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So bereitet sich Sylt auf die dritte Corona-Sommer-Saison vor

Urlaub auf Sylt ist nach der langen Corona-Zwangspause wieder möglich. (Symbolbild)

Im dritten Corona-Sommer erwartet Sylt erneut viele Touristinnen und Touristen.

Die Corona-Pandemie geht ins dritte Jahr, doch die Nordseeinsel Sylt ist optimistisch. „Wir gehen von einem hohen Aufkommen an Tourismus aus, die Vorbereitungen laufen“, sagt Sylt-Marketing-Chef Moritz Luft. Die Buchungen für den kommenden Sommer, den dritten in der Pandemie, sind laut Raphael Ipsen nicht schlecht, sie liegen über dem Durchschnitt von vor der Pandemie. „Das macht vielen in der Tourismusbranche Hoffnung“, so der zweite Vorsitzender des Dehoga Sylt. Denn viele Urlauber seien noch skeptisch und unsicher, was eine Auslandsreise angeht.

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Davon könnte Sylt nach 2020 und 2021 erneut profitieren. Denn nach wie vor sind mehr als 100 Länder als Hochrisikogebiete klassifiziert. Das Aufkommen der Omikron-Variante zeigte zudem, wie schnell Grenzen dichtgemacht und Flugverbindungen eingestellt werden können. Aber zur Realität im Reisesommer 2022 gehört auch: Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahren stehen wieder mehr Reiseziele zur Verfügung. Wer im letzten Sommer urlauben wollte, konnte 2021 weder in die USA, nach Kanada, Thailand oder Australien. All das wird in diesem Jahr wohl wieder möglich sein.

Deutschlandurlaub wurde in der Corona-Pandemie zum Trend

„Wir gehen in das dritte Corona-Jahr ohne Prognosen“, so Luft. Doch die vergangenen beiden Jahren hätten gezeigt, dass Deutschlandurlaub im Trend sei. Auch wenn Sylt weit entfernt ist von den Übernachtungszahlen von vor der Pandemie, immerhin bleiben die Reisenden, die kommen, im Durchschnitt nun länger. Kamen 2019 758.021 Touristinnen und Touristen nach Sylt, waren es im Jahr danach nur 373.445. Für 2021 sind die Zahlen noch nicht ausgewertet, sie sind aber wohl trotz des Lockdowns zu Jahresbeginn gestiegen.

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„Es ist sehr spannend, das flexible Buchungsverhalten zu beobachten“, sagt Luft. Er rechnet auch 2022 wieder mit einigen kurzfristigen Buchungen – je nach Corona-Lage und Tourismusaufkommen an anderen Orten in Deutschland. „Wir gehen von einer erfolgreichen Saison aus – und von Spontanbuchungen, wenn Länder als Risikogebiete eingestuft werden und als Reiseziel im Ausland wegfallen“, sagt auch Ipsen.

Hochinzidenzgebiet Sylt: Wie die Insel mit der Corona-Lage umgeht

Sylt hat am Mittwoch 480 Corona-Infektionen und 617 Insulaner in Quarantäne. Im Krankenhaus wird niemand wegen Corona behandelt.

Sylt glaubt nicht an Imageschaden nach Corona-Ausbruch

Die Buchungszahlen für den Sommer seien Grund für Optimismus, heißt es auf Sylt – obwohl die Nordseeinsel in den vergangenen Wochen eher negative Schlagzeilen machte. Von einer Inzidenz von 1500 war Anfang Januar die Rede, vom Corona-Hotspot Deutschlands. Doch die Nordseeinsel hatte dabei gleich mehrfach Glück: Zum einen gab es keine schweren Verläufe, zum anderen traf die Omikron-Welle Sylt zur absoluten Nebensaison. Und: „Die Insel hat ein dickes Fell“, sagt Tourismus-Chef Luft. Was er damit meint: Immer wieder trifft negative Berichterstattung Sylt, „das ist schon ärgerlich, wenn falsche Informationen im Umlauf sind.“ Einige würden sich fragen, ob es sicher sei, nach Sylt zu kommen.

