Urlaub in Deutschland boomt – auch im Jahr 2022?

  • Urlaub im eigenen Land ist 2021 schwer angesagt.
  • Doch dieser Trend werde sich nicht automatisch fortsetzen, mahnt der Tourismusverband DTV.
  • Um die Branche zukunftsfest zu machen, sieht er nicht nur die künftige Koalition in der Pflicht.
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Der Tourismus in Deutschland erholt sich zunehmend vom schweren Einbruch in der Corona-Krise. „Vor allem an der Küste und in den Alpen ist der Sommer sehr gut gelaufen, und auch im Herbst sehen wir dort hohe Buchungszahlen“, sagte der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) Reinhard Meyer am Dienstag beim Deutschen Tourismustag in Berlin.

Ein starker Sommer – aber nicht für alle

Im August stiegen die Übernachtungszahlen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat kräftig, um 13,4 Prozent. Auf dem Vorkrisenniveau sei der Deutschlandtourismus damit zwar noch nicht wieder angekommen – „aber ein Minus von 3,1 Prozent im Vergleich zum August 2019 ist verkraftbar“, so der DTV-Präsident. Die Zahl der Übernachtungen von Gästinnen und Gästen aus dem Inland lag dem Statistischen Bundesamt zufolge sogar 8,2 Prozent höher. Dies zeigt einen starken Trend zum Urlaub im eigenen Land während der Corona-Krise. Die Zahl der Übernachtungen von Besucherinnen und Besuchern aus dem Ausland lag hingegen noch immer 52,7 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

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In den ersten Monaten des Jahres sah die Lage noch düster für die Branche aus, wegen der Pandemie galt in einigen Bundesländern teilweise bis Juni ein Übernachtungsverbot für touristische Reisende. Insgesamt fällt das Minus damit auch satter aus: Von Januar bis einschließlich August wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 15 Prozent weniger Übernachtungen als im Vergleichszeitraum 2020 gezählt.

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Bei jeder kleinen Öffnung habe sich dann gezeigt: „Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen“, so Meyer. Profitieren konnten und können davon vor allem Outdoorziele: „Alles, was mit Camping und Reisemobilen zu tun hat, was in den Bergen oder am Wasser ist.“ Sorgenkind bleibt der Städtetourismus, dort fehlten Messe und Veranstaltungen.

„2022 kommen wieder Touristen aus dem Ausland“

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Eine Prognose, ob der Inlandstourismus 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen könnte, wagte Meyer am Dienstag nicht. Die Lage werde sich jedoch abhängig von der Entwicklung der Pandemie an zwei Stellen normalisieren. Zum einen lag 2021 erneut der Urlaub im eigenen Land im Trend – auch aufgrund von Reisebeschränkungen. Im nächsten Jahr dürfte es wieder mehr Menschen ins Ausland ziehen. Aber: „Dafür werden umgekehrt auch wieder Touristen aus dem Ausland nach Deutschland kommen – das dürfte sich ein wenig ausgleichen“, prognostiziert Meyer.

Warnung vor allgemeinen Preiserhöhungen

Die Deutschen langfristig für einen Urlaub im eigenen Land zu interessieren, hängt nach Meinung des DTV-Präsidenten auch viel mit dem Preis-Leitungs-Verhältnis und der Qualität zusammen. Der DTV-Präsident rief die Reisebranche dazu auf, die Balance zu wahren. Preise zu erhöhen, um die Umsatzeinbußen infolge der Pandemie zügig zu kompensieren, sei zu kurz gedacht. Reisende würden schnell abwandern, wenn sie sähen, dass sie andernorts das gleiche Angebot günstiger haben können. Umgekehrt seien die Kundinnen und Kunden aber bereit, bestimmte Preise zu zahlen – „wenn denn die Qualität stimmt.“

Und hier gibt es offenbar vielerorts einiges zu tun. Aus Sicht des Verbandspräsidenten ist der Modernisierungsdruck durch die Pandemie deutlich gestiegen, Kundenwünsche würden sich nachhaltig ändern. „Notwendig sind Investitionen in die touristische Infrastruktur und in Betriebe.“

Bereits im September hatte Meyer etwa den Bau des „Baltic Island Eco Resort“ auf Rügen kritisiert. Dort sollen 2300 Betten in einem naturnahen Raum entstehen, es gilt als eines der größten touristischen Projekte Europas. „Als das vor 20 Jahren geplant wurde, fanden es alle toll. Heute sehen wir, was solche Großprojekte an Problemen mit sich bringen können“, sagte Meyer im Gespräch mit dem RND. Durch die Corona-Pandemie würden Reisewünsche noch individueller, die Menschen suchten die Nähe zur Natur. „Da muss man schon fragen, ob das noch zeitgemäß ist oder ob es nicht anderer Unterkünfte bedarf.“

Forderungen an die neue Bundesregierung

Von der künftigen Bundesregierung fordert der DTV eine nationale Tourismusstrategie sowie einen Beauftragten der Bundesregierung, der ausschließlich für Tourismus zuständig ist. Ein fester Staatssekretärsausschuss müsse künftig vor allem für eine bessere Koordination der Tourismusthemen zwischen den Bundesressorts sorgen. Eine Branche mit fast drei Millionen Arbeitsplätzen müsse in der künftigen Wirtschaftspolitik besser berücksichtigt werden. „Sollten Rettungshilfen im Herbst oder Winter weiter notwendig sein, darf sich die neue Bundesregierung einer Verlängerung des Kurzarbeitergeldes und der Überbrückungshilfen nicht verweigern“, so Meyer.

Der DTV-Präsident forderte zudem mehr Flexibilität bei den 2G- und 3G-Regeln – nicht zuletzt, um das Veranstaltungsgeschäft, das so wichtig für den Städtetourismus ist, wieder in Gang zu bringen. Die Veranstalter könnten selbst am besten entscheiden, welche Konzepte sich für sie eignen.

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