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Touristiker ziehen Bilanz aus Osterferien: Wie steht es nun um Reisen zu Pfingsten?

  • Das Geschäft zu den Osterferien ist für die Tourismusbranche normalerweise der erste richtige Saisonhöhepunkt.
  • Nun ist es bereits zum zweiten Mal in Folge ausgefallen. Einnahmen in Millionenhöhe fehlen.
  • Touristiker hoffen daher auf Lockerungen zu Christi Himmelfahrt und Pfingsten – mit verbesserten Corona-Maßnahmen.
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Bereits das zweite Jahr in Folge ist nun das Ostergeschäft für Hoteliers, Ferienhausvermieter und andere Anbieter sowie Leistungsträger ausgefallen. Denn wie im Frühjahr 2020 waren aufgrund der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr zu Ostern die Beherbergung von Touristen verboten. Einige Schlupflöcher gab es aber: Dauercamper, Zweitwohnungsbesitzer und Vermieter von Ferienwohnungen konnten ein Stück Urlaubsfeeling genießen. Alle anderen Urlauber mussten sich mit einem Tagesausflug begnügen oder durften wie in Mecklenburg-Vorpommern (MV) erst gar nicht einreisen. Welche Bilanz ziehen die Touristiker nun aus dem sonst wo wichtigen Ostergeschäft?

„Da weder Übernachtungsreisen noch tagestouristische Reisen nach MV möglich waren, hat es sozusagen keinen Tourismus über die Osterferien und Ostertage gegeben. Im Vergleich zu einem normalen Jahre sind somit Umsätze von bis zu 100 Millionen Euro nicht zustande gekommen“, sagt Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V., gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Normalerweise sei Ostern der erste richtige Saisonhöhepunkt, wodurch etwa eine Viertelmillion Menschen im Land unterwegs seien. „Die konnten nun nicht anreisen, konsumieren und haben dementsprechend auch nichts umgesetzt“, so Woitendorf.

Umsätze in Millionenhöhe auch an der Nordsee und im Harz verloren

Auch Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH spricht von verlorenen Umsätzen in Millionenhöhe und von der Ostfriesische Inseln GmbH in Niedersachsen heißt es: „Der Wegfall des Ostergeschäfts ist für eine Region, die ausschließlich vom Tourismus lebt, dramatisch.“ Die Osterferien seien die erste wichtige Zeit, um das finanzielle Polster für den kommenden Winter aufzubauen. Das gelinge nun wieder nicht.

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Durch den Lockdown seit November 2020 müsse die Tourismuswirtschaft in SH rechnerisch bereits jetzt mit einem Verlust von rund 2,5 Milliarden Euro brutto zurechtkommen. Laut dem Harzer Tourismusverband beendete der Harz das Tourismusjahr 2020 mit einem Rückgang der Übernachtungszahlen um rund 35 Prozent. Mit Blick auf den Gesamtbruttoumsatz seien damit Ausfälle von über 700 Millionen Euro verbunden. Bis Ende April würden die Harzer Tourismusbetriebe in normalen Jahren zwischen 25 und 30 Prozent der Übernachtungszahlen des Gesamtjahres generieren. „Die damit verbundenen Umsätze sind für 2021 bereits unwiederbringlich verloren – ein Ende ist nicht in Sicht“, so der Harzer Tourismusverband.

Kein Reiseansturm im Norden, aber illegale Touristen in Mecklenburg-Vorpommern

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Die wenigen Dauercamper, Zweitwohnungsbesitzer und Tagesgäste in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen hätten als Selbstversorger für die Tourismusbranche keinen wirtschaftlichen Schwung gebracht. In Mecklenburg-Vorpommern wurden hingegen Hunderte Touristen von der Polizei an der Einreise gehindert. Denn: Dort besteht für Reisende aus anderen Bundesländern seit Längerem ein Einreiseverbot. Dennoch schafften es einige Touristen illegal an ihr Reiseziel. Unter Berufung auf den Leiter des Ordnungsamtes im Amt Usedom Nord, Bernd Meyer, berichtet die „Ostsee Zeitung“ von rund zehn Fällen über die Osterfeiertage. In zwei Fällen seien es Camper gewesen, die mit ihrem Wohnmobil illegal am Straßenrand übernachteten. Die anderen Urlauber seien in privat vermieteten Ferienwohnungen entdeckt worden.

Das seien aber nur Einzelfälle, ist sich Woitendorf sicher. Er sieht die Aufklärungspflicht über das Einreiseverbot weiterhin bei den Ordnungsbehörden und nicht bei den Einwohnern. „Einige Bürger denken zwar, Sie können Touristen anhand von auswärtigen Kennzeichen ersehen, aber dem ist nicht immer so. Zugezogene könnten auch ein anderes Kennzeichen haben, ebenso wie Besucher der Kernfamilie, denen die Einreise erlaubt ist.“

Tourismus an Himmelfahrt und Pingsten – wie steht es um Öffnungen?

