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Stärkerer Schutz für Pauschalreisende: Was hinter dem neuen Sicherungsfonds steckt

  • Damit Reisende im Falle einer Pleite des Veranstalters nicht am Urlaubsort stranden, sollen Unternehmen in einen Sicherungsfonds einzahlen.
  • Der Bundestag hat die Einrichtung des millionenschweren Pleiteschutzes beschlossen.
  • Was bedeutet das konkret für Urlauberinnen und Urlauber? Ein Überblick.
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Die Insolvenzsicherung im Pauschalreiserecht soll neu geregelt werden: Ein millionenschwerer Fonds sichert Reisende künftig bei der Pleite ihres Reiseveranstalters ab. Der Bundestag beschloss in der Nacht zu Freitag die Einrichtung eines Sicherungsfonds, in den die Veranstalter selbst einzahlen müssen. Was das konkret für Urlauberinnen und Urlauber bedeutet, worauf sie beim Buchen achten sollten und ob Reisen teurer werden könnten: ein Überblick.

Warum gibt es den Pleiteschutz jetzt?

Die Pleite der Thomas-Cook-Gruppe im Jahr 2019 habe gezeigt, dass die aktuell gültige Haftungsgrenze von Versicherungen für zu erstattende Beträge auf 110 Millionen Euro zu niedrig sei, heißt es auf der Website der Bundesregierung. Die Versicherung hatte damals nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, weshalb schließlich der Bund (und damit die Steuerzahler) einsprangen und Ausgleichszahlungen an Zehntausende geschädigte Kunden geleistet haben.

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Die Corona-Pandemie habe die Liquiditätslage von Reiseveranstaltern weiter geschwächt. Die Prämien, die Unternehmen für ihre Versicherungen zahlen müssen, seien gestiegen. Hinzu komme, dass einzelne Versicherer sich komplett aus dem Markt zurückgezogen hätten – dies könne im Extremfall zu einem Zusammenbruch des Markts für Insolvenzversicherungen führen. Dieser Gefahr soll mit dem Reisesicherungsfonds nun begegnet werden.

Was bringt der Sicherungsfonds für Pauschalreisende?

Der neue Fonds soll ein Debakel wie bei der Thomas-Cook-Pleite verhindern. Er soll Vorauszahlungen der Kunden, den Rücktransport gestrandeter Urlauberinnen und Urlauber sowie deren Unterbringung bis zum Rücktransport garantieren.

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Wie funktioniert der Sicherungsfonds?

Der Sicherungsfonds sieht unter anderem vor, dass die Anbieter ein Prozent des Reisepreises in einen Fonds abführen, der bis zum Jahr 2027 mit 750 Millionen Euro gefüllt werden soll. Aus diesem Topf sollen die Anzahlungen der Kunden zurückerstattet und auch der Rücktransport gestrandeter Gäste bezahlt werden.

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Der neue Reisesicherungsfonds löst grundsätzlich die bisherige Absicherung durch Versicherungen oder Bankbürgschaften ab, er soll künftig grundsätzlich der alleinige Insolvenzabsicherer sein. Von der Pflicht, in den Fonds einzuzahlen, werden nur kleinere Unternehmen ausgenommen. Die Umsatzgrenze für diese Ausnahmeregelung wurde in den parlamentarischen Beratungen von den ursprünglich vorgesehenen 3 Millionen Euro auf einen Jahresumsatz von 10 Millionen Euro angehoben.

Kleine und mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 10 Millionen Euro sind nicht verpflichtet, sich beim Reisesicherungsfonds abzusichern. Sie können sich für eine individuelle Versicherungslösung oder Bankbürgschaft entscheiden. Dies gilt auch für Gelegenheitsveranstalter oder Hotels, die Zusatzleistungen anbieten. „Damit können viele der kleinen und mittelständischen Reiseveranstalter oder veranstaltende Reisebüros wählen, ob sie sich wie bisher über den Versicherungsmarkt absichern wollen. Diese Wahlfreiheit sehen wir positiv“, sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig.

Ab wann soll der Fonds greifen?

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Das Gesetz soll grundsätzlich zum 1. Juli 2021 in Kraft treten und der Fonds zum 1. November 2021 seinen Geschäftsbetrieb aufnehmen und zur Absicherung in der Lage sein, das teilt die Bundesregierung mit.

Wie erfahre ich, dass mein Reiseveranstalter gegen eine Insolvenz abgesichert ist?

Der Reiseveranstalter muss dem Kunden oder der Kundin einen unmittelbaren Anspruch gegen den Insolvenzabsicherungsfonds verschaffen. Nachweisen können muss er dies auf Anfrage durch eine ausgestellte Bestätigung (Sicherungsschein).

Könnten Reisen durch den Pleiteschutz teurer werden?

„Die neue Kundengeldabsicherung bedeutet allerdings eine massive wirtschaftliche Herausforderung – gerade jetzt, wo die Unternehmen mit den dramatischen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben. Auch wenn die Reiselust der Deutschen sich endlich wieder in den Buchungen zeigt, ist die Reisewirtschaft doch nach wie vor wirtschaftlich sehr stark durch die Corona-Krise getroffen“, so DRV-Präsident Fiebig.

Vertreter aus der Reisebranche hatten im Vorfeld gewarnt, dass Pauschalreisen durch den Sicherungsfonds teurer werden könnten. Veranstalter dürften den Sicherheitszuschlag wohl auf die Rechnung aufschlagen, heißt es aus der Branche. Denn viele Unternehmen kämpften aufgrund der Corona-Krise ums Überleben, andere haben Kredite aufgenommen, die sie bedienen müssen, und brauchen deshalb jeden Euro.

RND/gei

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