzidenz­gebieten herunter­stufen will. Denn auch in Deutsch­land steige der relative Anteil der Variante und sie werde in absehbarer Zeit dominieren, so Spahn.

Die Herunter­stufung werde erfolgen, wenn die Anteile der ansteckenderen Delta-Variante vergleichbar seien, also voraussichtlich 70 bis 80 Prozent. In der laufenden Woche geht in Deutsch­land nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) jede zweite Corona-Ansteckung auf die Delta-Variante zurück.

Wo kann ich mich über die Situation und Regeln am Urlaubs­ziel informieren?

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Das wichtigste Thema in diesem Sommer ist wohl die Frage danach, wo und unter welchen Bedingungen die Einreise in ein Land erlaubt ist. Einen einfachen Überblick bietet die kosten­lose App „Re-open EU“ der Europäischen Union. Sie informiert über alle Covid-19-Bestimmungen, die in den einzelnen Ländern der EU gelten. Dazu zählen Infos über die Pandemielage und die Hygiene­regeln vor Ort sowie die Bestimmungen für die Ein- und Aus­reise.

Liegt das Urlaubs­ziel außerhalb der EU, dann bietet sich die App „Sicher Reisen“ des Auswärtigen Amtes an. Sie informiert über geltende Regeln zur Einreise in Dritt­staaten. Es können auch Pushmitteilungen bei Änderungen der Reise- und Sicherheits­hinweise aktiviert werden.

Muss ich für meine Reise geimpft sein?

Nein. Bislang hat kein Reise­land eine Corona-Impf­pflicht für Touristinnen und Touristen eingeführt. Ohne Einschränkungen ist die Einreise aber in kaum einem Land möglich. Bei der Einreise muss ein Nach­weis erbracht werden – über einen negativen Corona-Test, eine überstandene Covid-Erkrankung oder eine vollständige Impfung. Das bedeutet, dass nach der zweiten Impfung (Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca) oder einzigen Impfung (Johnson & Johnson) mindestens 14 Tage vergangen sein müssen.

Ist der digitale EU-Impf­pass fürs Reisen Pflicht?

Nein. Die Kontrolle des Nach­weises soll möglichst schnell von­statten­gehen, daher wurde am 1. Juli offiziell der EU-Impf­pass eingeführt. Er dienst als digitaler Nach­weis über eine Corona-Impfung, eine Genesung oder einen negativen Corona-Test. In einem QR- oder Barcode sind unter anderem Daten zum Impf­zeit­punkt und zum verwendeten Impf­­stoff gespeichert, die beispiels­weise von Grenz­beamten oder Airlinemitarbeitenden gescannt werden können. In Deutschland gibt es das Zertifikat in Apotheken, Arzt­praxen und Impf­zentren. Der Inhalt kann dann vom Papier in Apps wie die „Corona-Warn-App“, den „Covpass“ oder die „Luca-App“ importiert werden.

Die Nutzung des digitalen Impf­passes ist jedoch keine Pflicht. Es ist weiterhin möglich, das gelbe Impf­heft oder die offiziellen Nach­weise über einen Corona-Test oder die Genesung bei sich zu führen. Der Deutsche Reise­verband (DRV) rät sogar dazu, die Nach­weise doppelt dabeizuhaben. „Schließlich kann das Handy auch mal gestohlen werden, oder man verliert es, oder es fällt ins Wasser“, nennt DRV-Sprecherin Kerstin Heinen Beispiele für die Grenzen des digitalen Zertifikats.

Außerdem hakt es bei der Einführung des digitalen Impf­passes noch in einigen Ländern, zum Beispiel in Bezug auf die Ausstellung oder Über­prüfung der Zertifikate. Nach Angaben der EU-Kommission gibt es noch Probleme in Irland, Malta, den Nieder­landen, Rumänien, Schweden, der Schweiz, Ungarn und Zypern. Sie sollen bis spätestens Ende August auch am Start sein.

Welche Regeln muss ich für die Rück­reise nach Deutsch­land beachten?

Wer aus dem Urlaub nach Deutsch­land zurückkehrt, sollte sich vorab über die Einreise­regeln informieren. Die Corona­virus-Einreise­verordnung regelt die Anmelde-, Quarantäne- und Nachweis­pflicht sowie das Beförderungs­verbot aus Virus­varianten­gebieten bundes­weit einheitlich.

Wichtig ist: Wer mit dem Flug­zeug nach Deutsch­land kommt, muss grund­sätzlich – unabhängig davon, ob er oder sie sich in einem Risiko­gebiet aufgehalten hat – vor dem Abflug den Nach­weis über einen negativen Test, eine vollständige Impfung oder eine Genesung vorweisen. Ansonsten dürfen Reisende von der Airline nicht mitgenommen werden.

Ein Beamter der Bundes­polizei am Flug­hafen kontrolliert eine Reisende aus Sankt Peters­burg (Russ­land), einem Virus­varianten­gebiet. © Quelle: Fabian Sommer/dpa

Daneben sind bei Einreise in die Bundes­republik Deutsch­land nach einem Aufenthalt in einem ausländischen Risiko­gebiet (einfaches Risiko­gebiet-, Hoch­inzidenz- oder Virus­varianten­gebiet) gesonderte Nach­weis- und Quarantäne­pflichten zu beachten. In allen Fällen müssen sich Reisende dann vor der Einreise digital auf www.einreiseanmeldung.de registrieren. Nach Eingabe der Daten erhalten sie eine PDF-Datei, die vom Beförderer kontrolliert wird.

