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  • Spanien und die Niederlande droht heute die Einstufung zu Hochinzidenz­gebieten

Was die Einstufung als Hochinzidenzgebiet für Spanien und die Niederlande bedeuten würde

  • Trotz hoher Inzidenzwerte wurden Spanien und die Niederlande nicht als Hochinzidenzgebiete eingestuft.
  • Doch die Infektions­zahlen in beiden Ländern steigen – die Hochstufung könnte daher diese Woche erfolgen.
  • Für die Tourismus­branche wäre das ein herber Schlag, denn dann würden wieder verschärfte Quarantäne­regeln nach der Rückkehr gelten.
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Bisher sind vier Länder in Europa als Hochinzidenzgebiete eingestuft: Portugal, Zypern, das Vereinigte Königreich und Russland. Für sie gilt eine Reisewarnung seitens des Auswärtigen Amtes. Beim Blick auf die Corona-Lage zweier weiterer beliebter Urlaubsziele ist zu erwarten, dass die Liste zeitnah wachsen wird: In Spanien liegt die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen bei 385,2, in den Niederlanden sogar bei 360,9 (Stand: 23. Juli).

Jedoch wurden beide Länder trotz stark gestiegener Inzidenzwerte bei der jüngsten Aktualisierung der Risikogebieteliste noch nicht zum Hochinzidenz­gebiete hochgestuft, sie stehen weiterhin auf der Liste der einfachen Risikogebiete. Warum ist das so?

Warum sind Spanien und die Niederlande bisher keine Hochinzidenz­gebiete?

„Die Bundesregierung beobachtet die Lage in Spanien und den Niederlanden intensiv“, heißt es dazu vom Auswärtigen Amt gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Die Entscheidung über eine Einstufung als Risikogebiet und auch deren Aufhebung treffen das Auswärtiges Amt, das Innenministerium und das Gesundheits­ministerium gemeinsam, die Liste mit den Einstufungen wird vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht und entweder einmal wöchentlich oder anlassbezogen aktualisiert.

Ob ein Land als Hochinzidenz­gebiet ausgewiesen wird, erfolge anhand einer zweistufigen Bewertung, erklärt das RKI auf seiner Website: „Zunächst wird festgestellt, in welchen Staaten/Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 200 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab.“ Anhand weiterer qualitativer und quantitativer Kriterien kann im zweiten Schritt festgestellt werden, ob trotz eines Unter- oder Überschreitens der Inzidenz ein besonders erhöhtes beziehungsweise nicht besonders erhöhtes Infektionsrisiko begründet ist. Das geschieht aber nicht sofort: „Maßgeblich für die quantitative Bewertung sind tatsächliche und stabile Trends des Infektions­geschehens, nicht Momentaufnahmen“, heißt es aus dem Auswärtigen Amt gegenüber dem RND. Bei der Risikobewertung werde die Entwicklung des Inzidenz­geschehens von mindestens einer Woche herangezogen.

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Dass sowohl Spanien als auch die Niederlande bislang ihren Status als einfaches Risikogebiet behalten haben, könnte darauf hindeuten, dass neben der reinen Inzidenz inzwischen verstärkt andere Faktoren – wie beispielsweise die Zahl der Krankenhaus­einweisungen von Covid-19-Erkrankten – für die Einstufung zu Rate gezogen werden. Dies hatte Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn angesichts der wachsenden Impfquote und der damit verbundenen Verhinderung schwerer Erkrankungen bereits für die Bewertung des Infektionsgeschehens innerhalb Deutschlands angekündigt.

