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„Travel Risk Map“: Wie stark beeinflusst Corona die Reise-Risiken im Jahr 2021?

  • Wer reist, geht immer auch ein Risiko ein. Aber: In welchem Land ist es wie groß? Und welche Gefahren drohen überhaupt?
  • Antworten auf die Fragen gibt der Reisesicherheits­spezialist International SOS jedes Jahr in seiner großen „Travel Risk Map“.
  • Doch im Corona-Jahr 2020 ist die Analyse für die Experten schwierig.
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Wie hoch ist das Risiko für Reisende, bei Naturkatastrophen, politischen Unruhen oder einem Verkehrsunfall verletzt zu werden oder sich mit einem Virus zu infizieren? Und wie sieht dann am Reiseziel die medizinische Versorgung aus? Mit solchen Fragen beschäftigen sich Sicherheitsspezialisten von International SOS. Bei dem Dienstleister sichern Unternehmen ihre Mitarbeiter für Geschäftsreisen ab.

Die Experten kommen in ihrem aktuellen Risikoreport zu einer düsteren Einschätzung: Die Risiken für Reisende auf der ganzen Welt sind auf einem Fünfjahreshoch. Bei einer entsprechenden Umfrage gaben mehr als 1400 Fachleute mit Verantwortung für Geschäftsreisen an, dass die Gesundheits- und Sicherheitsrisiken für Mitarbeiter auf Geschäftsreisen um 79 Prozent gestiegen seien. Und mehr als die Hälfte erwartet, dass dies im Jahr 2021 weiter zunehmen wird. Nur im Jahr 2016 hatte die Einschätzung, die Risiken hätten zugenommen, einen ähnlich hohen Wert von 72 Prozent erreicht – damals hatten laut International SOS möglicherweise Terroranschläge an Orten, die zuvor als sicher gegolten hatten, im Vordergrund gestanden.

Reisen in Corona-Zeiten: So hoch ist das Risiko in den Ländern

Grund für die Risiko-Einschätzung der befragten Fachleute ist vor allem die Corona-Pandemie. Auf diese Entwicklung verweist International SOS – und erweitert seine „Travel Risk Map“ um die „Covid-19 Impact Map“. Die neue Version der interaktiven Karte, die an diesem Mittwoch herausgegeben wird, zeigt zum einen Infos bezüglich der Sicherheit, der gesundheitlichen Risiken und der Verkehrssicherheit in allen Ländern der Welt. Zugleich sind dort auch Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb (domestic operations) und auf die Einreise (inbound travel) nachzulesen.

Gleichzeitig informiert sie aber auch, welche Auswirkungen das Coronavirus in den Ländern auf Gesundheit, Sicherheit und Logistik hat. Die Karte ist in erster Linie für Geschäftsreisende gedacht, bietet aber auch Orientierung für die Urlaubsplanung.

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Bezogen auf den Einfluss von Covid-19 auf Reisen gibt es fünf Risikolevel von „sehr niedrig“ bis „sehr hoch“. Die Karte wird laut International SOS täglich aktualisiert, folgende Kriterien fließen in die Länderbewertung ein:

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  • Covid-19-Fallzahlen im 14-tägigen gleitenden Durchschnitt
  • Risikoumfeld in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit
  • Reisebeschränkungen im jeweiligen Inland sowie Beschränkungen für Auslandsreisen
  • vorhandene Maßnahmen gegen Covid-19 und ihre Wirksamkeit

Die meisten Länder weltweit sind mit „niedrig“, „mittel“ oder „hoch“ eingestuft. „Sehr hoch“ ist der Einfluss derzeit demnach nur in Georgien, dort ist ein Geschäftsbetrieb International SOS zufolge praktisch nicht möglich. „Sehr niedrig“ ist der Einfluss unter anderem in Neuseeland, Nicaragua und Tansania. Dort sind (Geschäfts-)Reisen unter ähnlichen Gesundheits- und Sicherheits­beschränkungen möglich wie vor der Covid-19-Pandemie.