Gleichzeitig warnt er, dass jene, die die Regelungen unterlaufen, mögliche Öffnungen gefährden könnten, indem ihr Agieren zu einem weiteren Infektionsgeschehen führt oder das Vertrauen der Politik zu weiteren Öffnungsschritten minimiert. Auch, wenn derzeit wohl die Aussicht auf Öffnung nicht zur Debatte stehe, glaubt Woitendorf daran, dass der Tourismus zu Himmelfahrt und Pfingsten wieder anlaufen könnte. „Viele Touristiker hoffen auf eine wiederholende Geschichte wie im vergangenen Jahr. An Himmelfahrt 2020 konnte der Tourismus mit Einheimischen starten und dann etwa zu Pfingsten auch mit Gästen aus anderen Bundesländern.“

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Wenn es dann wieder losgeht, wolle die Branche an den hohen Hygienestandards des vergangenen Jahres anknüpfen beziehungsweise sie noch weiter verbessern. So könne beispielsweise in den öffentlichen Bereichen die Pflicht einer medizinische Mund-Nasen-Bedeckung eingeführt werden. Vielleicht sogar in den Außenbereichen der Hotellerie. „Auch die Kontaktnachverfolgung per App wird ein Thema. Da setzt MV auf die App Luca“, so Woitendorf. Als dritten Punkt nennt er das Thema Testen, das seitens der Politik neu definiert werden könnte. „Es bleibt abzuwarten, ob aus der freiwilligen Verpflichtung der Unternehmen eine verbindliche Verpflichtung werden könnte. Beispielsweise wie in den Schulen mit Schnelltest.“ Auch für Gäste könne ein Corona-Test zur Voraussetzung werden.

Schleswig-Holstein: Touristische Modellregionen sollen Erkenntnisse für Öffnungsstrategien ergeben

Schleswig-Holstein legt derzeit die Hoffnung auf die touristischen Modellregionen, die unter wissenschaftlicher Begleitung gesammelt werden und weitere Erkenntnisse für eine Öffnungsstrategie ergeben. „Es wäre gut, wenn so belegt werden kann, dass zum Beispiel mit einer umfassenden Testung vor Reiseantritt und am Urlaubsort sowie der weiterhin wichtigen Einhaltung der AHA-Regeln ein Aufenthalt sicher möglich ist. Wenn dann auch noch der Anteil der Geimpften unter Gästen und Einheimischen permanent zunimmt, ist das ein positives Signal“, sagt Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH.

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Tourismuschef von Timmendorfer Strand: „Perspektive für nächsten Tage und Wochen für uns prägnant“
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Im Videointerview blickt Joachim Nitz, Tourismuschef von Timmendorfer Strand, auf die Lage an Ostern zurück – und fordert von der Politik klare Perspektiven.  © RND

Die Öffnung des Übernachtungstourismus in ausgewählten Modellregionen von Schleswig-Holstein findet frühestens ab 19. April statt. Allerdings können alle geplanten Öffnungsschritte nur realisiert werden, wenn eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 in den ausgewählten Modellregionen erreicht wird und es die Landesverordnungen zulassen. „Wichtig bleibt nach wie vor, dass die Inzidenzzahlen möglichst niedrig sind, die Impfungen weiter Fahrt aufnehmen und systematische Teststrategien umgesetzt werden, um einen sicheren Tourismus zu ermöglichen“, so Bunge gegenüber dem RND.

Öffnungen im Tourismus: Harz hofft auf zügige Entscheidungen der Politik

Wie auch immer die Regelungen für die kommenden Wochen in Niedersachsen aussehen mögen, die Tourismusakteure im Harz wünschen sich eine zügige Entscheidung seitens der Politik. „Wenn man schon im Vorfeld zwei Wochen lang über einen möglichen zwei oder drei Wochen andauernden Brückenlockdown diskutiert, läuft der Branche erneut die Zeit davon“, sagt Carola Schmidt, Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes. Die Hoffnung auf Öffnungen im April schwindet. Aber auch ein möglicher Start im Mai braucht Vorbereitung. Daher ist nun ein schnelles, konsequentes Handeln nötig.

„Die Menschen sehnen sich nach Auszeiten, Erlebnissen, Urlaub und Erholung. Wenn wir nicht bald ein Licht am Ende des Tunnels sehen und mit klugen Konzepten den Tourismus in Deutschland wieder an den Start bringen können, werden zahlreiche Angebote vom Markt verschwinden“, so Schmidt. Neben Aspekten wie Lebensqualität und Freizeit gehe es um einen wichtigen Wirtschaftszweig mit mehreren Millionen Arbeitsplätzen.

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