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Zugausfälle und Verspätungen wegen Sturmtief „Hendrik“: Welche Rechte Bahnreisende haben

  • Sturmtief „Hendrik“ hat in ganz Deutschland am Donnerstag für Chaos bei der Deutschen Bahn gesorgt.
  • Am Freitag normalisierte sich der Bahnverkehr langsam, es kommt aber weiter zu Verspätungen und Ausfällen.
  • Welche Rechte Reisende bei Einschränkungen haben.
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Die zwei Sturmtiefs „Ignatz“ und „Hendrik“ haben auch die Fahrpläne der Deutschen Bahn durcheinandergewirbelt. Nach dem Bahnchaos am Donnerstag, bei dem der Zugverkehr in einigen Bundesländern eingestellt wurde, soll sich der Bahnverkehr langsam normalisieren. Aktuell seien keine Strecken mehr durch Unwetterschäden komplett gesperrt, es könne aber weiter zu Verspätungen und Ausfällen kommen, teilt der Konzern mit. Außerdem müssen Reisende am Freitag mit vollen Zügen rechnen – weil wohl viele Menschen die ausgefallene Fahrt nachholen wollen.

Zugverkehr teilweise eingestellt

In Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen war der Regionalbahnverkehr am Donnerstag komplett eingestellt worden, in Nordrhein-Westfalen kam der Fernverkehr zum Erliegen. Dadurch gab es zeitweise keine Reise­möglichkeiten mit dem Fernverkehr von und nach NRW Richtung Hamburg, Hannover, Kassel-Wilhelmshöhe und Frankfurt am Main. Auch die ICE-Züge von und nach Amsterdam sowie von und nach Brüssel fielen komplett aus. Auch in Rheinland-Pfalz, Nordbaden und im Saarland kommt es zu starken Einschränkungen im Nahverkehr der Deutschen Bahn.

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Herbststürme fegen über Deutschland
1:51 min
Im Osten und Nordosten werden orkanartige Böen von bis zu 105 Kilometern pro Stunde gemessen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) mahnt die Menschen zur Vorsicht.  © Reuters

Sturmtief „Hendrik“: Zugticket kann flexibel genutzt werden

Die Deutsche Bahn legte am Donnerstag Kulanzregeln auf: Alle Fahrgäste, die ihre für den 21. Oktober 2021 geplante Reise aufgrund des Sturmtiefs verschieben möchten, können ihr bereits gebuchtes Ticket für den Fern- und Regionalverkehr ab sofort bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende flexibel nutzen. Sitzplatz­reservierungen können kostenfrei umgetauscht werden.

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Zudem weist sie darauf hin, dass bei Verspätungen oder Zugausfällen die allgemeinen Fahrgastrechte gelten. Was Reisende tun können, wenn ihr Zug nicht fährt oder verspätet ist: ein Überblick.

Wenn der Zug nicht fährt

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Wenn aufgrund eines Sturms der Bahnverkehr komplett zum Erliegen kommt und Reisende frühestens am nächsten Tag weiterfahren können, muss die Bahn entweder eine Ersatz­beförderung – beispielsweise per Bus oder Sammeltaxi – anbieten oder für eine kostenfreie Übernachtungs­unterkunft sorgen, darauf weist die Verbraucher­zentrale hin.

Steckt der Zug auf der Strecke fest, muss die Bahn alle Reisenden aus dem Zug zum nächsten Bahnhof bringen. Die Bahn kann diese Ansprüche nicht mit dem Hinweis auf höhere Gewalt ablehnen.

Wenn sich der Zug verspätet

Bei einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielort können Reisende einen anderen nicht reservierungs­pflichtigen Zug nutzen. Diese Regelung gilt nicht bei stark ermäßigten Fahrkarten (zum Beispiel Schönes-Wochenende-Ticket, Ländertickets).

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Bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielbahnhof von mehr als 60 Minuten können Reisende vor Fahrtantritt von ihrer Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen oder die Reise abbrechen und zum Startbahnhof zurückkehren, wenn die Fahrt sinnlos geworden ist. In diesem Fall erfolgt eine Erstattung des vollen Fahrpreises. Es ist auch möglich, die Reise abzubrechen und sich den nicht genutzten Anteil erstatten zu lassen.

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Ein Feuerwehrmann räumt Teile eines Baums von der Fahrbahn in Neu-Börnsen in Schleswig-Holstein.  @ Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Alternativ erhalten Reisende bei Durchführung der Reise ab 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof eine Entschädigung von 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt, ab 120 Minuten Verspätung eine Entschädigung in Höhe 50 Prozent des gezahlten Fahrpreises. Bei Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt wird die Entschädigung auf der Grundlage des halben entrichteten Fahrpreises berechnet. Der Aufpreis für den ICE-Sprinter wird ab 30 Minuten Verspätung des Expresszuges erstattet. Kundinnen und Kunden haben die Wahl, ob ihnen die Entschädigung ausgezahlt werden soll oder sie einen Gutschein erhalten wollen.

Was Reisende bei Verspätungen und Zugausfällen tun sollten

Wichtig ist: Fahrgäste sollten schon im Zug ein Fahrgastrechte­formular verlangen und sich den Zugausfall beziehungsweise die Verspätung bestätigen lassen. Die Fahrkarten sollten gut aufgehoben werden. Seit Juni 2021 ist es auch möglich, die Entschädigungen online über das Kundenkonto bei der Deutschen Bahn zu beantragen. Gibt es Streit um die Entschädigung, können sich Reisende an die Schlichtungsstelle für öffentlichen Personenverkehr wenden.

Touristin Chriai Wiamo aus Toulouse in Frankreich geht bei stürmischem Wetter über den Eisernen Steg, eine Fußgängerbrücke über den Main. In der Nacht und am Vormittag zog Sturmtief „Ignatz“ über Hessen hinweg. © Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Kontakt aufnehmen: Wenden Sie sich an das Bahn­unternehmen, bei dem Sie die Fahrkarte gekauft haben. Bewahren Sie Ihre Fahrkarte und die Bestätigung über Verspätung oder Ausfall Ihres Zuges auf.

Auszahlung verlangen: Teilen Sie der Bahn mit, dass Sie die Entschädigung ausgezahlt bekommen wollen. Tun Sie das nicht, kann die Entschädigung auch mit einem Gutschein oder anderen Leistungen abgegolten werden.

Außerdem sollten Reisende nicht einfach in Eigenregie für eine Ersatz­beförderung oder eine Unterkunft sorgen. Die Bahn muss nur dann die angemessenen Kosten erstatten, wenn es den Reisenden aus Gründen, die die Bahn zu vertreten hat, nicht möglich war, Kontakt aufzunehmen. Die Kosten für eine Ersatz­beförderung sind von der Bahn nur bis zu einer Höhe von 80 Euro zu erstatten.

Warum ist die Bahn in der Pflicht, wenn sie gar nichts nichts für den Sturm kann?

Die hier beschriebenen Fahrgastrechte sind nicht von einem eigenen Verschulden der Bahn abhängig. Mit seiner Entscheidung vom 26. September 2013 hat der Europäische Gerichtshof (C-509/11) klargestellt, dass die vorgesehene Entschädigung die Unkosten des Fahrgastes kompensieren soll. Schließlich ist dieser schon bezahlte Fahrkartenpreis die Gegenleistung für eine Dienstleistung, die letztlich nicht im Einklang mit dem Beförderungs­vertrag erbracht wurde.

RND/gei

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