Wegen Coronavirus nicht die anderen Reiserisiken vernachlässigen

International SOS mahnt aber auch, sich nicht nur auf Covid-19 zu fokussieren, das berge das Risiko von blinden Flecken in Bezug auf Gefahrenquellen wie Naturkatastrophen und Terrorismus. Die Hurrikansaison in den USA und der Karibik sei beispielsweise die stärkste seit Jahren – sie werde aber im Vergleich sehr viel weniger stark wahrgenommen, sagt Martin Bauer, Regional Security Manager bei International SOS, dem RND. Das zeigt auch die Umfrage des Unternehmens: Die Befragten nannten „geopolitische Bedrohungen“ (30 Prozent), „Unruhen“ (25 Prozent) und „Sicherheits­bedrohungen“ (32 Prozent) deutlich weniger häufig als im Vorjahr (52, 52 beziehungsweise 68 Prozent).

Dabei habe die Pandemie Sicherheitsfragen sogar verschärft, insbesondere in Zusammenhang mit Unruhen und politischen Protesten, so Bauer. „In ähnlicher Weise hat die Kriminalität an einigen Orten zugenommen, und wir stehen erst am Anfang der sozioökonomischen und psychologischen Folgen der Covid-19-Krise. Gleichzeitig wird der Umgang mit großen Bedrohungen wie Naturkatastrophen immer komplexer, da Covid-19 und sich ständig verändernde Reisebeschränkungen berücksichtigt werden müssen.“

„Travel Risk Map“ zeigt Gesundheits- und Sicherheitsrisiken

Die „Travel Risk Map“ zeigt daher weiterhin auch weitere Risiken im Bereich Gesundheit, Sicherheit und Verkehr weltweit. Für die Einschätzung des Reise­sicherheits­risikos werden die Faktoren politische Gewalt (einschließlich Terrorismus, Aufstände, politisch motivierte Unruhen und Krieg), soziale Unruhen (einschließlich konfessionell bedingter, kommunaler und ethnischer Gewalt) sowie Gewalt- und Kleinkriminalität berücksichtigt.

Tiefrot und mit extrem hohem Sicherheitsrisiko eingezeichnet sind Länder wie Syrien, Libyen oder Jemen. Hoch ist das Risiko etwa in Venezuela und Teilen Ägyptens. Absolut unbedenklich ist die Reise International SOS zufolge nur in 14 Ländern, alle befinden sich in Europa oder sind Inselstaaten in Ozeanien: Cook-Inseln, Dänemark, Finnland, Grönland, Island, Kiribati, Luxemburg, die Marshallinseln, Nauro, Norwegen, Palau, Schweiz, Slowenien und Tuvalu.

An diesen Reisezielen ist die Kriminalitätsrate sehr niedrig, es gibt weder nennenswerte politische Gewalt noch soziale Unruhen oder gezielte Gewalt gegen Ausländer. Allerdings: Wenn es um die medizinische Versorgung geht, schneiden die Länder in Ozeanien nicht gut ab.

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So hoch ist das gesundheitliche Risiko auf Reisen

Für die gesundheitlichen Risiken wurden unter anderem folgende Faktoren analysiert: Infektions­krankheiten, Umweltfaktoren, der Standard der medizinischen Notfall­versorgung, Zugang zu hochwertigen Arzneimitteln sowie kulturelle, sprachliche und administrative Barrieren.

Das Gesundheitsrisiko ist besonders in Afrika extrem hoch, nämlich in diesen Ländern: Burkina Faso, Burundi, Eritrea, Guinea, Guinea-Bissau, Libyen, Liberia, Niger, Sierra Leone, Somalia, Südsudan, Zentral­afrikanische Republik. Außerdem extrem hoch ist es in Afghanistan, Jemen, Irak, Haiti, Nordkorea, Syrien und Venezuela. Die Einschätzungen zum Gesundheitsrisiko müssten jedoch in Verbindung mit den Corona-Fallzahlen und der „Covid-19 Impact Map“ interpretiert werden.

Die „Travel Risk Map“ ist in erster Linie für Geschäftsreisende und Unternehmen gedacht, sie bietet aber auch Urlaubern einen Anhaltspunkt. Wer privat reist, tut dies oft in einem weniger geschützten Rahmen – es gibt aber auch einige Länder, in die man wohl nur reist, wenn man dort arbeiten muss. Die Einschätzung des Auswärtigen Amts weicht daher für manche Länder ab.

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