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  • Urlaub im Virusvariantengebiet: Welche Rechte Reisende haben

Welche Rechte habe ich, wenn mein Urlaubsziel zum Virusvariantengebiet wird?

  • Es ist der Worst Case: Während des Urlaubs wird das Reiseziel zum Risikogebiet.
  • Welche Möglichkeiten haben Touristinnen und Touristen in diesem Fall?
  • Und welche Vorschriften gelten derzeit noch für Reisende? Ein Überblick.
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Großbritannien, Portugal, Russland, Israel: In immer mehr beliebten Reiseländern ist die Delta-Variante auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland wächst die Sorge vor einer vierten Corona-Welle – und das ausgerechnet zu Beginn der Hauptreisezeit. Etwa 1000 Deutsche haben gerade in Portugal erlebt, was die Einstufung als Virusvariantengebiet für Folgen hat: Die Flugpreise für kurzfristige Verbindungen nach Deutschland schossen in die Höhe. Wer kein Ticket ergattert hat und ab diesem Dienstag zurückkehrt, muss für 14 Tage in Quarantäne.

Diese Entwicklung hat gezeigt: Wer jetzt in den Urlaub fährt, geht ein Risiko ein. Denn es ist gut möglich, dass sich die Lage am Reiseziel schnell ändert. Das kann Einschränkungen vor Ort zur Folge haben. Es ist außerdem möglich, dass bei der Rückkehr Regeln gelten, die es beim Start in den Urlaub noch nicht gab. So wie im Fall Portugal.

Was verändert sich durch die Einstufung als Virusvariantengebiet?

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Bis Montag um 23.59 Uhr galten Lissabon und die Azoren als einfache Risikogebiete. Seit Dienstag um null Uhr jedoch gilt ganz Portugal als Virusvarianten­gebiet, das hatte das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag mitgeteilt. Dies gilt zunächst für 14 Tage, eine Verlängerung ist aber möglich, sollte sich die Lage in dem Land nicht verbessern. Grund dafür ist die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus.

Die Einstufung als Virusvarianten­gebiet zieht ein Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bus- und Bahn­unternehmen nach sich, es gelten wenige Ausnahmen. So dürfen die Unternehmen Deutsche und Ausländerinnen und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland zurückbringen. Die Rückkehrerinnen und Rückkehrer müssen jedoch vor der Einreise einen negativen Corona-Test vorlegen und dann für 14 Tage strikte Quarantäne einhalten, die nicht durch einen zweiten Test verkürzt werden kann. Es gelten keine Ausnahmen für Geimpfte und Genesene.

Die Bundespolizei hat an den Flughäfen verstärkte Kontrollen angekündigt: In Frankfurt sollen beispielsweise bei allen Passagieren der aus Portugal kommenden Flüge die negativen Corona-Tests und die digitale Einreise­anmeldung am Ankunftsgate kontrolliert werden.

Darf ich in einem Virusvarianten­gebiet Urlaub machen?

Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot – es handelt sich hierbei um einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts. Das teilt mit: „Reisende entscheiden in eigener Verantwortung, ob sie eine Reise antreten.“ Das gilt auch für eine Fahrt oder einen Flug in ein Virusvarianten­gebiet. Wenn also Flüge angeboten werden und das Urlaubsland die Einreise erlaubt, dann ist eine Reise dorthin prinzipiell möglich.

Wichtig ist jedoch: Das Bestehen einer Reisewarnung kann rechtliche Auswirkungen haben, beispielsweise für die Gültigkeit einer Reisekranken­versicherung oder die Quarantänepflicht nach der Rückkehr.

Pauschalreise­anbieter stornieren Reisen

Airlines wie die Lufthansa wollen weiter nach Portugal fliegen. Anders sieht es bei den Pauschalreise­anbietern aus: Bei der Einstufung als Virusvarianten­gebiet stornieren viele ihre Reisen. So hat beispielsweise Tui alle Portugal-Buchungen bis 31. Juli abgesagt, DER Touristik zunächst bis zum 14. Juli, Studiosus gar bis zum 31. August. Kundinnen und Kunden erhalten in diesem Fall den Reisepreis erstattet, oder sie können kostenfrei auf ein anderes Ziel umbuchen. Auch Portugal-Spezialist Olimar bietet allen Menschen, die einen gebuchten Urlaub im Sommer nicht mehr antreten wollten, eine Verschiebung des Termins oder des Urlaubsortes an.

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Kann ich meinen gebuchten Portugal-Urlaub stornieren?

Eine Pauschalreise kann dann kostenlos storniert werden, wenn am Urlaubsort außergewöhnliche Umstände herrschen. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt als starkes Indiz dafür – allerdings sei die Pandemie inzwischen ein „Grundrisiko“, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott aus Hannover gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland. Zwar sei die Situation in Portugal neu und habe sich innerhalb kurzer Zeit dramatisch verschlechtert. Dass dies aber als außergewöhnlicher Umstand gewertet würde, halte er nicht unbedingt für wahrscheinlich. Das gelte nur, falls der Aufenthalt im Land unvorhersehbar schwer beeinträchtigt wäre.

Daher sollten Urlauberinnen und Urlauber sich zunächst mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen und fragen, ob eine Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt oder ein anderes Land möglich sei. Viele zeigen sich hier aktuell kulant und bieten bessere Storno- oder Umbuchungs­möglichkeiten als sonst.

