Zum Impfen nach Guam: Pazifikinsel lockt Reisende mit besonderem Angebot

  • Für die kleine US-amerikanische Pazifikinsel Guam ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle.
  • Die Pandemie hat den Besuch für ausländische Reisende allerdings schwierig gemacht hat.
  • Deswegen hat sich Guam nun eine besondere Idee einfallen lassen: Die Insel lädt zum „Impfurlaub“ ein.
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Guam. Eine kleine Insel im Pazifik zeigt sich besonders erfinderisch, wenn es darum geht, den durch die Pandemie lahmgelegten Tourismus wieder zum Leben zu erwecken. Guam hat seine Türen für ausländische Reisende geöffnet, die während ihres Urlaubs einen Covid-19-Impfstoff erhalten möchten.

Hotels und Reisebüros sowie andere Tourismuspartner bewerben seit Ende Juni die sogenannten Air-V&V-Guam-USA-Angebote, wobei V&V für „Vaccination and Vacation“ steht, was so viel bedeutet wie „Impfung und Urlaub“. Reisende müssen dafür vorab geschnürte Reisepakete buchen, die sowohl den Hotelaufenthalt als auch den Transport zum und vom Flughafen und eine Covid-19-Impfung am zweiten Urlaubstag beinhalten. Je nach gewähltem Impfstoff kann ein Reisender dann zwischen drei und 32 Tagen oder auch länger auf Guam bleiben.

Guam: Stützpunkt für amerikanische Streitkräfte

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Guam ist ein US-Außenterritorium. Ihre Lage im Westpazifik macht die Insel zu einem wichtigen Stützpunkt für die amerikanischen Streitkräfte. Denn Guam ist näher an Japan und Korea als am amerikanischen Festland gelegen. Die schönen Sandstrände und eine tropische Pflanzenwelt machen die Insel zudem zu einem beliebten Urlaubsziel – vor allem für Urlauber und Urlauberinnen aus Ostasien.

Dass Guam aus brenzligen Situationen wie der derzeitigen Pandemie „das Beste herauszuholen“ versucht, verwundert nicht, wenn man in die Vergangenheit blickt. Auch 2017 zeigten sich die knapp 170.000 Inselbewohner und Inselbewohnerinnen schon erfinderisch. Damals geriet die Insel nicht zuletzt wegen ihres Militärstützpunktes ins Kreuzfeuer eines rhetorischen Schlagabtauschs zwischen dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

Nach gegenseitigen Provokationen drohte Nordkorea, Mittelstreckenraketen ins Meer vor Guam zu schießen und die Insel mit „Feuer umschließen“ zu wollen. Doch während das Heimatschutzministerium bereits Informationsblätter für den Fall eines Nuklearangriffs auf der Insel veröffentlichte, bewarben Trump und der Gouverneur der Insel diese in einem Telefonat als Urlaubsziel. Guam sehe „wie ein wunderschöner Ort aus“, schwärmte der Ex-Präsident, während der Gouverneur Guam als ein „Paradies“ beschrieb.

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Behörde lockt mit Chance auf 10.000 US-Dollar

Laut der lokalen Zeitung „The Guam Daily Post“ ist die Priorität Guams trotz des Impfangebots für Reisende nach wie vor, so viele Einwohner und Einwohnerinnen wie möglich vollständig gegen Covid-19 zu impfen, um eine Herdenimmunität von 80 Prozent zu erreichen. Am 18. Juli meldete die lokale Gesundheitsbehörde, dass über 78 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft seien, und forderte die verbleibenden 2100 Menschen über Facebook auf, sich so schnell wie möglich auch noch impfen zu lassen. Wer sich noch vor dem 21. Juli impfen ließ, der konnte an einer Verlosung teilnehmen und 10.000 US-Dollar oder ein neues Auto gewinnen.

Gleichzeitig wolle man aber „den Impferfolg Guams“ auch mit anderen „teilen“, wie Krystal Paco-San Agustin, die Kommunikationsdirektorin des Gouverneurs von Guam, der lokalen Zeitung sagte. Sie betonte, dass Guam den Impftourismus nicht nur gestartet habe, um wieder Besucher und Besucherinnen auf der Insel willkommen zu heißen, sondern auch aus humanitären Gründen. „Der Präsident hat wiederholt erklärt, dass es einer globalen Reaktion bedarf, um eine globale Pandemie zu bekämpfen“, sagte sie mit Verweis auf US-Präsident Joe Biden. Guam habe keine Probleme mit der Versorgung von Covid-19-Impfstoffen und könne den Impfstoff deswegen mit Reisenden teilen.

Betriebsausflug zum Impfen

Besonders gut scheint das neue Programm bisher bei Urlaubern und Urlauberinnen aus Taiwan anzukommen. Laut der Webseite Focus Taiwan hatte ein großes Reisebüro dort bereits Anfang Juli Hunderte Touren nach Guam verkauft. In Taiwan selbst läuft die Impfkampagne schleppend an. Seit Beginn des Impfprogramms Ende März haben weniger als fünf Millionen Menschen oder rund 20 Prozent der 23,5 Millionen Einwohner eine Dosis des Astrazeneca- oder Moderna-Impfstoffs erhalten.

Nur rund 125.000 Menschen oder 0,53 Prozent der Bevölkerung haben bereits beide Dosen bekommen. In Guam können die Reisenden zwischen dem Biontech/Pfizer-, Moderna- und Johnson & Johnson-Impfstoff wählen. Laut einer Presseerklärung der Tourismusbehörde von Guam waren die ersten Besucher und Besucherinnen aus Taiwan hundert Angestellte der Firma Adata Technology, die von der Firma gesponsert wurden, um sich im Urlaub impfen zu lassen.

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