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  • Türkei-Urlaub: Hochrisikogebiet ab 17. August – warum trotzdem so viele Reisende?

Die Türkei wird Corona-Hochrisikogebiet – doch die meisten Reisenden sehen das entspannt

  • Die Bundesregierung stuft die Türkei ab dem 17. August als Hochrisikogebiet ein.
  • Nicht geimpfte und nicht genesene Reisende müssen dann bei ihrer Rückkehr für mindestes fünf Tage in Quarantäne.
  • Viele Urlaubende sind allerdings bereits geimpft oder nehmen die Quarantäne gern für einen entspannten Urlaub in Kauf.
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Mitten in den Sommerferien stuft die Bundesregierung die Türkei als Hochrisikogebiet ein. Die Folge: Ab dem 17. August müssen Reiserückkehrende, die nicht geimpft und nicht genesen sind, für mindestens fünf Tage in Quarantäne.

Besonders bei Familien mit Kindern, die noch nicht geimpft sind, kann es deshalb schwierig werden. Denn während für bereits geimpfte Eltern die Quarantänepflicht entfällt, müssen auch Kinder unter zwölf Jahren nach dem Urlaub für fünf Tage in Isolation – dann endet die Pflicht automatisch. Reisende ab zwölf Jahren können sich nach dem fünften Tag freitesten. Doch zahlreiche Urlaubende stört die neue Einstufung überhaupt nicht.

Familienurlaub in der Türkei – diese Familie traut sich

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Beispielsweise lässt sich Urlauberin Maria Fritsche nicht von ihrem Urlaubsstart abhalten. Sie habe sich bereits vor der Buchung mit den Corona-Regeln und der Inzidenz in der Türkei beschäftigt und sei deshalb über die Einstufung nicht überrascht. Mit ihrer Familie fliegt sie genau am Dienstagmorgen, wenn die Türkei bereits als Hochrisikogebiet gilt, aus Hannover nach Antalya. „Meine Kinder sind eins und sieben – und mein Großer freut sich schon sehr“, sagt die zweifache Mutter dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Sie und ihr Ehemann sind geimpft, die Kinder sind es aber nicht. Dennoch entschieden sie sich: „Wenn es nur fünf Tage für die Kinder sind, dann nehmen wir es in Kauf. Immerhin fliegen wir jedes Jahr in die Türkei, nur im vergangenen Jahr hat es nicht geklappt. Dabei bedeutet für mich als Mama ein All-inclusive-Urlaub Erholung und Wettergarantie.“ Da sie bereits am 25. August wieder zurückkommen, sei ihr siebenjähriger Sohn pünktlich zum Schulstart wieder von der Quarantäne befreit. Also habe es keinen Grund gegeben, den Urlaub zu stornieren.

Auch für Marianne K. steht der Urlaub noch an. Sie fliegt am 29. August als Individualreisende in den Türkei-Urlaub. „Ich war nicht überrascht über die Einstufung, da es ja zuletzt auch Spanien und die Niederlande getroffen hat“, so die 62-Jährige, die in der Nähe von Düsseldorf lebt. Zwölf Tage will sie dort ausspannen. Da sie vollständig geimpft ist, gilt für sie die Quarantänepflicht bei der Rückkehr nicht.

Türkei ab Dienstag Hochrisikogebiet: Paar muss bereits vierten Urlaub stornieren

Andreas Hack hingegen muss wohl auf seinen langersehnten Urlaub in der Türkei verzichten. Gemeinsam mit seiner Frau wollte er eigentlich am 18. September nach Kizilot in Antalya fliegen. Doch nun kommt alles anders: „Wir werden stornieren, da meine Frau in Quarantäne müsste“, sagt der 53-Jährige aus der Region Frankfurt am Main. „Ich hab eigentlich keine Lust mehr auf Urlaub, dieser Impfzwang unserer Regierung geht mir auf den Zeiger. Diese Regelung ist doch Schwachsinn, selbst ich als Geimpfter kann andere anstecken.“