Wer nur eine Ferienwohnung, eine Airbnb-Unterkunft oder ein Hotelzimmer gebucht hat, muss in die AGB schauen: Denn generell gibt es in Portugal kein Kündigungsrecht aufgrund der Corona-Situation. Geld zurück gibt es nur, wenn die Umbuchungs- oder Stornierungs­richtlinien entsprechend kulant sind. Ähnlich sieht es bei Flugtickets aus.

Kann ich meinen Flug ins Virusvarianten­gebiet stornieren?

Eine Airline ist vertraglich „nur“ dazu verpflichtet, von A nach B zu fliegen, erklärt Degott. Solange die Grenzen also geöffnet sind und Tickets gebucht werden, wird sich eine Fluggesellschaft bei der nötigen Auslastung der Maschinen aus wirtschaftlicher Sicht immer fürs Fliegen entscheiden. Und wenn es keine kulanten Storno­bedingungen gibt, haben Kundinnen und Kunden auch kein Recht darauf, das Geld fürs Ticket zurück­zubekommen, wenn sie selbst stornieren oder umbuchen.

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Anders sieht es aus, wenn die Airline selbst den Flug annulliert: Kundinnen und Kunden einer EU-Airline steht nach der Fluggastrechte­verordnung zu, dass die Airline nicht nur das Geld für den annullierten Flug zurückzahlt, „sondern sich auch um die Versorgung der Passagiere kümmert und sie zum Beispiel, falls nötig, in einem Hotel unterbringt – und vor allem für einen Ersatzflug sorgt“, erklärt Degott.

Aber: Ähnlich wie Reiseveranstalter haben viele Airlines auch im zweiten Corona-Sommer kulante Bedingungen. Oftmals können Flüge auf einen späteren Zeitpunkt oder ein anderes Ziel umgebucht werden – mögliche Preisdifferenzen müssen jedoch gezahlt werden.

Greift meine Reiserücktritts­versicherung?

Eine Reiserücktritts­versicherung nützt in der Regel nichts, wenn für ein Land eine Reisewarnung ausgesprochen wird oder die Einschränkungen vor Ort strikter werden. Die Versicherung zahlt nur dann, wenn die Reise aus persönlichen Gründen nicht angetreten werden kann, etwa weil man selbst erkrankt. Es gibt aber ein paar Ausnahmen, wie das Portal „Reiseversicherung“ schreibt. Daher gilt auch hier: Genau prüfen. „Es gibt viele Anbieter und Varianten von Corona-Schutzpaketen. Man sollte unbedingt genau die Konditionen und Bedingungen lesen, bevor man bucht“, sagt Reiserechtsanwalt Degott.

Wie komme ich aus einem Virusvarianten­gebiet zurück?

Im Fall Portugal haben Veranstalter wie Olimar oder Tui ihren Gästinnen und Gästen angeboten, sie vor Beginn der Quarantäne­regelung nach Deutschland zurück­zufliegen. Wenn der Urlaub in solchen Fällen verkürzt wird, bekommt man eventuell einen Teil des Reisepreises erstattet, verpflichtet dazu sind Reise­veranstalter aber nicht. Sie müssen auch nicht die Mehrkosten für teurere Rückflüge übernehmen, so Degott. Im Fall Portugal handle es sich um einen „eigenverantwortlichen Reiseabbruch“ auf Wunsch der Kunden oder Kundinnen, um die Quarantäne in Deutschland zu vermeiden. Der Urlaub vor Ort wäre aber weiterhin ohne große Einschränkungen möglich.

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Der Anteil der ansteckenderen Variante an den Infektionen in Deutschland hat sich nach Daten des Robert Koch-Instituts innerhalb einer Woche verdoppelt.  © Reuters

Wer individuell reist, muss sich grundsätzlich selbst um einen früheren Rückflug kümmern und dafür auch die Kosten tragen – zumindest für Differenzen beim neuen Flugpreis.

Teure Rückflüge aus Virusvarianten­gebiet: Ist das überhaupt rechtens?

Ja, das ist rechtens. Der Sachverhalt lässt sich auch einfach erklären: „Der Markt reguliert den Preis“, sagt Degott. Die Systeme würden bei starker Nachfrage automatisch die Ticketpreise nach oben schieben. Im Fall Portugal waren die wenigen Plätze auf Rückflügen nach Deutschland knapp, daher stiegen die Preise. Hinzu kommt, dass Einzelflüge generell teurer als Hin-und-Rückflug-Pakete sind.

Was bedeutet die Quarantäne für die Arbeit?

Wenn wie im Fall Portugal das Ziel erst während des Urlaubs zum Risikogebiet erklärt wird, dann trifft die Reisenden keine Schuld daran, dass sie in Quarantäne müssen. Das heißt: Sie haben auch einen Anspruch auf eine normale Vergütung, schreibt das Personalmagazin „Haufe“. Anders sieht es aus bei Menschen aus, die wissentlich in ein Risiko-, Hochinzidenz- oder Virusvarianten­gebiet fahren, um Urlaub zu machen. In diesen Fällen „steht den Arbeitnehmern kein Entgeltfort­zahlungs­anspruch gemäß § 616 BGB zu“. Für Reisende, die in einem einfachen Risikogebiet Urlaub machen, fällt dank gelockerter Einreiseregeln allerdings nur in seltenen Fällen Quarantäne an: Für Geimpfte, Genesene, negativ Getestete und Kinder unter sechs Jahren wurde die Quarantänepflicht aufgehoben.

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