Zudem gilt eine Quarantäne­pflicht für Menschen, die sich in einem Risiko­gebiet aufgehalten haben. Sie kann jedoch oft­mals vermieden werden: Wer aus einem „einfachen“ Risiko­gebiet kommt und schon vor der Ein­reise der Nach­weis­pflicht nach­kommt, muss sich nicht isolieren. Das gleiche gilt für Geimpfte und Genesene, die sich in einem Hoch­inzidenz­gebiet aufgehalten haben. Alle anderen müssen für zehn Tage in Quarantäne, können den Zeit­raum aber ab Tag fünf mit einem weiteren Corona-Test verkürzen. Wer jedoch in einem Virus­varianten­gebiet war, muss zusätzlich zum verpflichtenden Corona-Test vor der Einreise für 14 Tage in Quarantäne.

Diese kann nicht verkürzt werden, und es gibt keine Ausnahmen für Geimpfte oder Genesene.

Brauche ich eine Reise­kranken­versicherung?

Eine Reise­kranken­versicherung ist per se wichtig bei Reisen ins Aus­land – in der Corona-Pandemie mehr denn je. Einige Reise­veranstalter wie Tui, FTI, DER Touristik und Alltours bieten im Falle einer Corona-Infektion am Urlaubs­ort einen zusätzlichen Reise­schutz an, der entweder dazu­buchbar oder schon im Reise­preis enthalten ist. Diese übernehmen beispiels­weise Kosten für die Quarantäne, die Behandlung vor Ort und den medizinischen Rück­transport.

Ansonsten sollte selbst­ständig eine solche Versicherung abgeschlossen werden. Wichtig ist, darauf zu achten, dass sie einen Corona-Schutz enthält. Denn bei einigen sind Pandemien grund­sätzlich ausgeschlossen, damit bestünde auch kein Versicherungs­schutz im Falle einer Covid-19-Erkrankung. Das Ergebnis der Zeitschrift „Finanz­test“ (Ausgabe 6/2021) stimmt aber optimistisch: Rund 90 Tarife haben die Tester überprüft, jeweils etwa die Hälfte für Einzel­personen und Familien. Fast zwei Drittel schnitten mit „sehr gut“ ab.

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Deutsche Ärzte­kammer warnt vor Reisen in Delta-Risiko­gebiete
1:08 min
Die Bundes­ärzte­kammer rät von Reisen in Urlaubs­gebiete ab, in denen die ansteckendere Delta-Variante des Corona­virus grassiert.  © dpa

Wann kann ich meine Reise kostenlos stornieren?

Eine Pauschal­reise kann immer dann kosten­los storniert werden, wenn am Urlaubs­ort außergewöhnliche Umstände herrschen. Eine Reise­warnung des Auswärtigen Amtes gilt als starkes Indiz dafür – aller­dings sei die Pandemie inzwischen ein „Grund­risiko“, sagt Reise­rechts­anwalt Paul Degott aus Hannover gegenüber dem Redaktions­­Netzwerk Deutschland.

Im Fall der Fälle sollten Urlauberinnen und Urlauber sich zunächst mit ihrem Reise­veranstalter in Verbindung setzen und fragen, ob eine Umbuchung auf einen späteren Zeit­punkt oder ein anderes Land möglich ist. Viele zeigen sich hier aktuell kulant und bieten bessere Storno- oder Umbuchungs­­möglichkeiten. Viele werben außerdem mit so genannten Flextarifen. Das Prinzip ist Folgendes: Wer für seinen Pauschal­urlaub etwas mehr bezahlt, darf ihn auch kurz­fristig ohne die sonst üblichen Stornierungs­gebühren wieder absagen oder umbuchen.

Wer nur eine Ferien­wohnung, eine Airbnb-Unterkunft oder ein Hotel­zimmer gebucht hat, muss in die AGB schauen: Geld zurück gibt es nur, wenn die Richt­linien entsprechend kulant sind. Ähnlich sieht es bei Flug­tickets aus.

Sollte ich eine Reise­rück­tritts­versicherung abschließen?

Eine Reise­rück­tritts­versicherung nützt in der Regel nichts, wenn für ein Land eine Reise­warnung ausgesprochen wird oder die Einschränkungen vor Ort strikter werden. Die meisten Versicherungen zahlen nur dann, wenn die Reise aus persönlichen Gründen nicht angetreten werden kann – etwa weil man selbst erkrankt. Es gibt wenige Ausnahmen, schreibt das Portal „Reise­versicherung“. Daher gilt: genau prüfen. „Es gibt viele Anbieter und Varianten von Corona-Schutz­paketen. Man sollte unbedingt genau die Konditionen und Bedingungen lesen, bevor man bucht“, sagt Reise­rechts­anwalt Paul Degott.

Was muss ich beim Reisen mit Kindern beachten?

Die Regelungen sind sowohl im In- als auch im Aus­land sehr unter­schiedlich – je nach Inzidenz, den Verordnungen des Landes und den Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI). Infos finden Eltern beispiels­weise in der App „Re-Open Eu“. In den meisten Fällen gilt: Kinder ab sechs Jahren müssen für Reisen ins Aus­land einen negativen Corona-Test vorweisen. Ausnahmen gibt es zum Beispiel in Italien und Portugal, dort gilt die Test­pflicht schon für Kinder ab zwei Jahren, in Kroatien ab sieben Jahren.

Damit Familien aber gemeinsam reisen können, haben die EU-Mitglied­staaten vereinbart, dass Minder­jährige keiner Quarantäne­pflicht unter­liegen sollen, wenn die Eltern von der Quarantäne ausgenommen sind, weil sie beispiels­weise geimpft sind. Familien sollten sich jedoch vor Abreise genau informieren, welche Regeln wo bereits umgesetzt sind.

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