So ist die Corona-Lage in Spanien und den Niederlanden

Das schlägt sich auch bei den Niederlanden und Spanien nieder: Die Lage in den Krankenhäusern ist noch entspannt, die Intensivstationen bisher nicht überlastet. Das wird darauf zurückgeführt, dass sich vor vor allem Jugendliche und junge Erwachsene infizieren. Einer der Infektionsherde war ein Festival in Utrecht – trotz vorhandener Hygiene­maßnahmen sollen sich dort rund 1000 Besucherinnen und Besucher infiziert haben. Auf Mallorca, der Lieblingsinsel der Deutschen, werden Massen­ansteckungen unter spanischen Abiturientinnen und Abiturienten mitverantwortlich gemacht – und die Delta-Variante fungiert als Beschleuniger. Inzwischen wird sie bei rund 85 Prozent der Neuinfektionen nachgewiesen.

Trotzdem haben beide Länder bereits Lockerungen zurück­genommen. So müssen Restaurants und Bars wieder gegen Mitternacht schließen, Diskotheken und Clubs dürfen gar nicht mehr öffnen. In der Region Katalonien mit Barcelona wurden wieder nächtliche Ausgangssperren eingeführt von 1 bis 6 Uhr. Auch auf Mallorca könnten verschärfte Regeln drohen, berichtet die „Mallorca Zeitung“. Die Inselregierung plane ein nächtliches Versammlungs­verbot sowie eine Wiedereinführung der Maskenpflicht im Freien. Diese würde auch Reisende treffen, ansonsten sind die Regeln aber moderat – auch in Bezug auf die Rückkehr nach Deutschland.

Was gilt bei der Rückkehr aus einem Hochinzidenz­gebiet?

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Die Unterteilung in Risikogebiete, Hochinzidenz- und Virusvarianten­gebiete hat Auswirkungen auf die Einreise­bestimmungen. Für Reisende in Spanien und den Niederlanden bedeutet der Verbleib beider Länder auf der Liste der einfachen Risikogebiete, dass die Rückreise zunächst noch recht entspannt abläuft. Sie müssen nach der Rückkehr nach Deutschland weiterhin nicht in Quarantäne – dafür reicht es, wenn sie bereits vor der Einreise einen negativen Corona-Test, die Impfung oder Genesung nachweisen können. Für Flugreisende gilt diese Nachweispflicht ohnehin, egal, aus welchem Land sie einreisen.

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Urlauberinnen und Urlauber, die sich in einem Hochinzidenz­gebiet aufgehalten haben, müssen bei der Einreise nach Deutschland einen Nachweis über einen negativen Corona-Test, eine vollständige Impfung oder eine Genesung vorlegen. Antigen-Schnelltests dürfen maximal 48 Stunden alt sein, PCR-Tests höchstens 72 Stunden. Reisende ohne vollständigen Impfschutz oder überstandene Covid-19-Erkrankung müssen nach der Einreise zudem für bis zu zehn Tage in Quarantäne. Mit einem zweiten negativen Test kann die Quarantäne auf fünf Tage verkürzt werden.

Buchungs­rückgang für Spanien

Und genau deswegen fürchten Touristikerinnen und Touristiker die Hochstufung von Spanien und den Niederlanden. „Der Buchungskiller ist eine drohende Quarantäne bei Rückreise nach Deutschland. Da sind die Kundinnen und Kunden überaus sensibel – vor allem, wenn es um den Familienurlaub geht“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Norbert Fiebig, im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Bereits jetzt zeigt sich die Folge der Verunsicherung bei Urlauberinnen und Urlaubern: Deutsche Veranstalter und spanische Touristiker registrieren bereits einen Einbruch des im Juni noch starken Buchungs­aufkommens. Es gebe einen „plötzlichen Rückgang“ bei den Buchungen ausländischer Urlauberinnen und Urlauber, berichtet der Fernsehsender RTVE unter Berufung auf den Vizepräsidenten des spanischen Tourismus­verbandes Exceltur, José Luis Zoreda. „Wenn sich die Corona-Zahlen weiter verschlechtern, schätzen wir, dass der Tourismus in diesem Sommer­quartal einen Umsatz von 37,97 Milliarden Euro generieren wird, mehr als die 24,30 Milliarden im selben Zeitraum des Vorjahres, aber viel weniger als die 58,37 Milliarden des Jahres 2019“, so Zoreda.

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