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Trotz Aufschwung: Reiseverband rechnet 2021 mit 60 Prozent Verlust

  • Die Sommerferien stehen vor der Tür und das Reisegeschäft zieht dank niedriger Corona-Infektionszahlen wieder an.
  • Auch die Reisebüros sind mittlerweile bei Touristen und Touristinnen wieder stärker gefragt.
  • Trotzdem rechnet die Reisebranche 2021 mit großen Verlusten.
Jana Freiberger
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Die Corona-Pandemie hat die Tourismusbranche in die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt. Weltweit brach die Reisewirtschaft im vergangenen Jahr um 74 Prozent ein. In Deutschland waren es nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) sogar 80 Prozent – am Ende des Jahres fehlten in den Kassen 28 Milliarden Euro.

Und auch in diesem Jahr muss die Reisebranche mit hohen Verlusten rechnen. Im Vergleich 2019 sei derzeit gerade einmal rund ein Drittel der Buchungen getätigt worden, so Kerstin Heinen, Pressesprecherin des DRV auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland. Der Verband rechnet 2021 mit einem weiteren Umsatzverlust von 60 Prozent gegenüber dem Prä-Corona-Jahr 2019. Falls die Corona-Infektionszahlen wieder steigen und die Maßnahmen erneut verschärft werden, könnten die Einbußen noch höher ausfallen.

Reisebranche erholt sich langsam

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Doch aktuell sieht der Reiseverband Licht am Ende des Tunnels: „Wir hören, dass immer mehr Reisebüros Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zurückholen, die bislang in Kurzarbeit waren. Das Geschäft zieht wieder an“, so Heinen. Grund für die zunehmenden Buchungen sind hauptsächlich die stark gesunkenen Corona-Infektionszahlen in fast allen Reiseländern und der Beschluss der Bundesregierung, die Reisewarnung für Corona-Risikogebiete ab dem 1. Juli aufzuheben. „Grundsätzlich steht dem Urlaub zurzeit kaum noch etwas entgegen“, sagt Heinen.

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Ein wenig aufatmen können aber natürlich nur die Reisebüros, die es überhaupt bis hierhin geschafft haben. Die Frage, wie viele wegen Corona bislang insgesamt Insolvenz anmelden müssten, kann der Deutsche Reiseverband nicht genau beantworten. Die ganz große Insolvenzwelle sei aus Sicht des Verbands aber ausgeblieben.

Die Kooperation AER, in der gut 730 Reisebüros und 430 Reiseveranstalter organisiert sind, kann dies bestätigen: Im Kreis ihrer Mitglieder hätten im vergangenen Jahr 3 Prozent Insolvenz angemeldet. 0,6 Prozent davon hätten bereits im New Travel Reisebüro Vertrieb (NTRV) eine neue Heimat gefunden. „Im Grunde gab es daher tatsächlich nur 2,4 Prozent wirklich insolvenzbedingte Abgänge“, so Pressesprecherin Michaela Pinkenburg.

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Beratung im Reisebüro nach wie vor gefragt

Obwohl sich die Deutschen durch Corona gezwungenermaßen daran gewöhnt hatten, alle anfallenden Aufgaben und damit auch ihren Urlaub online zu regeln, scheinen Reisebüros nun wieder sehr gefragt zu sein. Nach Aussage des Reiseverbands werden aktuell wie bereits vor der Pandemie über 50 Prozent der Veranstalterreisen über das Reisebüro gebucht.

„Die Reisebüros punkten ganz klar mit ihrer Expertise“, so Heinen. Urlauber und Urlauberinnen setzten gerade in Zeiten wie diesen auf eine persönliche Beratung, da es vieles zu beachten gebe: Unter welchen Bedingungen kann ich in ein Land einreisen? Benötige ich einen Test? Wie sehen die Hygienebedingungen im Hotel aus?

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Kosten für Beratungen

Einige Touristikkonzerne lassen sich für ihre Expertise mittlerweile auch extra bezahlen und haben Beratungsentgelte eingeführt. Branchenprimus Tui etwa verlangt von seinen Kunden und Kundinnen seit Mitte Mai ein sogenanntes Serviceentgelt für die Zusammenstellung von detaillierten Angeboten, Leistungsvergleichen oder näheren Informationen zu Urlaubszielen.

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Auch DER Touristik und die FTI Group haben ihren Franchise-Büros empfohlen, Serviceentgelte zu erheben. Anfang Mai beobachteten einige Verbände und Experten diese Entwicklung mit Sorge. So bezeichnete etwa die Vorsitzende des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR), Marija Linnhoff, Anfang Mai die Erhebung von zusätzlichen Kosten als das „falsche Signal“ – gerade in der Krise.

DRV und AER äußern sich auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland differenziert: So sagt der Deutsche Reiseverband, dass jedes Reisebüro für sich selbst entscheiden müsse, ob es Service- oder Beratungsentgelte verlangen möchte. Die Kooperation AER erklärt, dass der Mehrwert von Beratung und Service durch Corona gestiegen sei und der AER deshalb davon ausgehe, dass künftig auch andere Reisebüros Gebühren von ihren Kunden und Kundinnen verlangen werden.

Flexible Umbuchungs- und Stornierungsgebühren

Urlauberinnen und Urlauber zieht es aber nicht nur wegen einer ausgiebigen Beratung in die Reisebüros, sondern auch wegen der aktuell sehr attraktiven Angebote. Um möglichst viele Reisende anzulocken, bieten viele Reiseveranstalter derzeit sehr flexible Umbuchungs- und Stornierungsoptionen an. So sollen Touristen und Touristinnen ihren Urlaub buchen können, ohne Angst haben zu müssen, auf den Kosten sitzenzubleiben.

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