Für die beiden sei es bereits der vierte Urlaub, der aufgrund der Corona-Pandemie ins Wasser fällt. Er selbst sei geimpft, aber seine Ehefrau könne sich nicht impfen lassen. Zudem sei aus beruflichen Gründen eine fünftägige Quarantäne für sie nicht möglich. Nun planen die beiden einen Urlaub an der Ostsee. Sollten aber die Corona-Zahlen bis dahin wieder fallen, dann würden sie dennoch einen Last-Minute-Urlaub in der Türkei bevorzugen.

So reagieren Reisende und Einheimische auf die Einstufung

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Marco Weber aus der Nähe von Berlin befindet sich gerade mit seiner Partnerin im Türkei-Urlaub. Auch er habe sich vorab darüber informiert, was bei der Einstufung zum Hochrisikogebiet gilt. Daher habe die Nachricht keine großen Reaktionen bei ihnen hervorgerufen – ebenso wie in ihrem Urlaubsort Kumköy bei Manavgat. „Ehrlich gesagt merkt man hier gar nicht wirklich, dass sich etwas verändert hat. Weder bei Mitreisenden noch bei Einheimischen“, so der 30-Jährige. Da er und seine 27-jährige Partnerin geimpft sind, müssen auch sie nicht Quarantäne. Somit reisen sie regulär erst nächste Woche Freitag ab.

Auch Bernd Kufka ist bereits vor Ort. Der Rentner aus Deutschland lebt in der Türkei. Doch obwohl er nicht von der Einstufung der Türkei als Hochrisikogebiet betroffen ist, ärgert es ihn. „Ich wohne hier mit weiteren höher betagten Rentnern. Dabei kommen wir stets in Kontakt mit einheimischen Bürgern aller sozialen Schichten und Berufe – vom Koch über den Parkranger, bis zu der Therapeutin oder dem Betreuungspersonal. Alle sprechen gut die deutsche Sprache und haben auch ihre Erfahrungen und eine gute soziale Kompetenz. Mich stört die Einstufung dahingehend, wie zwischen unterschiedlichen Ländern differenziert wird. Man sollte vor der eigenen Haustür kehren“, so der Auswanderer.

Er fragt sich: Warum wird beispielsweise Griechenland nicht als Hochrisikogebiet eingestuft, obwohl die Inzidenz seit Wochen weit über 200 liegt? Das System dahinter könne er nicht nachvollziehen. Außerdem würden ihm die Betroffenen in der Tourismusbranche leidtun, die durch das ganze Hin und Her in ihrer Existenz bedroht seien. „Dieses Land braucht den Tourismus und die Menschen, die es schon fast wie ihre zweite Heimat sehen“, sagt er dem RND.

Wann wird ein Land als Hochrisikogebiet eingestuft?

Tatsächlich folgt die Einstufung als Hochrisikogebiete seit dem 1. August neuen Kriterien. Länder, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich über 100 liegt, werden seither als solche eingestuft. Außerdem wird die Ausbreitungsgeschwindigkeit, die Hospitalisierungsrate sowie die Positivrate der Corona-Tests für die Einstufungen hinzugezogen. Das könnte erklären, warum beliebte Urlaubs­destinationen wie Griechen­land trotz hoher Inzidenzen weiterhin von der Einstufung als Hochrisiko­gebiet verschont blieben.

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Auch die Sieben-Tage-Inzidenz der Türkei lag mehr als drei Wochen über dem Wert von 100, bevor die Bundesregierung das Land nun als Hochrisiko­gebiet einstuft. Zuvor landeten bereits unter anderem Spanien und Südfrankreich auf der RKI-Liste. Die Niederlande schaffte es trotz einer Inzidenz von über 100 von der Liste – derzeit liegt die Inzidenz bei 103,7. In der Türkei liegt dieser Wert derzeit bei 200,5 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Stand: 14. August).

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