Dennoch: Moritz Luft glaubt nicht, dass sich die Schlagzeilen von Anfang Januar auf das Tourismusjahr auswirken werden. Bisher kam Sylt vergleichsweise gut durch die Pandemie, die Infektionszahlen waren bis auf den Omikron-Ausbruch nach Weihnachten immer niedrig, es gab in zwei Pandemiejahren nur wenige stationäre Fälle. Alle paar Meter finden sich in Westerland auf Sylt ein Testzentrum, wie überall im Land können Menschen kostenlose Bürgertests machen.

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Sylt testet weiter – um den Tourismus zu retten

„Die Testbereitschaft ist auf Sylt hoch“, sagt Dehoga-Mann Ipsen. Im vergangenen Frühjahr war Sylt eine der ersten Destinationen innerhalb Deutschlands, die im Zuge der Modellregion für Touristinnen und Touristen öffnete. „Das Bewusstsein bei allen ist hoch, wir wollen die Läden offen halten“, sagt Ipsen. Ähnlich wie auf Föhr, Amrum und Helgoland seien Testkonzepte ausgearbeitet worden. „Der Tourismus ist die Leitökonomie auf Sylt“, sagt Ipsen, „jeder hier auf der Insel lebt oder profitiert vom Tourismus.“ Deshalb sei die Bereitschaft groß, strengere Regeln zu akzeptieren, um dafür sicheren Tourismus zu bieten.

Weißer Sandstrand, viel Natur: Sylt ist bei Urlaubenden auch 2022 beliebt.

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Die Hochphase der Omikron-Welle ist aber ohnehin bereits abgeklungen, rechtzeitig zum nächsten Highlight auf Sylt: Dem Biikebrennen am 21. Februar. Die Planungen sind quasi beendet, die großen Feuer werden wieder digital zu erleben sein – aber auch für Besuchende vor Ort werden wohl einige der Feuer zugänglich sein. Nach der Biike wird es wieder ruhiger, bis zu Ostern die Saison eingeläutet wird.

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Auf Sylt wird an Konzepten zur Besucherlenkung gearbeitet

Auf Sylt entwickelt man gerade Konzepte, um im Sommer rechtzeitig und flexibel auf mögliche Corona-Einschränkungen reagieren zu können. Zudem rückt ein altes Thema wieder in den Fokus: die Besucherlenkung. Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatten gewisse Orte in Deutschland saisonal mit Overtourism zu kämpfen. Während der Pandemie wurde die Problematik noch einmal verstärkt, da an Stränden und beliebten Touristenhotspots Abstandsregeln eingehalten werden mussten.

Wie auch im vergangenen Jahr müssen Urlaubende wohl mit Corona-Ampeln rechnen, die anzeigen, wie voll es an einem Ort aktuell ist. „Sylt ist weit weg von Overtourism, aber es gibt Zeiten, wo es sehr voll ist. Wir haben eine echte High Season“, sagt Ipsen. So werden zwar Übernachtungsgäste erfasst, aber Menschen, die bei Sonnenschein und Hitze beschließen, für einen Tag auf die Insel zu kommen, gehen nicht in die Statistik mit ein. Wer einen Strandkorb möchte und die Auswahl an Unterkünften, sollte also zeitig buchen.

Einen Nachteil bringt Deutschland in Sachen Tourismus aber doch mit. Denn während vielerorts im Ausland einheitliche Regeln gelten, entscheiden in Deutschland die Bundesländer und teilweise sogar einzelne Landkreise, Kommunen oder Orte über die Corona-Maßnahmen. „Es ist eine Herausforderung für Gäste, herauszufinden, was wann wo gilt“, sagt Ipsen. Auf Sylt haben sogar einige Gaststätten und Bars eigene Regeln, so müssen bei 2G-plus-Regelungen bisweilen auch Geboosterte einen aktuellen Corona-Test vorweisen.

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