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Unesco-Welterbe als Tourismusmagnet: Komitee streicht Liverpool von der Liste

Die Unesco hat der Hafenstadt Liverpool die Auszeichnung als Weltkulturerbe entzogen.

Liverpool.Die nordenglische Hafenstadt Liverpool spielte bei der Entwicklung Großbritanniens eine entscheidende Rolle: Im 18. und 19. Jahrhundert war die Stadt eines der bedeutendsten Handelszentren der Welt. Bis heute können sich Urlauber und Urlauberinnen an sechs Orten im historischen Zentrum und im Hafengebiet Liverpools ein Bild davon machen. Diese Orte wurden 2004 auf die Welterbeliste genommen.

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Nun hat das Unesco-Komitee entschieden, dass der Stadt der Status als Weltkulturerbe wieder entzogen wird. Der Grund: Zahlreiche Bauprojekte hätten laut Unesco dazu geführt, dass Liverpool seinen Charakter verloren habe, der ausschlaggebend zur Einstufung als Welterbe gewesen sei. Dem Wildreservat Selous in Tansania, in dem ein Damm gebaut werden soll, wurde der Status als Welterbe entgegen aller Erwartungen nicht entzogen. Das Reservat bleibt aber auf der Liste bedrohter Stätten.

Liverpool bereits seit 2012 gefährdete Stätte

Die Entscheidung des Komitees, Liverpool den Status als Weltkulturerbe zu entziehen, hatte sich bereits vor Jahren abgezeichnet: Wegen des Stadtentwicklungsprojekts „Liverpool Waters“, dem Bau von Hochhäusern, neuen Infrastrukurprojekten und dem geplanten Bau eines neuen Stadions für den Fußballclub FC Everton stand Liverpool bereits seit 2012 als maritime Handelsstadt auf der Liste gefährdeter Stätten.

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Da die Stadt nicht von ihren Plänen abweichen wollte, folgte nun der Entzug des Titels. Das zuständige Komitee für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation fällte die Entscheidung in einer Sitzung am Mittwoch. Laut „CNN“ reagierte die Bürgermeisterin von Liverpool, Joanne Anderson, „enttäuscht und besorgt“ auf die Entscheidung des Komitees. Sie halte diese für „völlig falsch“.

Unesco-Welterbetitel wurde bislang dreimal aberkannt

Neben Liverpool haben bislang erst zwei andere Welterbestätten ihren Status als Weltkulturerbe verloren: das Dresdner Elbtal und das Wildschutzgebiet der Arabischen Oryx in Oman. Das Elbtal verlor 2009 seinen Status wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke, in Oman war 2007 die Verkleinerung des Wildschutzgebiets für die vom Aussterben bedrohten Arabischen Oryxantilopen der ausschlaggebende Grund.

Als gefährdet gelten derzeit hingegen mehr als 50 Stätten: Einer der Gründe dafür ist laut der Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, der Klimawandel. „Die Klimakrise ist zu einem der größten Risiken für Welterbestätten geworden und könnte dazu führen, dass wir manche von ihnen für immer verlieren“, sagte sie vor dem Start der 44. Sitzung des Unesco-Welterbekomitees am vergangenen Freitag. Weitere Gründe für die Gefährdung seien bewaffnete Konflikte und der Massentourismus.

Bedrohtes Weltkulturerbe Venedig: Italien gibt Druck durch Unesco nach

Und wegen eben diesem Massentourismus drohte die Unseco, auch Venedig auf die „Rote Liste“ derjenigen Städte zu setzen, die den Status als Weltkulturerbe verlieren könnten. Neben dem Massentourismus und der damit einhergehenden Abwanderung der Einheimischen bemängelte die Unesco auch den Umstand, dass sich Kreuzfahrtschiffe der Piazza San Marco und dem Dogenpalast bis auf wenige Meter annähern könnten. Die durch die Schiffe entstehenden Wellen würden den Fundamenten der Stadt schaden.

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Italien knickte unter dem Druck ein. Vergangene Woche gab Infrastrukturminister Enrico Giovanni bekannt, dass Kreuzfahrtschiffe das Becken von San Marco und den Canale della Giudecca nicht mehr passieren dürfen. Ab dem 1. August müssen Schiffe mit mehr als 25.000 Bruttoregistertonnen Gewicht, mehr als 180 Metern Länger oder mehr als 35 Metern Höhe einen Bogen um die Lagunenstadt machen und den Industriehafen Marghera anlaufen.

Australien: Klimawandel bedroht das Great Barrier Reef - und seinen Welterbetitel

Auch Australien bemüht sich, dass das vom Klimawandel bedrohte Great Barrier Reef nicht in die Liste der gefährdeten Naturstätten aufgenommen wird. Wie der „Stern“ berichtet, hat das Land einen Änderungsvorschlag eingebracht, um die für Freitag geplante Entscheidung des Komitees auf 2023 hinauszuzögern und einen Imageschaden vorerst abzuwenden.

Das weltgrößte Riff mit einer Ausdehnung von mehr als 340.000 Quadratmetern ist als Folge des Klimawandels durch warmes Wasser und Korallenbleibe bedroht. Laut Unesco haben sich die langfristigen Aussichten des Naturwunders von „schlecht“ zu „sehr schlecht“ entwickelt.

RND/jaf

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